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Haan hat Geschichte

Haan
1902   Haan, Jülicherland, Blick vom Rathaus.
Bild-Quelle: Stadtarchiv Haan
 

Zeittafel

Geschichte wird umso interessanter, je mehr der Rahmen, den die große Politik vorgibt, mit den kleinen lokalen Ereignissen gefüllt werden kann, mit dem "täglichen Leben" eben. So vermitteln Jahreszahlen in Verbindung mit den eigenen Familiendaten eine Ahnung von den Lebensumständen früherer Generationen.

Die folgenden in der Literatur erwähnten Ereignisse aus der Haaner Geschichte sind ohne Rücksicht auf ihre objektive Bedeutung und den thematischen Zusammenhang ausschließlich nach Jahreszahlen sortiert. Die Angaben stammen aus verschiedenen Quellen, die am Seitenende genannt sind.




  • Ca. 2200 v. Chr.   Im heutigen Zentrum bildet sich eine erste indogermanische, endsteinzeitliche Siedlung in "Hagen"-Form, d.h. nahezu kreisförmig mit Wall, Palisadenzaun und Heckenstreifen. Auf diesen "Hagen" wird der Ortsname Haan zurückgeführt, mundartlichen ausgesprochen wie "Haan".


  • 388 n.Chr.   Die Häuser im Hagen werden von römischen Streitkräften abgebrannt.


  • 718-1214   Die sächsisch-fränkische Grenze verläuft zwischen Sonnborn und Elberfeld. Haan ist Grenzort und dient als Biwak- und Versorgungsstation für Armeen, Politiker, Klerus und Händler. Es gibt bereits Anfänge des Christentums in Haan.


  • Um 750   Der West-Ost-Weg (heutige Kaiserstraße) wird fränkischer Aufmarschweg.


  • Um 850   Vermutlich Bau der vorromanischen Hallenkirche "St. Chrysanthus und Daria" auf dem Alten Kirchplatz in Haan. Sie wird 1863 wegen angeblicher Baufälligkeit abgebrochen.


  • 922-970   Ein Teil des Konvents des hochadeligen Gerresheimer Kononissenstifts residiert in Haan.


  • Um 1363   Der Graf von Berg wird Landesherr von Gruiten und Opgruiten.


  • 1386   gibt es im Weistum für die Kirchspiele Haan und Hilden einen ersten urkundlichen Hinweis auf einen Jahrmarkt als möglichen Vorläufer der Haaner Kirmes.


  • Um 1400   Die Bevölkerung in Haan und Gruiten besteht überwiegend aus Bauern und einigen Nebenerwerbs-Handwerkern (Schmiede, Müller, Mühlenbauer und Dachdecker).



  • 1543 Oberhaan wird gewaltsam vom Herzog von Berg übernommen.


  • 1545   In Gruiten ist die Kalkbrennerei nachweisbar, später zweitweilig die wichtigste Erwerbsquelle des Ortes.


  • 1589   Die bis dahin katholische Kirchengemeinde Haan wird Gründungsmitglied bei der ersten Reformierten Bergischen Synode. 1608 wird Gruiten Mitglied.


  • 21.07.1589   Im Haus des Pastors von Neviges findet die erste Reformierte Bergische Synode statt. Gründungsmitglieder sind die Gemeinden Neviges, Sonnborn, Schöller, Haan, Elberfeld und Mettmann. Als Präses ist Pfarrer Wilhelm Badius aus Köln anwesend.


  • 27.06.1598   Die 27. Reformierte Bergische Synode tagt erstmals in Haan im Haus zum Diek.



  • 1618-1648   Der Dreißigjährige Krieg tobt. Es gibt Berichte über Verwüstungen, Plünderungen und Brandschanzungen in Gerresheim, Düsseldorf, Ratingen, Mettmann, Elberfeld und Solingen. Dass für Haan und Gruiten Aufzeichnungen dazu fehlen, bedeutet nicht, dass es hier anders war.



