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Solingen
Solinger Hofschaften, Ortschaften, Höfe, Straßen, Häuser


Einzelne Solinger Hofschaften,
Ortschaften, Höfe, Straßen und Häuser


Bech
Bockstiege
Brabant / Potzhof
Buckert
Dahl

Ehren
Eipaß
Engelsbergerhof
Eschbach / Itter
Feld

Garzenhaus
Gönrather Hof
Haus Grünewald
Ittertal
Ketzberg, Gemür
Keusenhof
Kirschbaumer Hof
Krüdersheide
Kullen / Kulltappen
Limminghofen

Monhof
Nacken
Rennpatt
Riefnacken
Rolsberg

Roter Esel
Scheid
Scheuer
Sonnenschein
Sorgenhaus
Stockdum
Straßen
Tiefendick
Tummelhaus
Vockert

Werwolf
Westersburg
Wiefeldick
Wilzhaus
Wittkulle

Schloss Küppelstein (RS)

  Alte Ortsbezeichnungen im ehemaligen Dorfe Wald
  Bürgerliste des Kirchspiels Wald von 1727
  Einzelne ehemalige Ritter- und Adelssitze in Solingen und Umgebung
Hofschaftshaus mit mehrfacher Wohnflächenvergrößerung

Im Stadtarchiv fand ich alte Abbildungen, Zeitungsnotizen und Dokumente zur Geschichte der oben aufgelisteten Örtlichkeiten, in denen man vielen alten Solinger Familiennamen begegnet.

Einige der Höfe, aus denen teilweise später Hofschaften geworden sind, hat es schon im 14. Jh. gegeben. Mittelalterliche Aufzeichnungen sind hauptsächlich von denjenigen Bauernhöfen erhalten, die von einem Grundherrn abhängig waren (z.B. der Abtei Altenberg), - ein Bruchteil aller Höfe im Solinger Gebiet. Die meisten waren freibäuerlicher Besitz.


Wer einmal eine kleine, höchst lebendige Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen und zugleich in die Gegenwart einer alten Solinger Hofschaft hineinschnuppern will, der sollte sich durch das zeitweilig als Hofschaftsmuseum geöffnete 'Haus zum Busch' in Gräfrath und die Hofschaft Buscherfeld führen lassen.


Buscherfeld
2005   Buscherfeld
 

Die Begeisterung der Hausherrin für ihr altes Fachwerkhaus, sein Innenleben und die ländlich-schöne Umgebung wirkt ansteckend: Die kenntnisreichen Erläuterungen sind die eigene Familiengeschichte, und auch jedes der Altertümchen in Haus und Garten hat seine Geschichte. Und wer beim 'Adeln' Hand anlegen, sich an einem Waschbrett versuchen oder einen puristischen hölzernen Schneebesen ausprobieren will, erhält vielleicht dazu Gelegenheit.


  Hofschaftsmuseum "Haus zum Busch", Gräfrath




Die Hofschaften

Die noch im 15. Jh. dominierenden Einzelhöfe wuchsen im Verlauf der frühen Neuzeit zu unzähligen weilerartigen Häusergruppen an und bestimmten neben den zentralen Markt- und Kirchorten Solingen, Gräfrath und Wald das Siedlungsbild. Diese Hofschaften bestanden aus sechs bis dreißig Gebäuden. Charakteristisch war die regellose Anlage von bäuerlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie dazwischen liegenden Werkstätten des Metallgewerbes wie Schmieden und Reiderwerkstätten.

  Eine Hofschaft kann als weilerförmige Ansammlung von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie Werkstätten und Gartenland beschrieben werden. Sie war eine Siedlung oder "Lebensraum", in dem die Bewohner sich teilweise selbst versorgten. Sie war jedoch kein "kleines Dorf"; dazu fehlte die dörfliche Infrastruktur wie Kirche und Kaufmannsladen. Der Hofschaftscharakter ist heute noch in Solingen in vielen alten Siedlungen erkennbar.

  Nicht zu verwechseln sind die "Hofschaften" mit den "Honschaften"...

Die Praxis der Realerbteilung, die eine gleichmäßige Verteilung des Besitzes - des Landes wie der Gebäude - unter den Erben vorsah, zersplitterte den ohnehin wenig fruchtbaren Boden in immer kleinere Besitztümer. Dies geschah bei jedem Generationswechsel.

Spätestens im 17. Jh. stieß die Siedlungsbewegung an ihre Grenzen. Durch den arbeitsintensiven Anbau von Buchweizen, Kohl, Hülsenfrüchten und Kartoffeln (seit Mitte des 18. Jh.), der nahezu "gartenmäßig" betrieben wurde, versuchten die Landbewohner, ein Auskommen auf den sich immer weiter verkleinernden Gütern zu finden. Häufig wurden auch noch im 20. Jh. Hühner und Ziegen, seltener eine Kuh gehalten.

Durch die starke Besiedlung rückten die Hofschaften bis auf Sichtweite aneinander. Eine Landkarte des Baumeisters und Landmessers Erich Philipp Ploennies (+ 1751) verzeichnet Anfang des 18. Jh. auf dem Gebiet der heutigen Stadt Solingen lt. Malunat 262 solcher Hofschaften. [Ich habe nicht nachgezählt.]

Aufgrund der wachsen Bevölkerungszahl bildeten sich "Tochterhofschaften", noch erkennbar an Namenszusätzen wie Oben-, Unten-, I., II., II., Vorder-, Mittel-, Hinter- usw.

Die sanitären Verhältnisse blieben bis in die frühe Neuzeit kritisch. Da es in den Hofschaften weit weniger Brunnen als Hausbesitzer gab, mussten die Nutzungsrechte geregelt werden. Die Ableitung des Schmutzwassers stellte viele Bewohner wegen der abschüssigen Lage der meisten Hofschaften vor fast unlösbare Probleme. Streitpunkte im Alltag gab es also genug.




Auch die Unzulänglichkeiten der verwendeten Baumaterialien wirkten sich auf das Erscheinungsbild der Hofschaften aus. Die nötigen Pflegearbeiten an Haus und Nebengebäuden banden nicht nur Arbeitskraft, sondern auch viel Geld. So mussten die Gefache der Außenwände regelmäßig erneuert werden. Besonders anfällige Stellen, wie Wetterseite und Giebel, versuchte man mit Holzverkleidungen zu schützen. Ohne regelmäßige Pflege verfielen die Anlagen innerhalb kurzer Zeit. So attraktiv, wie die restaurierten Anwesen heute aussehen, sind sie früher wohl nie gewesen.

Konjunkturelle Krisen zeigten sich auch am aktuellen Zustand der Häuser, der oft zu wünschen übrig ließ. Vielleicht boten sie ein ähnlich trauriges Bild wie die vielen Fachwerk- und Schieferbauten in den 1960er/1970er Jahren, die nicht mehr instand gesetzt wurden und allmählich verfielen.

Allerdings ist auch von Reisenden des 18./19. Jh. zu lesen, dass sie von der Sauberkeit bergischer Fachwerkhäuser beeindruckt waren.

  Vom bergischen Haus



Quellen:
  • Lomberg (1928)
  • Lunkenheimer (1990)
  • Malunat (1990)

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    13.10.2002, zuletzt aktualisiert 13.10.2008