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Die alte Haaner Kirche

 
Alte Kirche
Die alte Haaner Kirche. Nach einer Zeichnung von Wilhelm Lomberg, Haan
 



Die Haaner Kapelle im Mittelalter

Die alte Haaner Kirche, ein romanischer Steinbau, wurde vermutlich im 10. Jh. als Tauf- und Betkapelle auf dem heutigen Alten Kirchplatz errichtet. Dies lässt sich aus dem alten Weihestein ableiten, der erhalten geblieben ist.

Der Haaner Lokalhistoriker Harro Vollmar (1929-1989) schließt aber nicht aus, dass die Kirche oder ein Vorgängerbau schon viel früher entstanden ist. Eine Hypothese: Der Stuhl der Kölner Erzbischöfe war im 9. Jh. mehrfach unbesetzt. "Das führte dann in Haan vermutlich dazu, daß die um 850 erbaute Kirche erst 935 durch den Kölner Erzbischof Wichfried geweiht werden konnte." [Vollmar 1991 S. 12]

Auch ein Baujahr um 750 wird nach Forschungen in den 1970er Jahren nicht ausgeschlossen. - Lt. Vollmar wurde diese Kapelle um 1100 als 'Hagen capella' bezeichnet. [Welche Urkunde?] Im Register der Wachszinsigen des Stiftes Gerresheim von 1312 wird die 'parrochia Hagen' genannt, Pfarrei von Haan. [v. Roden S. 69]

Am 21. Juli 1589 war die alte Haaner Kirche unter Pfarrer Wilhelmus Rongius eine der Mitgliedskirchen der ersten Reformierten Bergischen Synode in Neviges. Teilnehmer waren die Pfarrer oder Ältesten der Kirchengemeinden Neviges, Sonnborn, Schöller, Haan, Elberfeld und Mettmann. Einige wenige der Originalprotokolle dieser und der folgenden Versammlungen sind erhalten geblieben. [Vollmar]

Anfang der 1970er Jahre kam es in Haan zum Abbruch vieler alter Fachwerk- und Schieferhäuser, darunter auch am Alten Kirchplatz. Dort sollte in unmittelbarer Nähe zum Standort der alten Kirche das Stadtbad entstehen. Während der Ausschachtungsarbeiten ergriff Vollmar die Gelegenheit zu praktischer Forschungsarbeit.

1971 und 1973 konnten die alten Fundamente der Kirche ergraben werden, die wider Erwarten noch vorhanden waren. Es stellte sich heraus, dass die Haaner Kirche als Stiftskirche und sogar relativ groß errichtet worden war. Die bebaute Grundfläche betrug ca. 212 qm bei einer Mauerdicke von bis zu 1,20 m. Im Vergleich dazu sind andere "erste Kirchen" kleiner ausgefallen: Elberfeld mit 108, Solingen mit 168 und Hilden mit nur 66 qm.

Was Vollmar und weitere Forscher sonst noch herausfanden, stellte frühere Erkenntnisse über das mittelalterliche Haan teilweise infrage und warf neue Fragen auf. Verbindungen zum Stift Gerresheim wurden entdeckt, und es gelang Vollmar, die immer noch rätselhafte Inschrift des Weihesteins der alten Kirche aus dem 10. Jh. plausibel zu entschlüsseln.

  In einem später mehrfach veröffentlichten Vortrag hat Vollmar 1974 über die Forschungen berichtet. Der Text ist m.E. für Geschichts-Interessierte aufschlussreich und daher mit freundlicher Genehmigung der Rechtsnachfolgerin im Wortlaut wiedergegeben. Er ist ein weiteres Beispiel dafür, wie aus kleinen Irrtümern und Fehlinterpretationen professioneller Historiker langfristig gültige Geschichtsschreibung entstehen kann - was natürlich überhaupt nicht "schlimm" ist, wenn man sich mit Sagen und Legenden zufriedengeben will. Wie viele manifestierte kleine Irrtümer mag es in der (Welt-)Geschichte geben?