  • Um 1700   In Haan leben und arbeiten Messermacher und Schleifer, Wollweber und -spinner, Krämer, Schuhmacher, Tagelöhner und Fuhrleute, Zimmerer und Schreiner, Gastwirte und Schnapsbrenner.


  • 1701-1714   Spanischer Erbfolgekrieg. 1702 wird Kaiserswert belagert, während andere Heerzüge von Beuel aus den Rhein entlang plündernd und brennend ins Bergische Land einfallen. 1703 kommen Verbündete zur Hilfe. Die Franzosen ziehen ab.


  • 1724   In Haan wird die erste Weberei eingerichtet.


  • 1741-1748   Der österreichische Erbfolgekrieg und
  • 1756-1763 der Siebenjährige Krieg bringen wieder feindliche Truppen ins Land. Haan liegt an der Heerstraße von Westfalen zum Rhein und wird durch Einquartierungen mit allen ihren Folgeerscheinungen belastet.


  • Nach 1763   In Haan beginnt wie insgesamt im Bergischen Land ein wirtschaftlicher Aufschwung.



  • 1801   Die erste Haaner Apotheke (Löwen-Apotheke) wird im Haus Kaiserstraße 30 eröffnet.


  • Bis 1802   Haan bildet gemeinsam mit Hilden als Amt Hilden-Haan eine erzbischöflich-kölnische Enklave im Bergischen Land. Die Grafen bzw. Herzöge von Berg haben ab etwa 1300 gewisse Vogtrechte und Pflichten in Haan (Ordnungspolizeifunktionen); ein größerer Einfluss bleibt ihnen jedoch verwehrt.


  • 1803   Haan kommt unter bergische Landeshoheit.


  • 15.03.1806   Der damalige Landesherr, Kurfürst Maximilian Joseph von Bayern, tritt das Herzogtum Berg an Kaiser Napoleon I. ab.


  • 12.07.1806   Das Herzogtum Berg wird mit einigen Grenzgebieten von Napoleon I. zum Großherzogtum Berg erhoben.


  • 1807   Der Friedhof wird vom Alten Kirchplatz zur Alleestraße verlegt.


  • 12.07.1808   Napoleon erhebt das bergische Land zum Großherzogtum Berg. Als solches tritt es dem Rheinbund bei und wird durch das rechtsrheinische Gebiet des Herzogtums Cleve und weitere Landesteile vergrößert. Napoleon setzt seinen Schwager Joachim Murat als Großherzog ein.


  • 1808   Haan, Ellscheid, Gruiten, Schöller und Sonnborn werden zur "Bürgermeisterei Haan" vereinigt.


  • 14.11.1808   Das Großherzogtum Berg wird durch Dekret in vier Departements eingeteilt:
    Sieg-, Rhein-, Ruhr- und Ems-Departement.
    Haan-Hilden gehört zum Rhein-Departement und umfasst die vier Arrondissements Düsseldorf, Essen, Elberfeld und Mülheim am Rhein. Haan kommt zu Elberfeld, Hilden zu Düsseldorf.
    Die Arrondissements bestehen aus Cantonen; Haan wird dem Canton Mettmann zugeordnet, Hilden dem Canton Richrath.


  • 12.12.1808 / 11.01.1809   Per Regierungsdekret werden Leibeigenschaft und Lehnswesen aufgehoben. Bauern, die bisher ein "geistliches Lehen" besaßen (wie die meisten Haaner Bauern), werden nun Eigentümer ihrer Höfe und Ländereien.


  • 03.03.1809   Napoleon überträgt seinem fünfjährigen Neffen Napoleon Ludwig die erbliche Würde des Großherzogs von Berg und regiert für ihn als sein Vormund.


