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Bockstiege und Bärenstall

Die Ohligser Ortsbezeichnung 'Bockstiege' begegnete mir zum ersten Mal in dem bergischen Schleifer-Roman von Ernst Knupp über den Hasselskotten am Viehbach, der in den 1860er Jahren zur Zeit des Eisenbahnbaus spielt. Damals muss es eine der weniger feinen Gegenden gewesen sein.

Im Stadtplan erscheint dieser Ortsname schon lange nicht mehr, auch nicht 1898 auf der Hofacker-Karte. Er taucht auch nach der Städtevereinigung von 1929 nicht wieder auf, da die Entscheidungsträger den Begriff seinerzeit als anrüchig empfanden. Dabei wurde die Bedeutung gar nicht abschließend geklärt. Man dachte an eine Ziegendeckstation, aber es könnte sich ebenso gut um einen Begriff in Verbindung mit einer Landwehr gehandelt haben. Wie so oft: Nichts Genaues weiß man nicht.

Lage
Bockstiege - Ohligs, Emscherstraße
Bärenstall - Ohligs, Sauerbreystraße
Bockstieg - Wald, Ittertal
Eine Redensart



Lage

1715 ist der Hof 'bockstieg', der zur Honschaft Schnittert gehörte, auf der Ploennies-Karte südlich von 'Pipers" eingetragen.

In Texten bzw. Artikeln finden sich darüber hinaus konkrete Angaben, die nur leider nicht übereinstimmen.

  • "Die alte Ohligser Ortsbezeichnung 'Auf der Bockstiege' umfaßte ungefähr das Gelände, wo Lippe-, Emscher-, Grün-, West- und Emdenstraße zusammentreffen. 'Bocksteg' - nach einer alten Katasterkarte - war ebenfalls gebräuchlich." [RLZ v. 23.12.1942]

  • "Der nicht mehr bestehende Hof 'Auf der Bockstiege' lag auf dem Straßenstern der Emscher-, Lenne-, Lippe- und Weststraße." [Rosenthal 1 S. 61]

Diese Angaben passen zur Ploennies-Karte von 1715.

  • Das Solinger Tageblatt vom 24.07.1950 verlegt die Bockstiege einen Kilometer weiter nach Osten auf die andere Seite der Bahnlinie an die Ecke Sauerbreystraße / Kamper Straße.

Vielleicht reichte das Gut ja tatsächlich einmal bis hierher. Eher vermute ich aber einen Irrtum.


Ohligs
 
2006
Solingen-Ohligs, Straßenstern
Emscher-, Grün-, West- und Emdenstraße

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Bockstiege


Rheinische Landeszeitung vom 21. Oktober 1940 - ig.

"Auf der Bockstiege"

Ein vergessener, über 100 Jahre nachweisbarer Flurname
Von Julius Günther

"Mancher Leser wird sich des hier im Bilde wiedergegebenen alten Häuschens erinnern, das im Volksmunde 'Auf der Bockstiege' genannt wurde. Es stand bis vor etwa 10 Jahren auf der Ecke der heutigen West- und Emscherstr. (Restaurant Schumacher), also westlich der Düsseldorfer Str., und mußte wegen seines schon gebrechlichen Zustandes und weil in seiner Nähe neue Häuser entstanden, niedergelegt werden.

 

 
Vor 1930
Auf der Bockstiege

Auf einem damals noch ziemlich freien Gelände machte das kleine und so einfache Bauwerk aus der Vorväter Zeiten einen gar merkwürdigen Eindruck. Hier waren die scharfen Gegensätze zwischen neuzeitlicher Bauart mit mehreren Geschossen und dem schmalen engbrüstigen Fachwerkhäuschen [...] so recht ins Auge fallend.

'Auf der Bockstiege' ist als alter Flurname der ehemaligen Honschaft Schnittert bekannt und wird bereits im Jahre 1672 neben Engelsberg, Brochhausen (jetzt Broßhaus), Maubis, Zum Schnittert und Stiegelsdorf (besteht jetzt nicht mehr), genannt.

