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Solingen |
Solinger Hofschaften
Gönrather Hof |
![]() Unten-Gönrath. Das restaurierte frühere Gutshaus. |
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13. Jahrhundert 14. Jahrhundert 15. Jahrhundert 16. Jahrhundert 17. Jahrhundert 18. Jahrhundert 19. Jahrhundert 20.-21. Jahrhundert |
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Der Gönrather Hof ist eigentlich erst in mein Bewusstsein gerückt mit dem Besuch des Schauspiels "Galgenrecht" nach einem Roman von Carl Schütz (1874-1948) mit dem "Solinger Stadtensemble" im August 2005. Die aufwühlende Geschichte um Liebesleid, Schuld und Sühne spielt vor dem geschichtlichen Hintergrund des Gönrather Hofes, als er noch der Abtei Altenberg gehörte. Seither allerdings begegnet er mir in der Solinger Geschichte immer wieder.
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13. Jahrhundert
Im 1. Band der Solinger Stadtgeschichte schreibt Heinz Rosenthal: "Unter der Gerresheimer Äbtissin Guda (1212-1232) wurde ein Heberegister aufgestellt, das Zinsabgaben von Bauern aus dem Solinger Gebiet enthält. Hiernach hatte das Stift Gerresheim Landbesitz in den beiden Kirchspielen Wald und Solingen. Genannt werden 22 Personen, die sich auf vielleicht 14 Höfe verteilen", darunter der Hof Gönrath. "Hierbei handelt es sich um Zinsgüter, nicht um Lehnsgüter; der Zins wird in barem Geld berechnet und an den Hof Dern (Amt Mettmann) geliefert." [Rosenthal 1. Bd. S. 36]
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14. Jahrhundert Eigentümer u.a. Grafen von Berg / Abtei Altenberg
Am 28.08.1340 verkaufte Heinrich von Wickede den Fronhof mit den zugehörigen Höfen Höhscheid und Gönrath und allen Gerechtsamen und Zubehör an den Ritter Engelbert v.d. Mark. Nach Moslers Auffassung gehörten die Höfe Höhscheid und Gönrath seit je zum Solinger Fronhof. [Rosenthal 1. Bd. S. 65 f]
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15. Jahrhundert Pächter Michael Evertz Sohn 1458 ist im Heberegister der Abtei Altenberg als Pächter des Gönrather Hofes Michael Evertz Sohn angegeben. Als Halbscheid seines Ertrages (Pacht) hatte er an das Kloster abzuliefern: 24 Malter Hafer, 12 Malter Mangkorn (= Mischkorn), und zwar je zur Hälfte Gerste und Hafer, zwei Schweine (oder dafür zwei Kaufmannsgulden) und drei Gänse. - So lesen sich diese Angaben "original" im Urkundenbuch: |
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"It. Michael Evertz soen hait unsen hof zo Gunroid umb halfscheyt ind van unser helfte sall hie uns alle jar geven umbtrijnt 24 ml. ha. 12 ml. mankorns 1/2 g. 1/2 ha. 2 vercken off 2 koufmansgl. darvur ind 3 gense, zo leveren zom Aldenberge etc.w.o. (Debet dno abbati.)" [Mosler 1959 S. 191] |
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An der Höhe der Pacht änderte sich in den nächsten Jahrzehnten nicht viel: Nach dem Gesamteinnahmenregister 1499-1502 der Abtei "aus ihrem ländlichen und städtischen Grundbesitz nebst den darauf ruhenden Lasten "betrug die Abgabe 23 Malter Hafer, 10 Malter Mangkorn, zwei Schweine und 18 Hühner. [Bauermann 1962] |
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"Curia Goenroydt: a) myt dem zeynden daryn vallende dat 23 ml. ha., 10 ml. manckorntz, 2 vercken, 18 pull. et medietatem piscium." [Mosler 1959 S. 293] |
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Trotz fehlender Lateinkenntnisse meinerseits: Da kommt zur genannten Pacht wohl noch die Hälfte der Fische dazu. (?)
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"Er umfaßte 94 Morgen Ackerland, mit Wald und Wiesen 132 Morgen. Den Zehnten lieferten bei ihm ab: die Güter zum Kotten, Geilenberg (Geydenberg), zur Waard (Wairde), zum Nacken, zur Hübben (zor Huben), Schaffenmühle (in der Moillen), Oben-Mankhausen (2); dazu kamen noch sieben Morgen des in der Honnschaft Solingen liegenden Heidberger Hofes, der für sein übriges Land den Zehnten an die Johanniter leistete; von dem Hof zur Straßen, der zum Kirchspiel Wald gehörte, kam der Zehnte von 30 Morgen an Gönrath, weil diese Ackerflächen im Kirchspiel Solingen lagen.