  • 14.11.1809   Im Rahmen einer umfassenden Landesverwaltungs-Reorganisation werden die Ämter durch Regierungsdekret neu eingeteilt. Dabei entsteht die Bürgermeisterei [= Amt] Haan unter der Leitung von Bürgermeister Johann Friedrich Schmachtenberg.


  • 01.01.1810   Das französische Civilgesetz tritt in Kraft. Die Führung der Personenstandsregister geht von den Kirchenämtern auf die bürgerlichen Gemeindeverwaltungen über.


  • 17.12.1811   Dine neue Justizverfassung tritt in Kraft. Der Gerichtsstand für Haan wird von Hilden (Landgericht Hilden-Haan für Strafsachen) und Haan (Hofesgericht Haan für Zivil- und Verwaltungssachen) nach Mettmann verlegt, der Gerichtsstand für Hilden nach Monheim. Damit ist die frühere Verbindung von Haan und Hilden gelöst.


  • 15.11.1813   Provisorische Verwaltung des Bergischen Landes nach Vertreibung der französischen Armee und Verwaltung durch Truppen der Allianz (Preußen und Russen) gegen Frankreich.


  • Ab 15.06.1814   Dem König von Preußen wird vorläufig die Verwaltung des bergischen Landes übertragen.


  • 15.07.1814   Provisorische Verwaltung des Bergischen Landes durch die preußische Regierung.


  • 05.04.1815   Das Großherzogtum Berg wird durch Friedrich Wilhelm II. von Preußen in Besitz genommen und Bestandteil des Königsreichs Preußen.


  • 24.04.1816   Die preußische Regierung bestätigt die bereits bestehende Bürgermeisterei Haan. Zur Bürgermeisterei Haan gehören die Gemeinden Haan, Millrath, Ellscheid, Gruiten, Schöller, Sonnborn einschl. Vohwinkel und Obgruiten.


  • 1816 wird auf Grund von Missernten ein Hungerjahr.


  • 1817   In der Gemeinde Haan leben 1900 Einwohner.


  • 19.04.1818   Die evangelisch-reformierte Kirche in Haan tritt der von Preußen angeregten Union bei (uniierte evangelische Kirche).


  • 1826 und 1833   Gutachten über den Bauzustand der alten Haaner Kirche am Alten Kirchplatz werden erstellt mit dem Ergebnis, die Kirche solle wegen Baufälligkeit abgebrochen werden.


  • 1837-1841   Die erste westdeutsche Eisenbahnlinie Düsseldorf-Haan / Gruiten-Vohwinkel wird gebaut. Am 21.05.1841 wird sie eröffnet, am 03.09.1841 bis Elberfeld weitergeführt. Vier Bahnhöfe liegen auf den Gebiet der Bürgermeisterei Haan: Hochdahl, Haan, Vohwinkel und Sonnborn.


  • Bis 1845 wird im Spörkelnbruch (am heutigen Naturschutzgebiet Hildener Heide), einem der ehemaligen Hochmoore, Torf gestochen.


  • 1847   Die heutige Bundesstraße B 228 von Hilden über Haan nach Vohwinkel wird angelegt. Bis 1875 wird an dieser Straße Wegezoll erzoben, so am Schlagbaum in Unterhaan.

  • 1851   Die erste Poststelle in Haan wird eingerichtet, zunächst Kaiserstraße 49, dann Kaiserstraße 12. Um 1900 zieht die Post in das neu erbaute Postamt Kaiserstraße 26 um. An dieser Stelle entstehen später nach zweimaligen Abbrüchen jeweils neue Postgebäude.


  • 1856   Die katholische Gemeinde kauft das Haus zum Dorn, um dort ihre erste Kapelle einzurichten.


  • 1858-1869   Ein Zimmer des Hauses zum Dorn dient als erste katholische Schulstube.


  • 1858   Als erste Sparkasse in Haan eröffnet die "Bürgermeistereisparkasse" in der Gaststätte "Jägerhaus", Bahnhofstraße 5 (abgebrochen 1981).