Alte Kirche
 
Die alte Haaner Kirche.
Grafik nach einer Zeichnung von Friedrich August de Leuw aus dem Jahr 1849.

Die Proportionen wirken weniger gedrungener, die Dachkonstruktion anders als bei Lomberg und das ganze Gemäuer etwas verfallen. De Leuw hat allerdings nicht immer streng und maßstabgetreu "nach der Natur" gezeichnet und gern ein wenig romantisiert.

1928 beschrieb der Pädagoge August Lomberg den damaligen Wissensstand im Haaner Heimatbuch, wie er auch Generationen von Haaner Schulkindern vermittelt wurde:

"Um die Mitte des zehnten Jahrhunderts hatte sich die Zahl der Ansiedler so gemehrt, daß man die Errichtung einer besonderen Tauf- und Betkapelle für notwendig erachtete. Da Haan damals noch mit Hilden aufs engste verbunden war, so wurde der Bau des Kirchleins auch von dort aus in die Wege geleitet. Es entstand also eine Filialkirche von Hilden."

  Heinson übernimmt noch 1959 diese Feststellung von Lomberg, die sich als fraglich erwiesen hat [Vollmar]. Dazu an anderer Stelle mehr.

"Dies Kirchlein, auch Oratorium genannt, erhielt seinen Platz an der Stelle, die noch jetzt als 'alter Kirchplatz' bezeichnet wird, also genau in der Mitte des Kirchspiels. Der Platz war um so günstiger gelegen, als sich hier die alte Kölner Heer- und Handelsstraße mit der von Wald nach Gruiten und dem Königshofe Mettmann führenden Straße kreuzte.

Die Kapelle wurde aus festen Quadern gefügt, so daß sie jahrhundertelang allen Stürmen stand hielt. Überragt wurde sie von einem weithin sichtbaren Turm, dessen hellklingende Glocken an jedem Sonn- und Feiertage feierlich zum Gottesdienst einluden. Mit dieser Kapelle hatte die zerstreute Gemeinde einen Sammel- und Mittelpunkt erhalten, aus dem sich bald eine zusammenhängende Siedlung entwickelte. [...] Da das Kirchlein zu Haan der rasch anwachsenden Gemeinde bald nicht Raum genug bot, so wurde es in der Folge noch durch einen Anbau erweitert."

[Lomberg 1928 S. 53 f]




Abbrüche, Überbleibsel und Entdeckungen

1853 hieß es in einem Schreiben: "Die Kirche der evangelischen Gemeinde zu Haan, welche bereits 900 Jahre gestanden hat, ist nicht nur zur Aufnahme der 3000 Seelen starken Gemeinde zu klein, sondern auch durch das Alter so zerstört, daß eine Reparatur oder Erweiterung nicht unternommen werden kann."

Ende der 1850er Jahre verbreitete sich das Gerücht, die alte Kirche sei nicht mehr ganz standfest und drohe einzustürzen. 1863 wurde sie auf polizeiliche Anordnung hin wegen angeblicher Baufälligkeit geschlossen, am 24. August begann man mit dem Abbruch. Lomberg schreibt dazu: "Als man dann daranging, sie abzubrechen, zeigte sich, daß die Gefahr des Einsturzes gar nicht so groß gewesen war, wie es die ängstlichen Gemüter angenommen hatten. Es mußten vielmehr umfängliche Sprengungen vorgenommen werden, ehe man sie zu Falle brachte." [S. 55] Für den Abbruch der alten Kirche wurden lt. Rechnungsaufstellung 446 Thaler, 20 Groschen und 6 Pfg. ausgegeben. [Ev. Kirchengemeinde S. 9]

Dass die alte Kirche in Verkennung ihres Wertes als Baudenkmal abgebrochen wurde, ist auch nach über 140 Jahren schwer nachzuvollziehen und sehr bedauerlich. In einem Schreiben der Königlichen Regierung, Abteilung des Inneren, vom 18. Mai 1854 hatte sich das noch ganz anders angehört:

