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Solingen
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Engelsberger Hof

Engelsberger Hof
Das Restaurant 1925. Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen
 
  • Das Gut
  • Das Restaurant
  • Der Spielplatz
  • Die Natur



  • Wanderern, Joggern und Nordic Walkern aus Solingen und Umgebung ist der Engelsberger Hof am Rande der Ohligser Heide ein Begriff, und dem Nachwuchs der große Abenteuer-Spielplatz, der auch mich schon als Kind begeistert hat. Das einst rennommierte Restaurant an der Langhansstraße 10, das lange Zeit ein Schattendasein fristete, ist seit 2005 unter mehrfach wechselnder Leitung und mit kleinen Unterbrechungen zu neuem Leben erwacht.




    Das Gut

    Der Engelsberger Hof (immer schon mal zusammen und mal auseinander geschrieben) besteht - bzw. bestand - natürlich nicht nur aus dieser gastlichen Stätte. Der folgende Auszug aus den "Geschichtlichen Wanderungen" von Max Schmidt, erschienen 1922, informiert über seine Historie und die relativ geringe Wertschätzung, die ihm früher zuteil wurde.


    "Sehr bekannt geworden ist seit etwa 2 Jahrzehnten der in der Nähe von Hackhausen gelegene, der Stadt Ohligs gehörige Engelsbergerhof. [...] Der eigentliche Engelsbergerhof liegt etwas unterhalb des jetzigen Restaurationsgebäudes. Das gesamte Gelände war zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Oedland, das vollständig wertlos erschien und von den Besitzern des Schlosses Hackhausen nicht zu ihrem Besitztum gerechnet wurde, obwohl es eigentlich dazu gehörte.

    Wie die Grundstücke damals in der dortigen Gegend bewertet wurden, geht daraus hervor, daß im Jahre 1824 gelegentlich des Solinger Jakobimarktes in einer Wirtschaft mehrere Morgen Land für eine mit Silberdeckel versehene, schwarzgerauchte, irdene Pfeife verhandelt wurden, wobei man allerdings berücksichtigen muß, daß eine derartige Pfeife ziemlich geschätzt wurde.

    In den Anfang des vorigen Jahrhunderts entfällt auch die erste Ansiedlung zu Engelsbergerhof. Der erste Ansiedler war die Famile Engelsberg. Landrat Freiherr von Hauer unterstützte die Familie in jeder Beziehung, und in wenigen Jahren war aus einem Teil des ehemaligen Oedlandes ein blühendes Gut entstanden.

    In seinem Berichte an die Kreisstände und die Regierung aus dem Jahre 1832 rühmt von Hauer den Erfolg der Familie Engelsberg und empfiehlt Nachahmung, damit der Kreis Solingen bald in eine bessere wirtschaftliche Lage komme. Es folgten dann nach und nach mehr Ansiedler in die Heide, und so entstand der Engelsbergerhof.

    Noch lange Zeit wurde die neue Ansiedlung wenig beachtet. Der Grundstückspreis war sehr gering. Vor etwa 45 Jahren gingen nicht allein Ländereien in der Nähe der jetzigen städtischen Anlagen um wenige Mark für den Morgen in anderen Besitz über, sondern sogar an der Hauptstraße, an der Hildener Chaussee, der jetzigen Walderstraße, gelegene Grundstücke wurden mit 1 bis 1,20 Mark für die Rute verkauft." [Schmidt S. 62 f]


    Engelsberger Hof
     
    Das städtische Gut
    Engelsberger Hof, 1961.
    Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen


    Um 1715, zur Zeit des Landvermessers Ploennies, war die damals so genannte "Hackhauser Heide" unbesiedelt.

    Um 1800 haben wahrscheinlich die Gebrüder Engelsberg das Gelände von Herrn von Busch in Hackhausen gekauft und in ein prosperierendes Gut verwandelt. [Broschüre S. 3]

    1898 sind auf der Hofacker-Karte drei Gebäude für das Gut und westlich davon der "Genossenschaftswald" eingetragen.