  • 1863   Die alte Haaner Kirche am Alten Kirchplatz wird wegen angeblicher Baufälligkeit abgebrochen.


  • 1864   Die neue evangelische Kirche an der Kaiserstr. 44 wird von Generalsuperintendent D. Ebertz eingeweiht.


  • 1860-1867   Bau der Eisenbahnlinie Köln-Ohligs-Gruiten.


  • 1867   Das Teilstück bis Opladen wird dem Verkehr übergeben. Haan erhält zunächst keinen Bahnhof, sondern Gruiten. Der heutige Bahnhof Gruiten führt bis 1894 die Bezeichnung "Haan".


  • 03.05.1867   Die Gemeinde Ellscheid wird nach Haan eingegliedert, zunächst als relativ selbstständiger Ortsteil.


  • 01.09.1867   Sonnborn wird mit Vohwinkel aus dem Verband der Bürgermeisterei Haan ausgegliedert.


  • 1867   Das Werk Haan der mechanischen Weberei Jung & Simons nimmt im Gebiet Schallbruch den Betrieb auf. 1855 laufen dort 322 Webstühle. 1958 hat der Betrieb mehr als 700 Mitarbeiter. Seit 1976 existiert er nicht mehr.


  • 1869   Die neu erbaute katholische Kirche an der Bahnhofstraße wird durch den Kölner Erzbischof Paulus Melchers geweiht.


  • 1872   Die Bettfedernfabrik Friedrich Hammerstein wird gegründet.


  • Um 1875   In Haan formiert sich eine dritte religiöse Glaubensgemeinschaft, die spätere Freie Evangelische Gemeinde.


  • 1879   Haan bekommt eine eigene Wasserpumpstation. Bis dahin mussten sich Haushalte und Industrie aus Bächen, Teichen und Brunnen versorgen.


  • 1883/1884   Die Kalkproduktion in Gruiten erfolgt nun industriell. 1899 wird der Steinbruch am Düsselberg in Betrieb genommen. 1907 übernimmt die Rheinisch-Westfälische Kalkwerke AG Dornap die Leitung. 1966 wird der Gruitener Betrieb stillgelegt.


  • 1885   Das Dorf Haan erhält eine Eisenbahn-Haltestelle: "Haan-Ort". Zuvor mussten die Haaner in Gruiten oder Ohligs zusteigen.


  • 1889   Haan hat (mit Ellscheid) 7317 Einwohner.


  • Um 1890   Von 6860 Einwohnern leben knapp 70% in 59 Hofschaften, deren Einwohnerzahlen zwischen 25 ('Häuschen') und 216 ('Neuenweg') liegen. "Davon fiel aber durch die Ausgemeindung 1894 ein Teil an die Nachbarorte. Der Rest wohnte im Kirchdorf Haan." [Koll S. 10]


  • 1894   Die Bürgermeisterei Haan wird aufgelöst. Die Gemeinden Gruiten (mit Obgruiten), Millrath (heute Erkrath-Hochdahl) und Schöller (heute Wuppertal-Vohwinkel) werden zu einer "Bürgermeisterei Gruiten" vereinigt. Das Haaner Gemeindegebiet, bis dahin 1956 ha groß, verliert folgende Gehöfte an Vohwinkel: zur Pforten, Brennenkamp, Höhe, Schlüssel, Görtscheid und Simonshaus, und an Gruiten: Decken, zur Linden, Wäsche, Neuenhaus, Schrotsberg, Ölbers und Simonshöfchen, ein Gebietsverlust von über 260 ha. [Schneider S. 240]


  • 1894   Haan erhält eine öffentliche Trinkwasserversorgung aus dem Elberfelder Wasserwerk.


  • 1896   Bei der Firma Hammerstein (Kaiserstr. 46-48) entsteht ein privates Elektrizitätswerk. Nun müssen die öffentlichen Straßenlaternen nicht mehr mit Petroleum befeuert werden.