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1488 werden im Altenberger Zehntenverzeichnis 'Liber decimarum' außer den Ländereien für Gönrath ein Haus, Scheunen und eine Backstube angegeben. [Lunkenheimer S. 1] |
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16. Jahrhundert Pächter van Hayn / Peter und Jenne Vom 22.02.1510 stammt der älteste erhaltene Pachtbrief: |
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"1510 Februar 22. Abt Heinrich von A. verpachtet in Beisein seiner Mitbrüder Andreas, Pastor in Solingen, Johannes Kaplan daselbst, Johannes Kaplan auf der Abtei sowie der Freunde Wilhelm Francis, offermann zu Solingen, Wilhelm von Gunroid [Gönrath] u. Lentzes van Hoischit [Höhscheid] des Klosters Hof zu Gönrath mit seinem Busch im Cloiberg [Clauberg] u. dem von alters her zum Hof gehörigen Zehnten an die Eheleute Wilhelm van Hayn u. Kathrine.
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Während man für den Höhscheider Hof das Burger Maß bei den Getreidelieferungen zugrundelegte, galt 1580 für den Gönrather Hof das Gerresheimer Maß. [Rosenthal 1. Bd. S. 72] Übrigens verfügte die Abtei auf ihren Höfen Gönrath und Höhscheid über gute Eichenbestände. [S. 146]
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17. Jahrhundert Pächter Peter und Jenne / Engel von Günrath / Peter und Mergen
Am 11.11.1605 wurde der Pachtvertrag mit den Eheleuten Peter zu Gunraidt und Jenne erneuert. |
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18. Jahrhundert Pächter von Mercken / Weiler und Poolmann / Caspers und Weilers / Schramm
1724 hatte die Familie des Solinger Gerichtsschreibers von Märken ihren Wohnsitz auf dem Hof, wie im Zusammenhang mit einem Streit um einen Kirch- und Leichenweg erwähnt wird. [Lunkenheimer S. 3]
Am 07.02.1777 wurde mit den Eheleuten Johann Caspars und Maria Weilers (deren Erben?) der letzte im Urkundenbuch aufgeführte Pachtvertrag abgeschlossen. [Mosler 1955 S. 323] |
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"Unter diesen verfiel der Hof samt den zugehörigen Ländereien, der Busch litt unter ständigem Holzfrevel, die Weiher versumpften, die Beitreibung des Zehnten [in den Gönrather Hof waren zahlreiche kleinere Ländereien zehnpflichtig] wurde vernachlässigt, und die Eheleute, beide wegen Krankheit schließlich nicht mehr imstande, ihren Verpflichtungen nachzukommen, mußten den Hof aufgeben, der von der Abtei am 27. Februar 1802 an Johann Wilhelm Caspers und Jungfer Anna Gertrud Weiler mit Ausschluß des zugehörigen Sackzehnten für jährlich 152 Reichstaler 57 Stüber verpachtet wurde, wobei diese die Gebäude wiederherzustellen, alle Lasten zu übernehmen, für Auffrischung des Obstbaum- und Waldbestandes zu sorgen und ihren Vorgängern für die Zeit ihres Lebens angemessenen Unterhalt auf dem Hofe zu geben hatten." [Mosler 1959 S. 262] |
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Anscheinend blieb der Hof also noch in der Familie.