    Dauerhaft konnte das Gut jedoch nicht erfolgreich sein. Dazu waren die Bodenverhältnisse einfach nicht geeignet, sonst wäre es wohl schon früher zu Ansiedlungen gekommen.




    Das Restaurant

    Um die Jahrhundertwende kam so mancher Mühlen-, Kotten- oder Hofbesitzer auf den Gedanken, sein landschaftlich reizvoll gelegenes Anwesen durch eine Restauration zu ergänzen oder den Betrieb gleich ganz umzustellen. Auf diese Idee kam auch Eugen Becker, damals Eigentümer des Engelsbergerhofs. 1901 beschloss er den Bau eines Wohn- und Wirtschaftshauses. Den Auftrag erhielt der Ohligser Architekt Otto Franz. 1905 war der Rohbau fertiggestellt, 1906 wurde ein Restaurationsraum angebaut. [Broschüre S. 3 f]

    Schon kurz darauf bot er das "Parkrestaurant Engelsberger Hof" zum Kauf an, und am 16. Dezember 1907 erwarb die Stadt Ohligs Grundstück und Restaurant.


    Engelsbergerhof
     
    "Ohligs - Brunnenanlage
    i. Städt. Parkrestaurant 'Engelsberger Hof'".
    Postkarte, um 1910.


    Vor und hinter dem Haus wurde eine "Anlage der Wasserkunst" geschaffen, die Gartenanlagen neu bepflanzt, der Teich vergrößert und ein Sport- und Spielplatz angelegt. Dies geschah, obwohl wirtschaftliche Depression herrschte (oder vielleicht gerade deshalb?) und sicher nicht viel Geld in den Kassen war. 25 Jahre später erinnerte die Tagespresse an diese Zeit um 1908:

    "Es kam zu zahlreichen und langen Streiks, so daß die Not größer und größer wurde und die Stadt Ohligs sich schließlich veranlaßt sah, Notstandsarbeiten zu veranstalten. Es wurden mehrere Zehntausende von Mark zur Instandsetzung des Engelsbergerhofes und zur Anlage von Springbrunnen, Teichen und gärtnerischen Schönheiten vom damaligen Stadtverordnetenkollegium bewilligt, worauf dann zahlreiche erwerbslose Schleifer zum Spaten und zur Hacke griffen und am Engelsbergerhof Notstandsarbeiten verrichteten." [Ohligser Anzeiger vom 30.03.1933]

    Am 1. Mai 1908 eröffnete Hubert Bley das Ausflugslokal. Schon im November 1908 wurde er von Paul Käcker als Pächter abgelöst, der die Teiche nebenher zur Aalzucht nutzte. 1921 pachtete Heinrich Schake das Restaurant, das für die Bevölkerung aus Ohligs, Solingen, Hilden und Haan mittlerweile zu einem bekannten und beliebten Ausflugsziel geworden war. Im selben Jahr wurde das Haus durch einen Anbau erweitert und modernisiert. [Broschüre S. 9 f]

    "Ehemals eine von Buschwerk, Heidekraut und Ginster wild bewachsene Waldlichtung, heute ein prachtvoll gepflegtes Erdenfleckchen [...]." [Ohligser Anzeiger vom 30.03.1933] "Durch den Park führen saubere Wege an Gondelteichen vorbei. Durch eine seitliche Pforte gelangt er [der Wanderer] in den Hackhauserwald und kommt, geht er den Wegweisern nach, zur ' Schwanenmühle', einem in Privathand befindlichen Lokal." [Führer durch Ohligs und Umgebung S. 61] Es gab eine Freilichttanzfläche, mittwochs und sonntags fanden Konzerte statt.

    1930 übernahm Herbert Bernds das Haus, 1946 Paul Zimmermann. 1963 wurde es vollständig renoviert, die offene Terrrasse vor dem Haus als Gastraum umgebaut. Die großzügigen Außen- bzw. Gartenanlagen fielen der Maßnahme zum Opfer. Ab 1966 wechselten wiederum die Pächter, die das Haus mit unterschiedlichem Erfolg führten.

