Die noch im 15. Jh. dominierenden Einzelhöfe wuchsen im Verlauf der frühen Neuzeit zu unzähligen weilerartigen Häusergruppen an und bestimmten neben den zentralen Markt- und Kirchorten Solingen, Gräfrath und Wald das Siedlungsbild. Diese Hofschaften bestanden aus sechs bis dreißig Gebäuden. Charakteristisch war die regellose Anlage von bäuerlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie dazwischen liegenden Werkstätten des Metallgewerbes wie Schmieden und Reiderwerkstätten.
Eine Hofschaft kann als weilerförmige Ansammlung von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie Werkstätten und Gartenland beschrieben werden. Sie war eine Siedlung oder "Lebensraum", in dem die Bewohner sich teilweise selbst versorgten. Sie war jedoch kein "kleines Dorf"; dazu fehlte die dörfliche Infrastruktur wie Kirche und Kaufmannsladen. Der Hofschaftscharakter ist heute noch in Solingen in vielen alten Siedlungen erkennbar.
Nicht zu verwechseln sind die "Hofschaften" mit den "Honschaften"...
Die Praxis der Realerbteilung, die eine gleichmäßige Verteilung des Besitzes - des Landes wie der Gebäude - unter den Erben vorsah, zersplitterte den ohnehin wenig fruchtbaren Boden in immer kleinere Besitztümer. Dies geschah bei jedem Generationswechsel.
Spätestens im 17. Jh. stieß die Siedlungsbewegung an ihre Grenzen. Durch den arbeitsintensiven Anbau von Buchweizen, Kohl, Hülsenfrüchten und Kartoffeln (seit Mitte des 18. Jh.), der nahezu "gartenmäßig" betrieben wurde, versuchten die Landbewohner, ein Auskommen auf den sich immer weiter verkleinernden Gütern zu finden. Häufig wurden auch noch im 20. Jh. Hühner und Ziegen, seltener eine Kuh gehalten.
Durch die starke Besiedlung rückten die Hofschaften bis auf Sichtweite aneinander. Eine Landkarte des Baumeisters und Landmessers Erich Philipp Ploennies (+ 1751) verzeichnet Anfang des 18. Jh. auf dem Gebiet der heutigen Stadt Solingen lt. Malunat 262 solcher Hofschaften. [Ich habe nicht nachgezählt.]
Aufgrund der wachsen Bevölkerungszahl bildeten sich "Tochterhofschaften", noch erkennbar an Namenszusätzen wie Oben-, Unten-, I., II., II., Vorder-, Mittel-, Hinter- usw.
Die sanitären Verhältnisse blieben bis in die frühe Neuzeit kritisch. Da es in den Hofschaften weit weniger Brunnen als Hausbesitzer gab, mussten die Nutzungsrechte geregelt werden. Die Ableitung des Schmutzwassers stellte viele Bewohner wegen der abschüssigen Lage der meisten Hofschaften vor fast unlösbare Probleme. Streitpunkte im Alltag gab es also genug.