"Der Herr Minister des geistlichen Unterrichts und Medizinal Angelegenheiten hat uns auf einen die Erhaltung der alten evangelischen Kirche zu Haan betreffenden Bericht vom 3. Mai unter dem 8. d. Mts. eröffnet, daß er den Abbruch dieser Kirche nicht gestatten könne, da dieselbe zu den Denkmalen gehöre, deren Erhaltung gesichert werden müsse."
[Ev. Kirchengemeinde Haan S. 7]


Alte Kirche
 
1857
Südliche Ansicht der alten Kirche von Haan

In dieser Skizze ist die angebliche Baufälligkeit
durch Einzeichnung großer Mauerrisse demonstriert.
Über dem Eingangsportal ist als kleines Rechteck
der Weihestein von 935 angedeutet.

Abb. bei Vollmar

Viel ist nicht übrig geblieben. Einzelne Teile sind aber in die 1864 eingeweihte neue evangelische Kirche an der Kaiserstraße "hinübergerettet" worden:

  • Die noch brauchbaren Mauersteine der alten Kirche wurden beim Bau der neuen verwendet.

  • Der Denkstein (Weihestein) mit seiner lateinischen Inschrift ist zunächst in die Sakristei und später in den Chor der neuen Kirche eingemauert worden.

  • "Das Geläute nebst Glockenstuhl sowie die Thurmstange nebst Wetterhahn sind vorhanden und sollen bei dem Neubau zur Verwendung kommen", stand im Presbyterial-Protokoll vom 3. August 1864, und so geschah es. [Ev. Kirchengemeinde S. 11] Die kleine Stundenglocke von 1542 sowie die Betglocke sind bis heute erhalten geblieben.

  • Bestandteile der alten Orgel, acht Register und Prospektpfeifen, wurden in die neue Kirche übernommen. [Vollmar]

  • Übrig geblieben ist auch ein Steinkopf, der das Taufbecken geziert hatte, der sogenannte Dariakopf.

  • 1973 wurden bei der Ausgrabung Kalksteingesimse und -Profile aus dem Inneren der Kirche sowie Reste des Taufsteins aus der Zeit um 1100 (?) gefunden, die in den Besitz der Stadt Haan übergingen.



Der rätselhafte Weihestein

Über der Tür der 1863 abgebrochenen alten Kirche war ein uralter Denk- oder Weihestein eingemauert, der mit seinen seltsamen Hieroglyphen und Abkürzungen interessierten Forschern immer wieder Rätsel aufgegeben hat. Er stammt aus dem 10. Jh. und soll der zweitälteste Deutschlands sein.

  Als älteste Bauinschrift in Deutschland aus christlicher Zeit galt die aus Gingen an der Fils (Baden-Württemberg), bis die sog. Clematische Inschrift aus St. Ursula in Köln, die etwa aus der Zeit 400 n.Chr. stammen soll, als "echt" anerkannt wurde. (Stand 1982/83) [Das S. 15]
  Lt. Wikipedia stammt die steinerne Clematius-Inschrift in der Kölner St. Ursula-Kirche "vielleicht aus dem 9. Jahrhundert". (Stand 12.05.2012)


Clematius-Inschrift St. Ursula
 
2012
Die sehr sorgfältig in den Stein gravierte Clematius-Inschrift in der romanischen Kölner Kirche St. Ursula. Sie ist in die Südwand des gotischen Chors eingemauert.

Später wurde der Haaner Weihestein in die am 14.12.1864 eingeweihte neue evangelische Kirche an der Kaiserstraße übernommen und zunächst in der Sakristei, später im Chor hinter dem Altar eingemauert. Dort ist er noch heute zu sehen.


Weihestein
 
Weihestein der alten Haaner Kirche aus dem 10. Jh., heute eingemauert im Chor der evangelischen Kirche an der Kaiserstraße.