  • 1897   Gruiten erhält ein neues Rathaus.


  • 1899   die Straßenbahnverbindung Hilden - Haan - Vohwinkel nimmt ihren Betrieb auf. 1961 wird sie durch eine Buslinie ersetzt.


  • Ende 19. Jh.   Haan gehört noch zum Landwehrkreiskommando Barmen, zum Katasteramt Solingen und zum Hauptzoll- und Steueramt Elberfeld.



  • 1901   Haan wird ans Telefonnetz angeschlossen. Seit Anfang 1925 gibt es Tag- und Nachtfernsprechverkehr. Erst 1931 erhält Haan 'Selbstanschluss'. [Koll S. 10]


  • 1902   Haan erhält ein neues Rathaus.


  • 1904   Die katholische Kapellengemeinde Haan stellt den Antrag auf Erhebung zu einer selbstständigen, von Hilden und Gräfrath losgelösten Pfarrei. 1905 bildet die katholische Bevölkerung eine eigene Gemeinde.


  • Februar 1905   Konstituierende Versammlung des katholischen Arbeitervereins.


  • 1905   Die Ortsgruppe des "Bergischen Vereins für Gemeinwohl" wird gegründet unter Führung von evangelischen Pfarrern, Fabrikanten und Lehrern. Sie soll sich vor allem un Lungenkranke und bedürftige Kinder kümmern. Bis zum Krieg steigt ihre Mitgliederzahl auf über 500. "Sie stifteten eine Volksbücherei und wachten darüber, daß die Arbeiter [...] keine 'Schundliteratur' zu lesen bekamen." [Koll S. 16 und 59]


  • 1905   Die Einwohnerdichte liegt mit 545 pro Quadratkilometer über dem Durchschnitt des Landkreises sowie der Rheinprovinz. Bis 1933 steigt sie auf knapp 700 an.


  • 1906   Haan wird vom Bergischen Electrizitätswerk mbH Solingen mit Strom versorgt. Diese "Kraftstation zur Erzeugung electrischen Stromes" ist 1896 aus dem früheren Kirschberger oder Kirschbaumer Kotten an der Wupper hervorgegangen.


  • 1906   An der Eisenbahnstraße wird ein Bahnhof gebaut. Er erhält den Namen "Haan"; der bisherige Haaner Bahnhof wird 1907 in "Gruiten" umbenannt.


  • 1907   Etwa 800 Haaner gehen täglich zu Fuß nach (Solingen-) Wald zu ihrer Arbeitsstätte. "Viele Heimarbeiter waren gezwungen, auf Handkarren ihre Halb- bzw. Fertigprodukte mühsam durch das Ittertal zu transportieren." [Koll S. 8]


  • 1908   Fast 4/5 der Haaner Katholiken sind in Unterhaan ansässig, die übrigen in Mittelhaan. Sie zählen noch weitgehend zur Unterschicht.


  • 1910   Haan erhält eine Realschule.


  • 1911   die Landwirtschaft hat unter einer Dürre zu leiden.


  • 1911   Haaner Sprudel kommt als Heilwasser in den Handel.


  • 1912   Die 1899 eingerichtete Mütter-Entbindungsstation an der Kaiserstraße wird erweitert und um eine Ambulanz ergänzt, 1919 als Krankenhaus mit Operationszimmer ausgebaut.


  • 28.07.1914   Österreich/Ungarn erklärt Serbien den Krieg. Der Erste Weltkrieg bricht aus.


