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Solingen |
Solinger Hofschaften
Scheuer |
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Die Walder Ortsbezeichnung 'Scheuer' oder 'An der Schür' ist nicht mehr im Solinger Stadtplan zu finden. Eigentlich schade, denn 'Scheuer' war zeitweise ein recht markanter Punkt im Lokalgeschehen. Die Ortschaft lag etwa in dem Bereich, wo sich Weyerstraße und Friedrich-Ebert-Straße treffen, genauer bezeichnet am Ende des folgenden Zeitungsartikels.
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Solinger Tageblatt vom 24. November 1937
"Zu der am 13. November d.J. im 'Stadtanzeiger zum Solinger Tageblatt' gestellten Frage nach der Ortsbezeichnung 'An der Schür' macht uns unser Mitbürger Maximilian Busch, Solingen-Wald, ausführliche Angaben. Sie stützen sich auf Familienüberlieferungen und Rückfragen bei der ältesten Generation eingesessener Ortsbewohner 'an der Schür', wie bei dem 78jährigen Friedrich Stütenbäcker, Tiefendicker Straße. Die Zuschrift lautet: |
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»Der Name 'Scheuer', 'An der Schür' ist auf eine Scheune zurückzuführen, die der Sippe 'Busch' gehörte und die sich auf dem Grundstück befand, wo jetzt die Wirtschaft Johnen steht (1895 von Ernst Busch neu erbaut)."
Dieser älteste Teil des Stammhauses Busch, also diese 'Scheuer', war eines der ältesten Häuser in der Ortschaft an der Schür, jedenfalls bedeutend älter als das später gebaute größere, danebenliegende Gebäude, die sogenannte 'Busch-Dehle' oder Gasthof zur Börse an der Schür, wo im Jahre 1886 der Wirt Ernst Busch dahinter noch eine Bäckerei dazu anfing.
Der Name 'Scheuer' oder an der Schür läßt sich besser noch erklären, wenn man weiß, daß die Wirt- und Ackererfamilie Busch, die Pferdevorspanndienste leisten mußten, zur Bezwingung des Weyerberges, und zwar den regelmäßig kommenden großen Fuhrwerkslastzügen, die, schwer beladen, englische Stoffballen (aus Rheinschiffen in der Urdenbach) nach Elberfeld zum Färben schafften, den vielen Zugtieren und den Fuhrknechten Unterkunft und Verpflegung geben mußten. Die Tiere wurden hier untergestellt, Stallungen, große Krippen, Pferdehaltebalken, Tränkteich waren hier vorhanden. Das Haus machte den Eindruck einer großen Scheune und diente auch als solche, und zwar nicht allein der Familie Busch, sondern besonders auch den fremden Fuhrwerkszügen.
Außer den Busch'schen Ländereien und bebauten Grundstücken, Stallungen usw. waren in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nur sehr wenige Häuser in der Ortschaft Scheuer. Busch gegenüber lag links von der Felderstraße (der heutigen Erbslöhstraße) das Anwesen des Federmesserreiders Kamphausen und rechts von der Felderstraße das Anwesen des Taschenmesserfabrikanten Röltgen (in den heutigen Plückerschen Häusern), der sehr viele Arbeiter beschäftigte und der sogar Geschäftsreisen mit Pferd und Wagen regelmäßig nach Paris machte, aber nebenher noch etwas Landwirtschaft betrieb. Sonst war an der Scheuer nur noch ein kleines Fachwerkhaus eines Schreinermeisters Emde, wo jetzt die Wirtschaft Querling steht.
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Ungefähre Lage der Ortschaft Scheuer. Detail aus einer Karte von 1939 |
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Die inzwischen mehrfach veränderten Straßennamen, Hausnummern und Gastwirtschafts-Namen erschweren die Orientierung, wie auch die stellenweise stark veränderten Grundstücksnutzungen.
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In der Rheinischen Landeszeitung erschien am selben Tag ein anderer Artikel über 'Scheuer' mit weiteren Details, insbesondere auch über die Schulverhältnisse. Der Verfasser hat "Gelegenheit genommen, durch Prüfung alter Akten" etwas zur Erhellung der Ortsgeschichte beizusteuern (wobei nicht alle Schlussfolgerungen unbedingt zutreffen müssen). |
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Rheinische Landeszeitung vom 24. November 1937 [K.F.]
"[...] Zunächst haben wir festgestellt, daß die Ortschaft Scheuer durch Regierungsverfügung nach harten Auseinandersetzungen zwischen den Gemeinden Merscheid und Wald am 30. August 1893 zu Wald geschlagen wurde. Bei Merscheid verblieben die Häuser Nr. 1, 2, 3 und 4. Mit Scheuer kamen zu Wald: Capelle, Felderstraße, Heidufer, Loch, Locher Straße, Locher Weg, Mangenberger Straße Nr. 60, Rosenstraße, zum Teil Tiefendick, die Tiefendicker Straße, Weyer 100 und 102 und die Ziegelstraße. Damit erwarb Wald, und zwar gegen 30 000 M. Entschädigung, ein Gebiet von 39,47 Hektar mit 942 Einwohnern.
Bis dahin war Scheuer ein integrierender Bestandteil der Gemeinde Merscheid. [...]
Das geht auch aus den Schulverhältnissen 1865 hervor: Zum Schulbezirk der evgl. Schule gehörten die Ortschaften Capelle, Rosenkamp, Loch, Heidufer, Tiefendick (nördlich von Lochbach), Pfaffenbusch, Scheuer, Weyer, Bech, Neuenhaus, Monhof, Garzenhaus, Bavert, Häuschen und Itter.
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![]() Die kath. Kirche St. Katharina vor 1901. |
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![]() St. Katharina nach 1906. Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen |
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Bild rechts: Das Gebäude links der Kirche war lt. Aufschrift auf einem Foto im Stadtarchiv die "Kath. Schule Scheuer : Außenansicht : 1836-1874". Daneben der zur genannten Zeit noch nicht vorhandene Kirchturm von St. Katharina. |
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"Die Auflösung der katholischen Schule an der Scheuer wurde 1874 verfügt, konnte aber erst durchgeführt werden, nachdem Wald 1877 den Neubau der Simultanschule an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße errichtet hatte, den sogenannten 'Roten Esel'". [Rosenthal S. 30 ff und S. 39]
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Grabstein hinter der Kirche:
"Franz Gust. Sina Hauptlehrer, geb. 31. März 1840 zu Gräfrath, gest. 18. März 1900 zu Wald. Es lebe das Herz Jesu in den Herzen der Kinder." |
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Quellen: |