Der Ortsname 'Uff'r Bockstiegen' erscheint auch schon im Anfang des ältesten Walder Kirchenbuches im Jahre 1638 im Zusammenhang mit dem Familiennamen Hunold Zieles. Wir haben es hier also mit einer der ältesten Orts- und Flurbezeichnungen des Stadtteils Ohligs zu tun, die aber bisher in keiner öffentlichen Form für die Nachwelt festgehalten wird.

Die alte Bockstiege sollte zwar gelegentlich der 'großen Taufe', d.h. bei der Um- und Neubenennung der Straßen nach der Städtevereinigung berücksichtigt werden. Dagegen wurden jedoch Einwendungen erhoben wegen des eigenartigen Namensklanges und wegen einer Bedeutung dieser Bezeichnung, die für öffentliche und amtliche Zwecke nicht ganz einwandfrei erschien. [...] Ob dabei ein Ziegenbock, den man in diese Namensangelegenheit hineingenommen hat, wirklich eine Rolle spielt, ist sehr fraglich [...].

Bei den erwähnten Erörterungen hatte man gedacht, daß die alte Bockstiege dieselbe Bedeutung gehabt hat, wie die neuzeitlichen Bockhaltereien (Bockstationen). Mindestens ist es zweifelhaft, ob man vor über 300 Jahren schon gekörte Zuchttiere besaß, und die Benutzung nur solcher Tiere zu Deckzwecken vorgeschrieben war. Es kann sich bei der ursprünglichen Bockstiege nicht um ein abgelegenes einzelnes Haus gehandelt haben, wo man solche Einrichtungen zu treffen pflegt, sondern es war 1672 ein größeres Gut, das nicht unwesentliche Abgaben an das Hofgericht in Schnittert und und weiterhin an die Kellnerei zu Burg abzuliefern hatte.

Das Gut oder der früher zusammenhängende Besitz wird im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte durch Erbteilungen in unwesentliche kleinere Splisse zerfallen sein, 1672 war Johann Krings (Urkunde schlecht lesbar?) Reinges Lehnsmann 'auf der Bockstiege'. Später, und zwar 1717, 1719 und 1722 bewirtschaftete ein anscheinend adliger Herr dieses Gut. Um diese Zeit wird nämlich im Walder Kirchenbuch Wilhelm von Winkelhausen 'Uff der Bockstiegen', Uff'r Bockstieg' genannt. Damit abwechselnd erscheint auch ein Conrad von Winckelhaus auf der Bockstiege, wahrscheinlich derselbe, der 1716 als 'Zum Scheid beim Ohligs' erwähnt wird. Nach diesem Scheid, das möglicherweise auch zum Lehnsgut Bockstiege gehörte, wurde die spätere Scheiderstraße benannt, die jetzt 'Heiligenstock' heißt.

Über die Bedeutung des Wortes Bockstiege ist noch zu sagen, daß Stiege, Stege, in älterer Zeit Lattenverschlag für Kleinvieh, Stall, Pferch bedeutete.

Man sollte noch einmal prüfen, ob der alten Flurbezeichnung 'Auf der Bockstiege' nicht doch noch ein Platz in den Reihen der Solinger Straßennamen eingeräumt werden kann. - ig."


Weitere Deutungen des Ortsnamens Bockstiege

Dies ist nicht geschehen, die Ortsbezeichnung ist verschwunden. Aber schon kurz nach Erscheinen des zitierten Artikels tauchten neben der Deutung als "Bockstation" weitere Deutungen des Ortsnamens auf.

So schreibt Günter: "Besonders am linken Niederrhein seien Flurnamen wie 'Bucksteg' oder 'Bocksteg' keine Seltenheit. Verwiesen wird auf Straelen, Pont und Veert (Kreis Geldern), auf Grefrath (Kreis Kempen) und Veen bei Xanten." In den meisten Fällen stehe - soweit der linke Niederrhein in Frage komme - 'Bockstieg' in Beziehung zu einer alten Landwehr oder Schanze (Fliehburg).

Lt. Günther lässt sich diese Erklärung auch auf Ohligs übertragen. Dafür spreche, dass der "hinter dem Hause Schwanenstraße Nr. 100 befindliche Erdwall ... an das als 'Bockstiege' bekannnte Gelände" heranreiche. Dieser Wall wird in anderem Zusammenhang als Landwehr interpretiert. [RLZ 07.12.1940] Die Ortsbezeichnung Bockstiege gibt es übrigens auch in Leichlingen: westlich der Landwehrstraße!


