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Solingen |
Klingenschmied-Denkmal Peter Hahn, Schmied von Solingen |
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Der "Klingenschmied-Brunnen" auf dem Alten Markt. Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen |
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Ein martialisches Monument?
Im Solinger Tageblatt vom 07.04.2006 wurde unter der Überschrift "Kehrt der Klingenschmied zurück?" angekündigt, dass der legendäre "Schmied von Solingen" evtl. wieder in Form eines Denkmals in der Stadt präsent sein soll. Vielleicht eines, das allen Solinger Handwerksberufen gewidmet ist. Nur nicht so "martialisch" wie der "Waffenschmied", der bis 1944 auf dem Alten Markt gestanden hat.
Inzwischen steht fest, dass der "neue" Schmied mit seinem Gesellen, in Bronze gegossen, 2008 auf dem Alten Markt aufgestellt werden soll. [ST im Juni 2007]
Die Meinungen der Solinger zu dem künstlerischen Entwurf sind geteilt. Man stört sich am Gesamteindruck oder an Details. Mancher wünscht sich gar eine Kopie des historischen Standbildes, das aber von den Gegnern dieser Idee über die Jahrzehnte immer wieder als "kriegs- und waffenverherrlichend" bezeichnet und als unzeitgemäß abgelehnt wird.
Warum nicht. Auf den bekannten Abbildungen erscheint mir allerdings der historische Trinkwasserbrunnen mit dem Standbild keineswegs martialisch; das Gesicht des Schmieds ist ausdrucksvoll gearbeitet, die Haltung selbstbewusst, die Gestalt kräftig, was bei einem Schmied nicht sonderlich überrascht. Zwar wäre mir ein Zöppken als Werkstück auch lieber gewesen als ein Schwert; nur hätte der Betrachter ein solches Kleinteil "von unten" kaum erkennen können.
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Tatsachen
1. Der historische Peter Hahn war Gabel- und nicht Waffenschmied. Seine Geschichte hat Montanus (Vincenz von Zuccalmaglio) im Jahr 1839 unter dem Titel "Peter Hahn, der biedere Schmied zu Solingen" veröffentlicht.
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Nun ist das Thema einer Neuauflage des Brunnens keineswegs neu. In Abständen von einigen Jahrzehnten berichtete die Solinger Lokalpresse über die Bestrebungen des Verschönerungsvereins, den Wünschen der Bürger entgegenzukommen und dem Solinger Klingenhandwerk wieder zu einem angemessenen Denkmal zu verhelfen. |
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Ganz ohne Schmied muss der Alte Markt auch bisher nicht auskommen, und sei es auch nur als Relief an einer Hausfassade. (Links der Turm der Stadtkirche.) |
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Der Laufbrunnen von 1895
Ein solches Denkmal in Gestalt eines Laufbrunnens, auf dessen Postament der bärtige Schmied mit konzentriertem Blick vor seinem Amboss steht, schenkte 1895 der Verschönerungsverein der Stadt Solingen. Spendable Bürger hatten sich an den Kosten von 5 000 Mark beteiligt. Geschaffen hat das auf dem Alten Markt aufgestellte Standbild der Kölner Bildhauer Wilhelm Albermann (1835-1913). Als lebendes Modell soll ihm "in etwa" der Klingenhärtermeister Karl Reinhard Voos (1837-1918) gedient haben, "ein sehr geachteter Mitbürger", der in der Hochstraße 40 gewohnt haben soll.
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Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 17. April 1895
* Sitzung der Stadtverordneten zu Solingen vom 17. April 1895. [...]
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Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 18. April 1895
Aus Stadt und Umgegend.
