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Inhaltsübersicht |
Haan
Alte Häuser und Höfe |
Alte Haaner Kirche
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Was der Haaner Lokalhistoriker Harro Vollmar anlässlich der Ausschachtungsarbeiten für den Hallenbadbau in Haan herausfand, unterstreicht die historische Bedeutung der alten Kirche, brachte manche geschichtliche Rätsel einer Lösung näher und relativiert einige frühere Erkenntnisse. Der sehr lesenswerte Text wurde 1977 in der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins veröffentlicht. Darin erläutert Vollmar unter Berücksichtigung der herangezogenen Literatur, wie er zu seinen Ergebnissen und Schlussfolgerungen gekommen ist warum dies anderen - auch professionellen Forschern - nicht gelungen war. |
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Bemerkungen zur mittelalterlichen Geschichte der Siedlung Haan Von Harro Vollmar (Hier im Wortlaut wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung von Frau Edith Gerda Muthmann, 2006) "Bei den Ausschachtungsarbeiten für den Hallenbadbau in Haan, die fast an der gleichen Stelle stattfanden, wo die älteste Haaner Kirche, wahrscheinlich im 10. Jahrhdt., errichtet worden sein soll, war eine besondere Gelegenheit zu praktischer Forschungsarbeit. Die neuesten Ergebnisse dieser Forschungen gaben mir Veranlassung, sie in einem kurzen Referat zusammenzufassen.
Einziger Zeuge einer frühmittelalterlichen Geschichte war offenbar ein alter Gründungsstein, der über einen Kirchenbau berichtete, der zu Beginn des 10. Jahrhunderts irgendwo durchgeführt worden sein muß. Ich zitiere hierzu die Meinung einiger einschlägig interessierten Fachleute:
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»In der evangelischen Kirche zu Haan ist ein Stein eingemauert, dessen Inschrift besagt, daß die Kirche, aus welcher der Stein stammt, in den Jahren 924 bis 952 durch den Kölner Erzbischof Wichfried geweiht worden ist.
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Der Hildener Heimatforscher Heinrich Strangmeier schrieb schon 1951 [3]: |
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»Wir können allerdings nicht mit Bestimmtheit sagen, ob das von Wichfried geweihte Gotteshaus mit dem in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts niedergelegten Bauwerk identisch ist; denn ebenso wie 1863/64 der Inschriftenstein von der alten Kirche übernommen und in die Sakristei der neuen eingemauert wurde, wäre es denkbar, daß der Stein aus dem Bethaus des 10. Jahrhunderts in einen späteren Neubau hinübergewandert ist. Wenn man der offenbar von stilkritischen Erwägungen bestimmten Vermutung Paul Clemens [4], daß die 1865 abgebrochene Haaner Pfarrkirche 'wohl erst im 11. Jahrhundert erbaut' worden sei, beipflichten wollte, käme man an der Annahme einer solchen Wiederverwendung des Steins nicht vorbei.« |
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Noch am 5. Februar 1970 schrieb mir Herr Dr. Dr. Günther Binding, damaliger Leiter der Bezirksstelle Niederrhein im Rheinischen Landesmuseum Bonn, heute Professor für Architektur am Kunsthistorischen Institut der Universität Köln: »Eine archäologische Untersuchung im Bereich der alten Kirche zu Haan ist von besonderer Bedeutung, zumal die erhaltene Inschrift einer Deutung bedarf«.
Verwundert ist man zunächst ob der fehlenden Jahreszahl.
Auf die Folgerungen aus diesem Problem werden wir noch zu sprechen kommen. Diese Interpretation von Rodens wäre auch belanglos, wenn es ihn bei der weiteren Übersetzung offenbar nicht bewogen hätte, recht frei zu übersetzen, teils in der Meinung, Fehler kompensieren zu müssen. Zugegeben, die 5. und 6. Zeile der Inschrift sind problematisch. Lateinisch könnte man sie lesen wie:
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»...einige Kürzungsstriche, die völlig sinnlos angebracht sind und das I am Ende der 5. Zeile, das keinerlei Sinn hat. Unklar in Lesung und Bedeutung sind die Buchstaben in der 5. Zeile, die Lacomblet mit DIOC auflöst. IOC ist zweifellos zu lesen, aber das erste ist kein D, höchstens die Andeutung eines solchen.