Foto: W. Grotenbeck, Haan
Bild-Quelle: Stadtarchiv Haan

»Von dem ehrwürdigen Erzbischof Wichfried ist am 4. August diese Kirche eingeweiht worden zu Ehren der heiligen Märtyrer Chrysantus und Daria.
Adalburg, Lantswind und Ewerwin von Gerresheim, Würdenträger des frommen Klosters, im Jahr 935 habt Ihr diese Kirche erbaut«"

So lautet die lateinische Inschrift lt. Vollmar in deutscher Übersetzung. Wie er 1973 zu dieser Lesart kam, dazu später mehr. Frühere Forscher waren teilweise zu ganz anderen Interpretationen gelangt, hatten aber etwas Entscheidendes übersehen oder noch nicht deuten können. So schrieb Lomberg 1928 im Heimatbuch, der "Haaner Geschichtsbibel":


"Nachdem der Bau vollendet war und durch den Erzbischof zu Köln die kirchliche Weihe erhalten hatte, meißelte man in den Stein über dem Eingange folgende lateinische Inschrift ein:

A venerabili archiepiscopo Wichfrido II nonas
augusti dedicata est ecclesiae in honorem sanctorum
martyrum Chrysanti et Daria Alegerus humilis
diaconus
erexit hoc oratorium


Zu deutsch:

Von dem ehrwürdigen Erzbischof Wichfried II. ist am
5. August diese Kirche eingeweiht worden zu Ehren
der heiligen Märtyrer Chrysantus und Daria. Alegerus,
ein einfacher Diakon
, hat dieses Bethaus errichtet.


Eine Jahreszahl ist nicht angegeben. Da aber Wichfried II von 925 bis 953, nach anderer Angabe von 928 bis 956 Erzbischof von Köln war, so muß die Einweihung in diese Zeit gefallen sein."

[Lomberg 1928 S. 53]

  Nur - wo steht "ALEGERUS"? - August Lomberg war Lehrer und in der Lokalgeschichte sehr bewandert, aber er war weder Forscher noch Historiker. Letzteres war aber Theodor Josef Lacomblet, von dem er den Inschriftentext samt Übersetzung übernommen hat [1854, S. 101 f]. Warum hätte Lomberg an dessen Aussage zweifeln und sich den Weihestein vor "Ort" noch einmal ganz genau ansehen sollen? Und wenn - hätte er in Unkenntnis alter Satzzeichen überhaupt Verdacht geschöpft?


Weihestein
 
Lesart von Lacomblet (1854)
Abb. bei von Roden

So sieht der Inschriftentext bei Lacomblet aus (Abb.): Er hat in Zeile 5 das hochgestellte Kreuzchen zwischen ALE und GER unterschlagen, aus einem Satzzeichen ein 'D' (DIOC) konstruiert und nebenbei auch das letzte 'I' weggelassen. Kleine, aber für die Deutung entscheidende Abweichungen.

Günter von Roden interpretierte 1951 die Inschrift folgendermaßen:

"Von dem ehrwürdigen Erzbischof Wichfried ist am 4. August diese Kirche eingeweiht worden zu Ehren der heiligen Märtyrer Chrysantus und Daria. Alegerus hat in Demut dieses Bethaus errichtet." [S. 11-13]

Er hatte feststellt, dass der von Lacomblet wiedergegebene Druckstock "nicht in allen Punkten richtig ist und seine Lesung von der oben gebrachten somit etwas abweicht." Von Roden merkt an, dass Wichfried nach Fr.W. Oediger von 924 bis 953 Erzbischof war. "Hieraus ergibt sich die ... Datierung." [S. 13]

Das Weihe-Datum ergibt sich nach v. Roden - auf für Laien kompliziert anmutende Art und Weise - so:


"II non. = secundo oder pridie nonas, beim Monat August also der 4. Tag. (Die Nonen bezeichnen im altrömischen und im mittelalterlichen Kalender den 5. Tag des Monats, im März, Mai, Juli und Oktober den 7.; II non. bedeutet den Tag davor.)" [S. 13]


 
Auch von Roden hat das Sternchen zwischen ALE und GER ignoriert und schreibt weiterhin von einem Erbauer namens "ALEGERUS".