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Gönrather Hof vor 1955. Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen |
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19. Jahrhundert - Säkularisation - Am 12.09.1803 erließ Kurfürst Max Josef von Bayern die Verordnung, durch die der geistliche Besitz im Herzogtum Berg eben diesem zufiel. So eigenete sich die herzogliche Regierung auch das Kloster Altenberg an. "Bei der 'Landesdirektion', wie die Düsseldorfer Regierung seit 1802 hieß, wurde eine Separationskommission gebildet. Für den Altenberger Besitz setzte diese den Lokalverwalter Deycks in Burg als Kommissar ein [...]. Der Grundbesitz dieser geistlichen Institute wurde in diejenige Gemeinde eingefügt, innerhalb der er lag, so [...] der Gönrather Hof in die Honnschaft Katternberg [...]. Das Vermögen fiel der bergischen Domänenverwaltung zu. Diese verkaufte einige einträgliche Objekte sofort." [Rosenthal 2. Bd. S. 221] - Der Gönrather Hof gehörte nicht dazu. Pächter und Eigentümer Krüth
Am 25.05.1804 wurden auf Veranlassung Deycks' mit Genehmigung der Landesdirektion die Eheleute Adolf Krüth aus Wald und Katharina Schramm als neue Pächter anerkannt. Sie hatten alle Verpflichtungen ihrer Vorgänger zu übernehmen, insbesondere auch die mit 418 Rtlr. veranschlagten Reparaturkosten der Hofgebäude. [Mosler 1959 S. 262]
1804 wurde der Hof von Landmesser P.J. Esser aus Neukirchen vermessen, schreibt Mosler. Die "Carte von dem Altenberger Hofe zu Gönrath Kirchspiels Solingen" ist bei Lunkenheimer abgebildet; sie trägt das Jahr 1805. [S. 9] "Die großherzogliche Domanialverwaltung, die dann den Hof übernahm, stellte fest, daß dies 11 Morgen mehr waren, als den früheren Verpachtungen bei der Schätzung nach dem Schall |
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Öffentlicher Anzeiger Nr. 44 vom 7.9.1818
"Der Gönrather Hof, in der Gemeinde Wald belegen, verpachtet laut Kontrakt vom 29sten April 1816, bis 1828, mit dem sechsten Jahre aufkündbar, an Adolf Krütt, für 600 Franken oder 157 Thlr. 12 Ggr. preuss Courant.
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Krüth blieb mit seinem Gebot von 500 Francs Meistbietender und erhielt den Zuschlag, jedoch nicht die Genehmigung der Regierung. Eine erneute Versteigerung brachte aber auch kein besseres Ergebnis. Krüth blieb zunächst Pächter: "Nach längeren Verhandlungen unter der Hand mit der Rentei Solingen verstand sich Krüth dann doch zu einem Jahreszins von 600 Francs und mußte sich jetzt auch damit abfinden, daß er nicht mehr die Gesamtnutzung des Busches behielt, sondern ihm nur ein Jahresquantum von 2 Klaftern Holz und 300 Schanzen daraus zugeteilt wurde.
Am 18. Mai 1816 wurde dieser Pachtvertrag von der Düsseldorfer Regierung bestätigt." [Mosler 1959 S. 262]
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20.-21. Jahrhundert Eigentümer Stadt Solingen / Pächter Dolff / Kopp / Wiegersma
Am 16.05.1918, nachdem der Hof 100 Jahre im Besitz der Familie Krüth gewesen war, kaufte die Stadtgemeinde Wald das Krüth'sche Gut zu Unten-Gönrath nebst aufstehender Gebäulichkeiten in der Größe von 28 Hektar 69 Ar 92 Quadratmeter = 112,44 Morgen zum Preise von 224 000 Mark von den Erben Krüth. [Verwaltungsbericht 1912-1921 S. 70]
Am 01.02.1940 trat Paul Kopp seine Nachfolge als Pächter an. Aber es war Krieg, er musste zum Militär und wurde 1944 von der Heeresleitung in Russland als vermisst gemeldet. Frau Adolphine bewirtschaftete den Hof mit Tochter und Hilfskräften.
1963 wurden auf den Grundstücken und in unmittelbarer Nähe des alten Domänenhofes Vermessungsarbeiten durchgeführt. Hintergrund war das avisierte Viehbachtalstraßen-Projekt.
Nun wurde das Gutshaus zur Hälfte in 3 1/2 jähriger mühevoller Arbeit renoviert. Es zeigte sich, dass das Wohnhaus vor mehr als 250 Jahren um dieselbe Länge und Breite nach Westen hin vergrößert worden war. Nach Entfernung der maroden Verschieferung kam das schöne Balkenfachwerk zum Vorschein. "Der östliche Teil des Hauses zeigt geschwungene Balken, während der spätere westliche Teil Andreaskreuze aufweist." Die schweren Eichenbalken des Gebäudes zeigten keine Altersschäden.
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Gönrather Hof 1981. Foto: Ludwig Lunkenheimer. Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen |
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Quellen: Zusätzliche von Ludwig Lunkenheimer genannte Quellen: |