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Auch andere bemerkten diese erzwungen scheinenden Widersprüche in den Lesarten Lacomblets und von Rodens. Deshalb schlug Helmut Dahm 1954 [9] eine andere Interpretation vor unter der Feststellung, daß Günter von Rodens Lesart nicht viel überzeugender als die Lacomblets sei, da sie wie diese von der Überzeugung ausgehe, daß das in den übrigen Zeilen durchaus korrekte Kürzungssystem mit seinen stets am rechten Ort angebrachten Kürzungsstrichen in dieser einzigen Zeile versagen soll...
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»Wenn der Strich über HV nicht sinnlos sein soll, muß an dieser Stelle gekürzt worden sein, es wäre naheliegend, hier das aus der Antike noch lebendige Ehrenprädikat honestus oder honorabilis vir, u.U. auch humilis vir zu setzen. Übrigens handelt es sich dabei um Prädikate, die im Laufe des Mittelalters mehr und mehr auf den Klerus spezialisiert wurden: honorabilis war seit der Stauferzeit das typische Prädikat der Stiftskanoniker, honestus bezeichnet neben dem gehobenen Mittelstand vor allem die Pastoren, und humilis läßt schon im frühen Mittelalter einen Geistlichen vermuten. So überrascht es nicht, daß nun mit MIIS. DIOC die Diözese angegeben wird, in der Alegerus bepfründet ist: Die Schreibweise läßt die Deutungen Münster (Mimigerne vordensis) und Minden (Mindensis) zu.
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Soweit Helmut Dahm. In Deutsch würde seine Formulierung also lauten:
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Sämtliche Interpreten der Haaner Kircheninschrift übernahmen alle die Meinung Lacomblets, ein gewisser 'ALEGERUS' sei Erbauer der Kirche gewesen. Die Veröffentlichungen darüber sind inzwischen unübersehbar, auch überregional. Sogar Vermutungen darüber wurden angestellt, wer dieser Alegerus war, bis hin zu Einzelheiten.
Anläßlich eines Gespräches zwischen den Herren Professoren Dr. Herbert Kühn, Mainz und Henry Schaefer-Simmern, Berkeley, über die Haaner Schläfenringfunde aus Bronze am 'Alten Kirchplatz' (auf die ich noch zu sprechen kommen werde), ließ mir Professor Kühn durch Professor Schaefer-Simmern im September 1975 folgendes mitteilen:
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Schädel mit Bronzeband, aufbewahrt in Haus Stöcken. Foto © Dirk Westerweg, 2006 |
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"Die vorindustrielle Geschichte der Siedlungen des Bergischen Landes ist mangels Urkunden und mangels archäologischer Grabungsergebnisse leider noch zu unklar. Noch kann nicht als gesichert gelten, ob das etwa 1000 Jahre alte, im Posener Museum aufbewahrte Schwert mit der Inschrift 'SIMENHUIS' tatsächlich aus dem Oberhaaner Hof Simonshaus stammt, der schon in Urkunden des Mittelalters erwähnt wird [14] [15].
Ausgerechnet Lacomblet beging 1866 den Flüchtigkeitsfehler, die bedeutende Stadt Hagen in Westfalen mit unserem Haan zu verwechseln [16].
Auf einen früher wirksam gewesenen Einfluß Gerresheims auf Haan deutet auch eine andere Urkunde.
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»Zu den ältesten Kanonissenstiften im Bereich der alten Erzdiözese Köln gehört ... auch das Stift Gerresheim. Dessen Existenz ist für das Jahr 905/906 eindeutig urkundlich erwiesen. Sein Gründungsjahr ist nicht überliefert, es kann aber mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß Gerresheim als hochadeliges Stift in der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts von dem fränkischen Adeligen Gerrich gegründet und auf der Kölner Synode im September 870 bestätigt worden ist.
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Soweit Hugo Weidenhaupt. Was er nun weiter berichtet, ist in der Schlußfolgerung gelegentlich unsicher, denn irgendetwas fehlt:
Mit unserem Wissen von heute können wir die Frage stellen, ob nicht etwa die Gerresheimer Kanonissen in der Zwischenzeit in Haan residiert haben. Vielleicht hat man sich, da die Ungarngefahr bis zur Schlacht auf dem Lechfelde 955 noch nicht vorüber war, in den Schutz der bergigen Wälder und Sumpfniederungen Haans geflüchtet, zumal hier ein Teil des ländlichen Besitzes der Gerresheimer war. Hier war man, im Gegensatz zu Köln, inmitten von Menschen, die sich der Gerresheimer Kirche durch Wachszinsigkeit freiwillig Untertan gemacht hatten.