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Hier ist zwar von einem berühmten "Schmied von Solingen" die Rede; ein Name wird aber nicht genannt. Ob die Beteiligten die Dichtung von Montanus über Peter Hahn im Kopf hatten oder Simrocks Gedicht über den Schwertschmied Bügel oder keines von beiden, ist nicht überliefert. |
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Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 19. April 1895
Aus Stadt und Umgegend. |
| So eine Präsentation wäre auch anno 2007 für den aktuellen Denkmal-Entwurf eine gute Idee gewesen. |
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Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 31. August 1895
Solingen, 31. August. Der vom Verschönerungsverein der Stadt geschenkte Zierbrunnen auf dem alten Markt ist fertig und konnte heute Morgen zum ersten Male in Thätigkeit gesetzt werden. Die Uebergabe des schönen Brunnens an die Stadt soll ohne großes festliches Gepränge am Montag erfolgen. Solingen erhält damit eine monumentale Zierde, um die es von mancher anderen Stadt beneidet werden dürfte. Das Kunstwerk übt namentlich dann seine volle Wirkung auf den Beschauer aus, wenn letzere sich an der linken Ecke Gold- und Kirchstraße aufstellt; hier wendet der wackere, hammerbewehrte Schmied von Solingen dem Beschauer das bärtige Antlitz zu und der prächtige lockige Charakterkopf kommt so zu voller Geltung. |
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Nach der wegen des Sedantages vorverlegten unspektakulären Einweihung wunderte sich die Presse über diese Geheimniskrämerei:
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Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 3. September 1895
Solingen, 3. Sep. Die Uebergabe des Laufbrunnens auf dem Altermarkt an die Stadt hat in aller Stille schon am Samstag Nachmittag stattgefunden. Herr Oberbürgermeister a.D. van Meenen übergab den Brunnen Namens des Vorstandes des Verschönerungsvereins Herrn Bürgermeister Haumann als dem Vertreter der Stadt. Danach fand eine kleine Festversammlung der Betheiligten im Deutschen Hause statt. Merkwürdig ist, daß der Zeitpunkt der Uebergabe des Brunnens selbst vor den Mitgliedern des Verschönerungsvereins geheim gehalten worden ist. |
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Spätenstens zwei Tage später hatte "das Volk" das neue Denkmal angenommen: |
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Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 5. September 1895
Solingen, 5. Sept. Heute Morgen präsentirte sich der Schmied von Solingen auf seinem hohen Postamente mit einem Strohhut geschmückt, den ihm lose Burschen während der Nacht aufs Haupt gestülpt hatten. Dieser übrigens etwas laffe "Witz" hatte leider auch für das Monument selbst bedauerliche Folgen, indem Profile an der Säule zertreten und die glatten Flächen mit Schmutz besudelt hat. Man sollte, um das prächtige Standbild zu schützen, nicht die Kosten für ein dasselbe umgebende Gitter scheuen, denn wenn dasselbe auch ähnliche Dummenjungenstreiche nicht gänzlich verhindern kann, so werden dieselben dadurch wenigstens erschwert. Auch der gegen den Brunnen gerichtete Unfug der Kinder, welcher den Anwohnern bereits Ursache zu Klagen giebt, würde dadurch erschwert werden. |
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Ein knappes halbes Jahrhundert stand der "Schmied von Solingen" unumzäunt an seinem Platz. Dann zerstörten die am 4. und 5. November 1944 vom Himmel geworfenen Bomben mit der gesamten Solinger Altstadt auch den Laufbrunnen. Der Kopf des Schmiedes konnte aus den Trümmern geborgen werden und gelangte auf Umwegen in den Besitz der Casinogesellschaft.
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Der ausdrucksvolle Kopf der im Krieg zerstörten Brunnenfigur. Foto: Christian Beier, Solinger Tageblatt vom 08.03.1995 |
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Nach dem Krieg
Viele Bürger wünschten sich nach dem Krieg eine Wiedererrichtung von Brunnen und Standbild. Bei der Stadt Solingen stieß dieser Wunsch auf wenig Gegenliebe. Dennoch machte man sich im Verschönerungsverein schon Anfang der 1950er Jahre dazu Gedanken, und das Solinger Tageblatt präsentierte ausführlich die bekannten Fakten. Autor des Artikels war vermutlich Hans Brangs. Einige Auszüge: |
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Solinger Tageblatt vom 1. September 1955 - B.
Das Denkmal war nicht für Peter Hahn In alten Fremdenführern stand "Laufbrunnen am Altenmarkt"
In letzter Zeit wurde verschiedentlich die Frage erörtert, ob das sogenannte "Peter-Hahn-Denkmal" zur Verschönerung und Belebung des Stadtbildes wieder entstehen soll. Das erinnert daran, daß der Laufbrunnen auf dem Altenmarkt vor 60 Jahren, am 31. August 1895, vom Solinger Verschönerungsverein übergeben wurde. [...]