  • Frühjahr 1915   Die Versorgungslage wird kritisch. Die Verwaltung richtet eine Gartenbauberatungsstelle ein. Alle vorhandenen Gärten müssen ordnungsgemäß bestellt und brachliegende Flächen landwirtschaftlich genutzt werden. [Koll S. 60]


  • Anfang 1916   Ca. 100 Kriegsgefangene machen 27 Morgen Heidegrundstücke an der Straße nach Hilden urbar. "Die Betriebe hatten ein gutes Verhältnis zu ihnen." [Koll S. 60]


  • Der Winter 1916/17 geht als der sogenannte "Steckrübenwinter" in die Annalen ein. Steckrüben dienen als Ersatz für die witterungsbedingt weitgehend ausgefallene Kartoffelernte.


  • April 1917   Die "Unabhängige Sozialdemokratische Partei" wird gegründet. Alle bergischen SPD-Unterbezirke traten der USPD bei. Sie ist in Haan für kurze Zeit die stärkste Partei und wird insbesondere von den Metallarbeitern sowie von Frauen gewählt. 1922 verliert an Bedeutung.


  • 09.11.1918   Reichskanzler Max von Baden verkündet die Abdankung Kaiser Wilhelm II. und tritt zurück. Der Erste Weltkrieg ist beendet.


  • 1918   Haan fällt als Folge des Waffenstillstandes als einzige Gemeinde des Landkreises Mettmann in die 30 km-Zone des Kölner Brückenkopfes unter englische Besatzung.


  • Mitte Dezember 1918   Haan wird von der 27. Brigade der 9. britischen Division besetzt. Teile davon werden auch in Wald und Ohligs untergebracht, wo sich die Kommandantur befindet. Im Juni 1919 halten sich 7500 Soldaten in Haan auf.


  • Ende 1918   In Haan setzt Arbeitslosigkeit ein. Wegen Auftragsmangels muss als erste die Zweigniederlassung der Köln-Rottweiler Pulverfabrik 'Bergische Zünder' (Deller Straße, Gebäude des späteren Friedensheims) 417 Personen entlassen.


  • 1919   Der Gemeinnützige Bauverein gründet sich. 1924-1930 baut der Verein in 20 Wohnhäusern 113 Wohnungen, die grundsätzlich an Minderbemittelte vermietet werden.


  • 15.03.1920   Aufgrund des von der USPD organisierten Generalstreiks anlässlich des Kapp-Putsches ruhen auch in Haan alle Betriebe und Schulen. "Am Nachmittag zogen fast 3000 Menschen durch die Stadt zum Karl-August-Jung-Platz, wo USPD-Redner erneute Räterepublik und Dik[a]tatur des Proletariats forderten." [Koll S. 86]


  • 12.02.1921   Haan werden die Stadtrechte verliehen. In den darauf folgenden Jahren beschäftigte man sich mit den verschiedenen Vorschlägen für ein Haaner Stadtwappen.


  • 1922   Die Haaner Katholiken treten erstmals mit einer großen Prozession an die Öffentlichkeit.


  • Spätsommer 1923   Die Inflation hat einen Höhepunkt erreicht. Große Teile der Arbeiterschaft revoltieren. Infolge der Besetzung des Ruhrgebeits bricht der Warenverkehr zwischen Haan und den anderen Orten des Kreises praktisch zusammen. [Koll S. 45]


  • 1924   Ein Autobusverkehr zwischen Haan und (Solingen-)Wald wird eingerichtet.


  • Mitte der 1920er Jahre leben in Haan 173 Ausländer, davon 60% Niederländer.


  • 1926   Es entsteht ein ergänzender großer Krankenhaus-Neubau mit modernen Einrichtungen, das St. Josefs-Hospital.


  • 1926   In Haan gibt es an Privatfahrzeugen 40 PKW und 89 Motorräder.


  • 1927   Der Ausbau der Anlagen an der Königstraße beginnt. Die Firma Jung & Simons stellt das Grundstück zur Verfügung.


  • 1927   Der Verkehrsverein wird gegründet mit dem Ziel, mehr Besucher in die Stadt zu ziehen, zunächst unter Vorsitz von Bürgermeister Ernst Heßmann.


  • 1928   Haan hat 11.331 Einwohner.