    Seit 1986 ist die Immobilie in Privatbesitz, während das Grundstück weiterhin der Stadt gehört.


    Engelsbergerhof
    Die Wasserspeier an der Brunnenanlage speien schon lange nicht mehr. Sommer 2007
     
    Pfau
    Der Pfau des Hauses, Engelsberger Hof. Dezember 2005

    Bis in die Gegenwart kam und kommt es immer wieder zum Wechsel der Pächter bzw. Betreiber. Ende August 2005 eröffnete die Leichlinger "MRZ Gastronomie-Konzept GmbH" mit neuen Ideen das frisch restaurierte "Landhaus Engelsberger Hof; am 8. Dezember lockte ein "Weihnachtsdorf" die Besucher an.

    Im September 2006 war das "Landhaus Engelsberger Hof" mit Biergarten in Händen des Gastronomen Mario Ghiraldi (MG-SwissGastronomie GmbH), der u.a. Speisen aus der modernen schweizerisch-deutschen Küche servierte.

    Nach Schließung im Januar 2008 wurde im Mai/Juni 2008 das "Parkrestaurant Engelsberger Hof" mit Biergarten unter der Regie von Jan Schlebusch wieder eröffnet. Inzwischen hat sich das Aushängeschild erneut verändert: Seit April 2010 kann man nun im Restaurant "Schlesische Schänke im Engelsberger Hof" bei Wioletta und Roman Gnilka einkehren und feiern.


    Engelsbergerhof
    Oktober 2007
     
    Engelsbergerhof
    Juni 2010



    Der Spielplatz

    In den 1960er Jahren war dieser Spielplatz schon etwas besonderes: Ein Ausflug in den Ohligser Vogelpark wurde gern mit einem Besuch auf dem Abenteuerspielplatz mit den damals noch ungewöhnlichen hölzernen "Blockhütten" und Klettermöglichkeiten verbunden. Heute ist der Spielplatz bei schönem Wetter sehr gut besucht. Bei etwas weniger Betrieb wagen sich auch die Eltern und Großeltern schonmal auf die Schaukeln aus alten Autoreifen.



    Links eine ehemalige Dampflok namens "Schnaufi". Juni 2007


    Ein an der Lokomotive angebrachtes Schild verrät ihr Herstellungsjahr 1912 und ihre Herkunft von den Mannesmannröhrenwerken. 1971 wurde sie als Spielgerät aufgestellt und im Lauf der Zeit immer bunter und "kindersicherer".
     
    Spielplatz
    Totempfahl am Rande des kleinen "Indianerdorfes". Von Zeit zu Zeit ändern sich die Farben. Juni 2007


    Juni 2007
     

    Eine Kletterburg aus Holz. September 2007



    Die Natur

    Der Engelsbergerhof ist heute als Naturdenkmal ausgewiesen. Ein Schild vor Ort informiert: "Die Flächen sind gem. Landschaftsplan der Stadt Solingen vom 24.04.1987 als Naturdenkmal 2.3.88a geschützt. (Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen, z.T. einmaliger Standort auf Solinger Gebiet, mit Arten der roten Liste.")



    Neues Leben auf alten Baumstumpf am Rande der Ohligser Heide. April 2006
     

    Schwanensee. Sommer 2007

    Gleich nebenan beginnt das Fauna-Flora-Habitatgebiet Ohligser Heide. Paul Sauerbrey, der letzte Ohligser Bürgermeister (1922-1929), muss zu dieser einstigen, jetzt wiederentstehenden Heidelandschaft eine ganz besondere Beziehung gehabt haben. In seinem Aufsatz "Freibad und Teiche in der Heide" (um 1928) schildert er ihren "Zauber" und ihre Stimmungen auf lyrisch-romantische Weise und legt sie seinen Mitbürgern ans Wanderer-Herz:


    "Die Reize und Schönheiten liegen offen da, aber ihre Geheimnisse und die stille Romantik wollen gesucht und gefunden sein. Deshalb geht nicht allein den breiten Wegen lang, die sich von Norden nach Süden, von Osten nach Westen durch die Heide ziehen, sondern geht auch die schmalen Seitenwege, sucht die dichten Gebüsche auf, die Nähe des Erlenriedes, und ihr findet so Vieles, was fesselt. Das sind die kleinen und größeren Weiher, die versteckten, halb verfallenen Teiche, umgeben von dichtem Gebüsch, halb bewachsen und umgeben von Schilf und den verschiedenen Wasserpflanzen." [Sauerbrey S. 25]


    Solche Stellen findet man auch heute, wenn auch aus dem früher rasterförmigen Wegenetz ein Rundwegenetz geworden ist.