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Tatsächlich wurde auf dem Alten Markt um 1960 ein neues Denkmal platziert, geschaffen von der Bildhauerin Lis Ketterer (1905-1976), die in Solingen mit weiteren Werken vertreten ist. Aber es hatte nichts mit dem "anrüchigen" Solinger Klingenhandwerk zu tun, sondern stellt den Heimatdichter Peter Witte dar, mit seinem Notizbuch friedlich neben einem Brunnen sitzend.
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Alter Markt, Peter Witte-Denkmal von Lis Ketterer. |
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Knatsch 1995
1995 sorgte das Thema erneut für Diskussionsstoff: Peter Witte sollte umgesetzt werden, um an seiner Stelle nun Platz für einen "neuen" Klingenschmied zu schaffen. |
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Solinger Morgenpost vom 22. Februar 1995 - DW
Verschönerungsverein möchte Stück Stadtgeschichte wiederbeleben Knatsch wegen des Klingenschmieds
Der Verschönerungsverein Solingen möchte mit der Umsetzung des Denkmals des Poeten Peter Witte auf den neugestalteten Fronhof sowie der Heimführung des Klingenschmiedes auf den Alten Markt ein Stück Stadtgeschichte wiederbeleben. Deshalb gibt's reichlich Ärger.
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Solinger Tageblatt vom 8. März 1995 - Herbert Weber
"Klingenschmieds" Rückkehr Der Laufbrunnen, 1895 aufgestellt, wurde beim großen Bombenangriff 1944 zerstört
Die Bezirksvertretung Mitte ist sich mit dem Verschönerungsverein weitgehend einig: Ein Solinger "Klingenschmied" soll als Denkmal eines alten Solinger Berufsstandes wieder auf den Alten Markt. [...]
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| Außerdem extra fett und eingekastelt - wobei der Begriff "Vorurteil" für "Sprachgebrauch" eher verwirrend ist: |
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Vorurteil ist nicht auszurotten |
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Das neue Denkmal 2007 / 2008 / 2009
Die Kontroversen zum neuen Denkmal (Juni 2007) sowie Bürgermeinungen dazu sind (hoffentlich) noch "online" im Solinger Tageblatt nachzulesen (Suchbegriff "Klingenschmied" eingeben).
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Am 25.09.2009 wurden die aus Polyurethan-Hartschaum-Blöcken gefertigten Modelle des künftigen Handwerker-Denkmals im Höhscheider Atelier des Bildhauers Henryk Dywan vorgestellt. Die Gesichtszüge des Meisters erinnern ein wenig an die des "alten" Klingenschmiedes.
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Nachschlag: Albermanns Werke
Von Wilhelm Albermann, dem Schöpfer des alten Klingenschmied-Denkmals, sind noch einige Arbeiten erhalten. Eine davon ist der aus Sandstein gefertigte Märchenbrunnen im Zoo-Viertel von Wuppertal-Elberfeld (Donar-/ Baldur-/ Jägerstraße) mit den in Zink gegossenen Märchenfiguren. |
![]() Märchenbrunnen, Wuppertal-Elberfeld, 2007. |
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![]() Figuren auf dem Märchenbrunnen von Wilhelm Albermann, 2007. |
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Drei weitere bildhauerische Werke von Albermann entdeckte ich per Zufall in Essen-Werden am Rande des alten Friedhofs an der Dückerstraße. Dort stehen im Schatten dichter Bäume in Überlebensgröße und mit unvollständigen Nasen Moltke, Kaiser Wilhelm I. und Bismarck, die früher ihren Platz auf der 1932 abgebrochenen Ruhrbrücke hatten.
Albermann entwarf auch das Kriegerdenkmal, das in Solingen an der Ecke Cronenberger und früherer Hauptstraße (heute Konrad-Adenauer-Straße / Schwesternstraße) gestanden hat. Die Inschrift lautete: "Solingen seinen im Jahre 1870-1871 für König u. Vaterland gefallenen Helden-Söhnen". Die tröstlich-verklärende Darstellung zeigt die geflügelte Siegesgöttin Victoria, die einem friedlich entschlafenden Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges den "Weg nach Walhalla" weist.
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Kriegerdenkmal von Wilhelm Albermann. Solingen, Cronenberger Straße. Bildquelle: Stadtarchiv Solingen |
Clemenskirche mit Kriegerdenkmal, 1929. |
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Quellen: |