  • 1929   Mit dem Schneefall beginnen am 5. Januar für die Landwirtschaft katastrophale Wetterverhältnisse. Die Kältewelle erreicht am 11. Februar mit minus 32 Grad ihren Tiefpunkt. Mitbürger erinnern sich daran, den Rhein zu Fuß überquert zu haben. Das eisige Winterwetter hält bis in den Mai an. Die Trockenheit des folgenden Sommers erschwert die Situation für die Landwirte. [Koll S. 50 f]


  • 1929   Der Landkreis Düsseldorf-Mettmann entsteht. Haan verliert bei der kommunalen Neugliederung Gebiete an Wuppertal, Gruiten und Hilden.


  • Ende Oktober 1929   Die Weltwirtschaftskrise setzt ein und trifft in unterschiedlichem Ausmaß alle Wirtschaftszweige des Bergischen Landes, insbesondere die Solinger Stahlwaren- und die Wuppertaler Textilindustrie. Beide sind eng mit der Haaner Wirtschaft verflochten.


  • Oktober 1929 bis Herbst 1930   Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger steigt auf ca. 600.


  • 26.07.1930   Die Gemeinden erhalten durch Verordnung das Recht, zur Finanzierung ihrer Ausgaben für Wohlfahrtserwerbslose zusätzlich eine Bier-, Bürger- und Getränkesteuer zu erheben. Von der Getränkesteuer macht Haan keinen Gebrauch.


  • 1930   Haan gehört zum Bezirk des Landgerichts Elberfeld, des Amtsgerichts Mettmann, des Arbeitsamtes und des Finanzamtes Vohwinkel, der IHK Elberfeld, der Handwerkskammer Düsseldorf, des Innungsausschusses Elberfeld und des staatlichen Schlichtungsausschusses Barmen. [Koll S. 9]


  • 1931   Durch Gebietsreform ist nun das Arbeitsamt Velbert für Haan zuständig.


  • April 1932   Mit 1399 ist ein Höchststand der Arbeitslosenzahl erreicht. Im Oktober stellt sich eine leichte Besserung in der Textil- und Kleineisenindustrie ein.


  • 04.06.1932   Der Reichstag wird aufgelöst.


  • 20.07.1932   Während des Reichstagswahlkampfes wird im Hotel Windhövel eine Ortsgruppe der NS-Frauenschaft gegründet.


  • 1933   7,2% der Haaner Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, in Solingen dagegen nur 1,6%.


  • 30.01.1933   Reichspräsident von Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler und löst am 01.02. den Deutschen Reichstag auf. Die Nationalsozialisten sind an der Macht.


  • 14.07.1933   Die NSDAP wird per Gesetz einzige Partei Deutschlands.


  • 1933   Die Stadtverwaltung beschließt die Umbenennung der Schützenstraße in Martin-Luther-Straße.


  • 29.04.1937   Haan wird das Stadtwappen verliehen.


  • 09.-10.11.1938   In der sog. Reichskristallnacht kommt es in Haan - anders als in einigen Nachbarorten - nicht zu Gewaltaktionen der NS-Organisationen.


  • 01.09.1939   Deutsche Truppen marschieren ohne Kriegserklärung in Polen ein. Beginn des Zweiten Weltkriegs.


  • 31.12.1944 / 01.01.1945   Alliierte Luftflotten werfen Bomben auf Wohngebiete in Ober- und Mittelhaan. Etwa 70 Menschen kommen ums Leben, überwiegend Frauen und Kinder.


  • 16.04.1945   Amerikanische Streitkräfte besetzen Haan und Gruiten. Ab Juli 1945 werden sie von britischen Truppen abgelöst, die in den Folgejahren nach und nach abziehen.


  • 08.05.1945   Bedingungslose Kapitulation Deutschlands.