Aber die Ziegenböcke ließen die heimatkundlichen Autoren auch weiterhin nicht ruhen. Zehn Jahre später griff der Sprachforscher Bernhardt sie mit folgender Variante wieder auf:


Solinger Tageblatt vom 11. Juli 1950
"Auf der Bockstiege"
Von Professor Bernhardt

"[...] Für die immer wiederholte Meinung, Bockstiege bedeute Bockstation oder Bockhalterei, gibt es keine Unterlagen. Es ist auch gar nicht sicher, ob das Tier gemeint ist. Bock ist ein hölzernes Gestell verschiedener Art, heutzutage auch ein Turngerät, und ein beliebtes Kinderspiel ist das Bockspringen. Nach dem Vorkommen des Wortes Bockstiege in anderen Gegenden ist Grund zu der Vermutung vorhanden, daß das Wort ein Gestell bedeutet, mit dessen Hülfe man über einen Zaun, eine Landwehr oder sonstiges Hindernis 'steigen' kann. Eine solche Vorrichtung heißt in süddeutschen Mundarten Stiegel. [...]"


Denkbar ist auch noch eine andere Deutung des Ortsnamens Bockstiege: In sumpfigem Gelände wurden früher gelegentlich von Holzpfählen (Böcken) getragene Lauf-Stege (Stiegen) angelegt, um ein Passieren des Gebietes zu ermöglichen [Weiland], wie es sie heute z.B. in der Ohligser Heide gibt. Vielleicht war dies auch einmal an der "Bockstiege" der Fall.



Mit Datum 22.12.1757 erscheint "Bocksteige" als Wohnort in einem Obligationsprotokoll; Schuldner war Johann Peter von Beck. [Staatsarchiv Düsseldorf - Berg, Gerichte XVI 6 Bd. III 1754-1769]


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Bärenstall

Wenige Tage später nahm sich das Solinger Tageblatt der 'Bockstiege' an. In diesem Fall wurde sie an die Ecke Kamper / Sauerbreystraße verlegt, nicht weit vom Ohligser Rathaus. Der Autor bringt dabei auch wieder den zweifelhaften Ziegenbock ins Spiel.

Ich habe allerdings den starken Verdacht, dass die 'Bockstiege' hier mit der volkstümlichen Ortsbezeichnung 'Bärenstall' verwechselt wurde, wie auch weiter unten im Rhein-Echo beschrieben. Dort ist von der Bockstiege keine Rede mehr.


Solinger Tageblatt vom 24. Juli 1950

Neues Haus an der alten "Bockstiege"

"Schräg gegenüber dem Ohligser Amtsgericht, an der Sauerbreystraße, geht das Wohnhaus, das anstelle eines Denkmals für die Opfer des Nationalsozialismus errichtet wird, seiner Vollendung entgegen. [...] In sechs bis acht Wochen wird es wahrscheinlich so weit sein, daß die von Lies Ketterer entworfene Gedenktafel feierlich angebracht wird und dann die Angehörigen der Opfer des Faschismus ihre neuen Wohnungen beziehen können.

Wenn die Ohligser, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, von dieser Baustelle an der jetzigen Sauerbreystraße sprechen, so sagen sie, daß sie an der Tirpitzstraße liege. Die alten Ohligser sagen Rathausstraße, und was die ganz alten Ohligser sind, die nennen diese Stelle die 'Bockstiege'. Unter diesem Ortsnamen war die Ecke bekannt, als noch die berühmte (oder vielmehr berüchtigte) Jammerbrücke neben dem Bahnhof über die Schienen führte und die beiden Nockenmänner eine Ohligser Sehenswürdigkeit waren.

An der Bockstiege, die urkundlich 1568 erstmals genannt ist, und deren Name der Volksmund im Laufe der Jahrhunderte von Bogstigen über Bocksteigen, Bockstein zu Bockstiege wandelte, war ehedem eine Bockstation, wie sie überall zur Sicherung des Ziegennachwuchses im Lande eingerichtet waren.