Abzeichnung von Günter von Roden (1951)

Die detaillierte Variante zur Auflösung des Rätsels folgt später im Aufsatz von Harro Vollmar.


Auch Vollmars Ergebnisse blieben nicht unwidersprochen. Rahul Peter Das stellt 1982/83 andere mögliche Deutungs-Varianten vor und fasst die Diskussion so zusammen: "Doch sind weder die Argumente für noch gegen Vollmars Deutung eigentlich stichhaltig, sondern bewegen sich eher im Bereich der Hypothese und der Mutmaßung". [Das S. 26]


    Nachtrag 23. Juli 2015:

    Eine weitere Variante möglicher Lesarten der Weihestein-Inschrift bietet der Haaner Altphilologe Erhard Horstmann an (2015). Nach seiner Interpretation insbesondere auch der in der Inschrift verwendeten Abkürzungen und Kürzungssymbole kommt er zu folgendem Ergebnis:

    ANNO INCARNATIONIS DOMINICAE DCCCCL
    EPACTA NVLLA
    GERHARDUS, HONESTVS VIR, MILES,
    IL SEMIS LIBRIS DENARIORVM
    INDICTIONE OCTAVA
    IPSE EXSTRUXIT [HOC ORATORIVM]

    Im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 950,
    beim Frühlingsneumond am 22. März,
    hat Gerhard, ein ehrenwerter Mann, Adliger,
    mit 2 1/2 Pfund Pfennigen
    im Jahre 8 der Steuerschätzung
    aus eigenen Mitteln [dieses Bethaus] errichtet.


    Den Weg zu diesem Ergebnis hat Erhard Horstmann detailliert erläutert; die Schrift kann über den Bergischen Geschichtsverein Haan e.V. bezogen werden:

    Erhard Horstmann: Die Haaner Kirchenbauinschrift II. Neue Erkenntnisse zur Datierung der Weih- und Bauinschrift. Reihe: Beiträge zur Lokalgeschichte, Band 9. Veröffentlichung des Stadtarchivs Haan in Zusammenarbeit mit dem Bergischen Geschichtsverein Haan e.V.

    Darüber hinaus sei auch hingewiesen auf die Ausarbeitung von Andreas und Claudia Sassen: Die mittelalterliche Kirche der Heiligen Chrysanthus, Daria und Kilian zu Haan. Beiträge zur Heimatgeschichte, Bd. 15, Solingen 2014.




Die Märtyrer Chrysantus und Daria

Auf dem Weihestein werden die beiden Märtyrer Chrysantus und Daria genannt. Sie waren die Schutzpatrone der alten Haaner Kirche. Es handelte sich um ein römisches Ehepaar vornehmer Herkunft, das vom Heidentum zum Christentum übertrat und sich in der Verbreitung des christlichen Glaubens engagierte.

Nach der Legende sollen sie im Jahr 283 in Rom unter der Regierung des Kaisers Numerianus hingerichtet worden sein, da sie sich konsequent weigerten, ihrem neuen Glauben abzuschwören. Ihre Gebeine sollen anno 844 von Abt Marquard zu Prüm in das Kloster zu Münstereifel gebracht worden sein, das ebenfalls unter den Schutz dieser beiden Märtyrer gestellt wurde.

"Daß sie auch zu Schutzpatronen des weitabgelegenen Haaner Oratoriums erkoren wurden, erklärt sich wohl aus der großen Verehrung, die jene Heiligen seit der Mitte des neunten Jahrhunderts in den Rheinlanden genossen." [Lomberg 1928 S. 54] Eine einleuchtendere Erklärung fehlt bislang. 1856 nahm die katholische Kirche zu Haan Chrysanthus und Daria wieder zu ihren Schutzpatronen an.

  Die katholische Kirche in Haan



Sagen und Legenden

Die Legende

"Chrysanthus war der Sohn vornehmer, aber heidnischer Eltern, die zuerst in Alexandrien wohnten und dann nach Rom übersiedelten. Hier machte Chrysanthus die Bekanntschaft des Priesters Carpophorus und wurde von diesem zum großen Leidwesen seiner Eltern zum Christentum bekehrt. Sein Vater, der dem römischen Senat angehörte, war so erzürnt, daß er seinen Sohn in den Kerker werfen ließ.