  •   Der Zweite Weltkrieg in Solingen
      Der Zweite Weltkrieg in Wuppertal

  • 20./21.06.1948   In den Westzonen wird die Währungsreform durchgeführt. Die Reichsmark (RM) wird von der Deutschen Mark (DM) abgelöst.


20 Reichsmark  
20 Reichsmark
 



  • 1956   Die neue katholische Kirche an der Königstraße wird von dem Kölner Erzbischof Kardinal Frings eingeweiht.


  • 1959   In Haan sind rund 4000 Vertriebene und "Sowjetzonenflüchtlinge" registriert.


  • 1965   Die Ansiedlung von über 200 Betrieben überwiegend in neuen Industrie- und Gewerbeparks beginnt.


  • 1966   Das Krankenhaus zieht in einen neuen Gebäudekomplex an der Robert-Koch-Straße 16 um. Das alte Gebäude wird anschließend von der Landesfinanzschule genutzt.


  • 1969   Das Gymnasium an der Adlerstraße wird gebaut.


  • 1970-1980   Nachbarsberg und Bollenberg werden bebaut; der Industriepark Ost entsteht.


  • 1972   Bei Tiefbauarbeiten für das Hallenbad am Alten Kirchplatz werden achtzehn weibliche Skelette entdeckt, die im Alter von etwa 11 bis 65 Jahren in der Zeit um 940-970 n.Chr. dort beigesetzt worden sind und möglicherweise aus dem Gerresheimer Damenstift kamen.


  • 1973   Bei Ausgrabungen unter der Südmauer der alten Haaner Kirche kommt ein voll ausgemauertes Kopfnischengrab von 2,35 Metern Länge und 1 Meter Breite zum Vorschein. Die Entstehungszeit wird auf 700 bis 750 n.Chr. geschätzt.


  • 1974   Die Seidenweberei H. E. Schniewind schließt.


  • 01.01.1975   Der Landtag von Nordrhein-Westfalen schließt im Zuge der kommunalen Neugliederung die beiden zu der Zeit selbstständigen Gemeinden Haan und Gruiten wieder zusammen. (Bis 1894 hatten Haan und Gruiten zur Bürgermeisterei Haan gehört.)


  • 1976   Die Firma Jung & Simons schließt.


  • Ab 1980   Maßnahmen zum Denkmalschutz werden realisiert: 110 Baudenkmale sind in die Denkmalliste eingetragen, dazu zwei Denkmalbereiche, einer davon ist das Stadtzentrum von Haan.



Städtepartnerschaften

  • 1957   Übernahme einer Patenschaft für den ehemaligen Kreis Guttentag-Loben in Oberschlesien
  • 1967   Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Eu/Normandie
  • 1982   Städtepartnerschaft mit der englischen Stadt Berwick-upon-Tweed, Northumberland
  • 1990   Städtepartnerschaft mit Bad Lauchstädt, Sachsen-Anhalt
  • 2000   Dobrodzien/Guttentag in Polen (ehem. Oberschlesien)



Stolpersteine

In Haan erinnern zwei Stolpersteine an Opfer des Naziregimes:

  • In der Fliederstraße 3 (Gruiten)
    "Hier wohnte Max Kramer, Jg. 1898, verhaftet 26.7.1933 von SA, tot aufgefunden am selben Tag".
  • In der Kaiserstr. 55
    "Hier lebte Jeanette Höhn geb. Berg, Jg. 1868, deportiert 1942, Theresienstadt, ermordet 24.4.1943".
    Familie Höhn lebte in der Nordstraße 33; in der Kaiserstraße betrieb Frau Höhn ein Geschäft.

  Mehr dazu


Quellen:
  • Düsseldorfer Jahrbuch (1947)
  • Koll (1994) - mit Quellenverzeichnis
  • Lomberg (1928)
  • Schneider (1900)
  • Stadt Haan (1959)
  • Stadtarchiv Haan
  • Vollmar (1991 und ca. 1986)

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