Die eben genannten, ganz alten Ohligser erinnern sich noch gut, daß an der Bockstiege einst der ebenso windschiefe wie romantische 'Bärenstall' stand, ein kleines, sauberes Fachwerkhäuschen, das sich neben den großen 'modernen' Steinbauten ringsum seltsam und belustigend ausmachte.

Unter Bärenstall versteht man in Solingen bekanntlich einen Kotten, in dem unter Tarif gearbeitet wird, und ein 'Bär' ist ein Heimarbeiter, der in einem solchen Kotten unter Tarif werkt. Ob diese Auslegung auch für den Ohligser Bärenstall zutrifft, konnten wir leider im heimatkundlichen Archiv nicht feststellen. Vielleicht hat auch hier einer der zahlreichen durchs Land ziehenden Bärenführer sein Schaustück untergebracht. [...]"


Nun kommt also auch noch ein lebendiger (Tanz-)Bär ins Spiel. Wahrheit oder Legende? Weiter unten mehr dazu.

  Die erwähnten "Nockenmänner", die Brüder Nockenmann, waren zwei überaus bescheiden und unkonventionell lebende sogenannte Ohligser "Originale".

Im Artikel ist von einem Haus an der Sauerbreystraße / Ecke Kamper Straße die Rede, das anstelle eines Denkmals für die Opfer des Naziregimes errichtet wurde. Die Grundsteinlegung hatte am 10. September 1949 stattgefunden; am 7. September 1950 wurde eine metallene Gedenktafel nach dem Entwurf der in Solingen mehrfach durch Plastiken vertretenen Künstlerin Lis Ketterer (1905-1976) enthüllt.



  2008
Das Haus für die
Opfer des Faschismus
wurde 1950 fertiggestellt.



 

Die Erinnerungstafel befindet sich an der Hauswand an der Kamper Straße. Sie trägt die Aufschrift:

IM GEDENKEN AN DIE TOTEN
DEN LEBENDEN ZUR MAHNUNG
78 Bürger unserer Stadt starben in den Jahren 1933-1945
in Qual und Erniedrigung durch ihre Mitmenschen.
Dieses Haus, das ihren Hinterbliebenen gewidmet ist,
soll Mahnmal sein in Gegenwart und Zukunft
ein sichtbares Zeichen, den Geist wachzuhalten
gegen alle Unduldsamkeit und Überhebung.


Plastiken der Bildhauerin Lis Ketterer sind übrigens mehrfach im Solinger Stadtbild vertreten: zum Beispiel das Peter Witte-Denkmal am Alten Markt in der Solinger Innenstadt sowie an der Pestalozzischule an der Augustastraße und der Dukatenesel vor der Stadtsparkasse an der Kölner Straße.


Rhein-Echo vom 4. September 1950 - H.J.

Einst hieß es hier am "Bärenstall"

"Das hätte sich der alte 'Bärenstall' auch nicht träumen lassen, daß sich auf seinem Grund und Boden dermaleinst ein Gedenkhaus für die Opfer des Naziregimes erheben würde. [...] Es ist dasselbe Grundstück, um die Jahrhundertwende 'Bärenstall' genannt. Seinen Namen erhielt es von der stallartigen Unterkunft, in der tatsächlich ein Tanzbär untergebracht war. Tagsüber zog der Bärenführer mit diesem Bären, einem Affen sowie mit einem Mädchen durch die Gemeinde. Die musikalische Untermalung wurde hierbei von dem Mädchen mit dem 'Lafumm' (Tamburin) geboten."

 

 
Vor 1895
Kamper Straße /
Ecke Sauerbreystraße

"1895/96 erfolgte der Abbruch des Anwesens unter reger Beteiligung der damaligen Jugend.

Wo stand denn dieser 'Bärenstall'? Sollten Sie an der Haltestelle Ohligs-Rathaus einmal auf die Straßenbahn warten müssen, so lassen Sie Ihren Blick in Richtung der heutigen Badeanstalt schweifen. Richtig! Schon erkennen Sie das Restaurant 'Zur Badeanstalt', auf unserem Bild das Eckkaus mit Balkon.