Nachdem der erste Zorn verflogen war, sann er auf ein geeigneteres Mittel, den Sohn zur Umkehr zu bringen. Als ein solches erschien ihm die Vermählung desselben mit einer vornehmen, schönen und hoch gebildeten, aber heidnischen Römerin, mit Namen Daria. Dem beiderseitigen elterlichen Willen gehorchend, wurden Chrysantus und Daria ein Ehepaar. Allein den Eltern stand eine noch größere Enttäuschung bevor. Daria wurde auch bald eine eifrige Christin, und beide Ehegatten thaten nun ihr Möglichstes zur Ausbreitung der Lehren des Christentums.

Als kein Zureden etwas daran zu ändern vermochte, ging man mit Gewalt vor. Chrysantus wurde ins Gefängnis geworfen und mit den grausamsten Martern gepeinigt. Daria, von Chrysantus getrennt, sah sich geflissentlich und schutzlos den Versuchungen unverschämter Wüstlinge preisgegeben. Aber weder Chrysantus noch Daria ließen sich zum Abfall von ihrem Heiland bewegen, und so verurteilte man sie zum Tode. Am 25. Oktober (am 15. alten Stils) 283, unter der Regierung des Kaisers Numerianus wurden sie zu Rom gesteinigt und noch lebend in die Erde verscharret. Der Todestag des Märtyrerpaares ist seinem Gedächtnis gewidmet."

[Schneider 1900 S. 22 f]

"Die Legende erzählt, daß beide wunderbar behütet wurden. Der Frau Daria gesellte sich ein Löwe zu, der sie beschützte, daß ihr keiner zu nahe kommen durfte. Dem Chrysanthus gelang es, den Hauptmann des Gefängnisses samt seiner Familie und den Soldaten zu Christus zu bekehren. Da es niemand vermochte, sie zum Abfall zu bringen, verurteilte man beide zum Tode. [...]

Die Gebeine des Märtyrerpaares sollen von dem Papst Sergius II dem Abt Marquardt von Prüm für die Klosterkirche in Münstereifel im Jahre 844 gegeben sein. In Münstereifel hält man die Erinnerung an diese tapferen Christen wach durch ein Altarbild, auf dem beide zu sehen sind. Chrysanthus ist als Ritter in schöner männlicher Haltung dargestellt. Auf dem Kopf trägt er einen reifartigen Schmuck in Gestalt eines Blumenkranzes. In der rechten Hand hält er eine Lanze mit rotem Wimpel und in der linken eine Palme als Symbol des Martyriums. Am Bildrahmen liest man die Inschrift: 'Sanctus Crisantus'.

Daria erscheint auf dem Bild im langen Kleid und vor der Brust geschlossenem Mantel. Als Attribut hat sie in der einen Hand ein Evangelienbuch, in dem sie liest und in der anderen Hand trägt sie gleich dem Gatten eine Palme. Auf dem Kopf hat sie einen Blumenkranz, zu Füßen liegt der legendäre Löwe. Am Bildrahmen finden sich die Worte: 'Sancta Daria'. Weiter sind im Chor der Kirche große Wandgemälde, die die Legende der Märtyrer behandeln."

[Heinson S. 96-98]


Dass es auch in der alten Haaner Kirche Darstellungen der beiden Patrone gegeben hat, lässt sich aus der letzten Predigt in der alten Kirche ableiten, die am 23. August 1863 gehalten wurde. Dort hieß es: »Da (im Jahr der Reformation) wurden die Heiligenbilder aus diesem Raum geschafft - sehet da noch eine Nische, wo ein Heiligenbild stand...« Es kann sich dabei aber auch um den heiligen Kilian gehandelt haben, der ebenfalls als Schutzpatron diente.


Weiter: Der Taufstein und der sogenannte Dariakopf 


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