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»Die Stiftsdamen oder Canonessen verdienen eine besondere Aufmerksamkeit, weil sie in mehreren Punkten von den Klosterfrauen verschieden sind.
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Vom frühen Mittelalter an bis 1585 nahm das Damenstift Gerresheim nur Mitglieder des hohen Adels auf [23]. Das waren im wesentlichen demnach die deutschen Fürstenfamilien, die ihre Töchter oder Witwen in die wohlabgeschiedene Sicherheit der Siedlung Haan gegeben haben müssen: Kurfürsten, Herzöge, Grafen, Erzbischöfe, Bischöfe, und, wer weiß, vielleicht auch Könige.
Urkunden über die Größenordnung des Klosters Gerresheim sind relativ jung. Im Jahre 1208 hatte Gerresheim 26 Damen und 4 Kanoniker im Stift [23]. Diese recht kleine Gruppe gibt einen Hinweis darauf, daß es sich bei den wenigen Hochadelstiften jeweils um recht exklusive Kreise gehandelt haben muß. Da die Gerresheimer Stiftsdamen Haan etwa nach der Mitte des 10. Jahrhunderts wieder verlassen hatten, sei es durch Aufgeben dieses Standortes oder durch Tod, bestand die Möglichkeit zu einem Wechsel der Mutterkirche.
Die adeligen Geschwister bauten hier in Haan eine Art Stiftskirche. Nur so ist der Grundriß der Kirche, der bisher in den Aufriß der vergleichbaren Kirchen der Nachbarschaft nicht einzuordnen war, zu erklären. Das Gutachten des leitenden Archäologen, des Direktors der Außenstelle Xanten im Rheinischen Landesmuseum Bonn, Dr. Dirk Soechting, ist noch in der Bearbeitung, zum Teil auch aus eben diesen genannten Problemen, wie mir mitgeteilt wurde.
Wir können jetzt wohl davon ausgehen, daß die Geschwister Adalburga, Lantswinda und Ewerwin recht begütert waren. Aber eine noch wichtigere lokalhistorische Erkenntnis ist, daß Haan wohl niemals eine Nebenstelle von Hilden gewesen sein kann, wie bisher m.E. in vielen geschichtlichen Abhandlungen kritiklos dargestellt wurde."
Mit der Feststellung, daß Adalburga, Lantswinda und Ewerwin von Gerresheim die Erbauer der Haaner Kirche sein mußten, wollte ich mich alleine nicht zufriedengeben. Der letzte Teil der Haaner Kircheninschrift war wieder relativ klar und paßte auch zum Plural des Personenkreises:
Das nun folgende Zeichen ist nach Binterim [31] ein klares Satzzeichen, einer arabischen 6 ähnelnd, also nur ein Trennungszeichen. Dieses Satzzeichen hat bisher bei allen Interpreten heillose Verwirrung gestiftet, weil man es mit Gewalt als Buchstaben ansah, anfänglich auch bei mir. Dabei hat gerade dieser Irrtum alle abgelenkt von der köstlichen Perle, die direkt dahinter steht, nämlich die 3 Buchstaben IOC. In den erwähnten alten Urkunden sind meist mehrere Jahreszahlen angegeben, z.B. das Jahr der Regierung des Königs, das Jahr der Geburt Christi, und dann das Jahr der Indiktion.
geteilt durch 15
Der Rest der Zähler von Fünfzehnteln ergibt die Indiction. Im umgekehrten Verfahren ergibt sich danach für die Gründung der Haaner Kirche die Jahreszahl 935, da Wichfried etwa von 923 bis 953 Erzbischof war [34].
Zusammenfassend können wir damit endlich feststellen, daß für Haan nun eine früheste chronologische Ersterwähnung vor der Jahrtausendwende existiert: 935, das letzte Regierungsjahr König Heinrich I., des Städtegründers. Unsere Städte in Deutschland pflegen von solch einer Jahreszahl das Datum ihrer Begründung abzuleiten. Diese entscheidenden letzten Zeilen in der alten Haaner Kirchen-Inschrift lauten, ins Deutsche sinngemäß übersetzt, nach meiner Meinung:
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Quelle: |