    Das Landschaftsbild wurde durch Eingreifen des Menschen immer wieder verändert, und es verändert sich auch jetzt. Im 18. Jh. hatte es neben unzugänglichen Mooren mit Tannen und Laubholz besetzten Wald gegeben, der Anfang des 19. Jh. abgeholzt und kaum wieder aufgeforstet wurde. Von etwa 1800 bis Anfang des 20. Jh. war das Gebiet zwischen Ohligs und Hilden eine "abwechslungsreiche, extensiv genutzte Heidelandschaft mit offenen, trockenen Heideflächen, die teilweise von Schafen beweidet wurden, kleinen Heidemooren in feuchten Senken, unzugänglichen Bruchwäldern und Sümpfen im zentralen Bereich und Dünen, wie man sie heute an der Nord- und Ostseeküste finden kann." [Die Ohligser Heide S. 8] - Kaum vorstellbar, aber fotografisch belegt!

    1877 bis Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer planmäßigen Wiederaufforstung, und die eigentliche "Heide" verschwand. Seit etwa 2000 werden nun im Rahmen der Heiderenaturierung offene Sand- und Heideflächen systematisch wiederhergestellt. Nach Fällen der standortfremden Fichten und Lärchen sowie dem Plaggen (Abschieben) des Oberbodens kann auch die Besenheide wieder keimen.

    Wer Gelegenheit hat, an einer naturkundlichen Wanderung mit fachkundiger Führung durch einen Teil des 147 ha großen Naturschutzgebietes Ohligser Heide teilzunehmen, der erfährt unterwegs einiges über die Renaturierung mit Feuchtheide, Erlenbruchwald, Heideweihern, Fließgewässern, Trockenheide und Sandflächen, über Wanderschafherden, Sonnentau und Wassernabel, Vierfleck und Sandlaufkäfer. Und vielleicht wird man die je nach Jahreszeit zunächst nicht sonderlich eindrucksvoll wirkende Landschaft dann mit ganz anderen Augen sehen.

      Wanderwege



    Aussichtssteg am Libellen- und Froschteich. Juni 2008
     
    Gagel
    Gagelstrauch im Heidegarten. Juni 2008


    Naturnaher Anschauungsunterricht im durchfeuchteten Heidegarten.Juni 2008
     
    Gagel (Myrica gale L.),
    schmerzstillende Heilpflanze mit aromatisch duftenden Blättern - oder Teufelszeug?
    "Der Geruch des Harzes ist so stark, dass viele Menschen durch denselben sogar Kopfweh bekommen, und dass man Motten durch Zweige, in Kleiderschränke gelegt, damit vertreiben kann. Setzt man dem Bier dieses Harz statt des Hopfens zu, so wirkt dasselbe stark berauschend." [Schmeil 1897 S. 130]




     
    Die Ohligser Heide im September.




    Quellen:
  • Ohligser Anzeiger vom 30.03.1933
  • Solinger Tageblatt vom 29.09.2007
  • Schmeil, O.: Pflanzen der Heimat biologisch betrachtet. Stuttgart 1897
  • Schmidt, Max (1922) S. 59-65
  • Stadt Solingen u.a. (Hrsg.): Die Ohligser Heide. Solingen 1989
  • Stadtverwaltung und Verkehrsverein Ohligs (ca. 1928)
  • Broschüre: 70 Jahre Parkrestaurant Engelsberger Hof (1978)

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    01.08.2004, zuletzt aktualisiert 10.06.2010