Als das Bild entstand, fand man dort die Gemischtwarenhandlung von Roon. Im Vorgarten der heutigen Badeanstalt stand zu jener Zeit die Bürgerschule seligen Angedenkens. Vielleicht erinnert sich noch jemand des Pädagogen Kaiser (von seinen Schülern d'r Bong - franz. bon = der Gute genannt) und des Oberschullehrers vom Berg. Rechts neben der damaligen Bürgerschule finden wir sodann unverputzt, aber immerhin schon vorhanden, das Gebäude der Druckerei Wilhelm Müller. Soweit die Sauerbreystraße.

Die mit bergischer Gründlichkeit gesäuberte Wäsche flattert an der heutigen Kamper Straße. Das Bäumlein an der Hausecke ist durch eine Litfaßsäule ersetzt. Heute würde auch niemandem ein derartig beschaulicher Rundblick vergönnt sein; denn gerade jene Ecke ist zu einer der verkehrsreichsten Punkte geworden [...]. H.J."




Stadthistoriker Heinz Rosenthal bietet noch eine andere Erklärung an: "Für dieses kleine Haus kommt ... die Auslegung des Begriffes im Sinne eines Fabrikbetriebes nicht in Betracht. Es kann aber auch sein, daß die Bezeichnung dieses Hauses überhaupt nichts mit der Industrie zu tun hat, sondern auf die Landwirtschaft zurückgeht. In Solingen war es 1784 üblich, einen Zuchteber als 'Bär' zu bezeichnen; hier lebte das mittelhochdeutsche Wort 'bêr' noch fort. Daher kann die Bezeichnung 'Bärenstall' für das erst nach dem letzten Krieg abgerissene Haus den Standort eines Zuchtebers gemeint haben." [Rosenthal 3 S. 58]

Eventuelle Zweifel an des Existenz eines Solinger Tanzbären allerdings können spätestens mit dem folgenden Foto ausgeräumt werden, das ich zufällig im Stadtarchiv fand. Hier ist das arme Tier mit seinem Halter in der Altenhofer Straße unterwegs.


Bär
 
Um 1910
Bär und Bärenführer
in der Altenhofer Straße

Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen


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Die Ittertaler "Bockstieg"

Eine "Bockstieg" in des Wortes wahrer Bedeutung gab es lt. einer Zeitungs-Notiz von 1940 auch in Wald, "wenigstens im Mundartgebrauch mancher alten, eingeborenen Ittertaler":


Solinger Tageblatt vom 15. November 1940 -wa-

"[...] Vor fünfzig Jahren wohnte im Bezirk der mittleren Obenitterstraße der Ziegenbockhalter Biesenbach. Nach seiner Bockstation wurde der ganze dortige Bezirk 'An der Bockstieg' genannt. Diese Ittertaler Ortsbezeichnung bekommt man auch heute noch mitunter zu hören. Hier wird der Name Bockstieg zweifellos in dem ihm am nächsten liegenden Sinne gebraucht, wovon sich die Ittertaler Ziegenbesitzer, wenn ihre 'Hippen' zum Bock 'geleit' wurden, immer wieder überzeugen konnten. Warum - so darf man wohl fragen - soll dem gleichen Namen in Ohligs nicht der gleiche Sinn innewohnen? Man sollte davon absehen, ohne zwingende Gründe den am nächsten liegenden Sinn eines einheimischen Ortsnamens beiseitezuschieben."





  Eine Leserin machte mich auf eine alte Solinger Redensart aufmerksam: "staats wie der Mons von der Bockstieg". Gemeint war eine "übertriebene, eher neureiche Eleganz". Vielleicht ein "Aufsteiger" aus dieser früher eher weniger eleganten Gegend?



Quellen:
  • Bauermann (1953)
  • Rhein-Echo vom 04.09.1950
  • Rheinische Landeszeitung v. 21.10.1940 (= 21.11.1940?) [RLZ]
  • Rheinische Landeszeitung v. 07.10.1940 (= 07.12.1940?) [RLZ]
  • Rheinsche Landeszeitung v. 23.12.1942 [RLZ]
  • Rosenthal: Solingen Bd. 1 (1973) S. 61
  • Solinger Tageblatt v. 15.11.1949, v. 11.07.1950 und v. 24.07.1950 [ST]
  • Weiland (2010)

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