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Haan      Alte Häuser und Höfe     Einführung / Quellen    Übersicht A-Z


Backesheide

Die "Backesheid" erscheint 1715 in der Landkarte von Erich Ploennies. Sie liegt südöstlich der Bollenheide, nicht weit vom Solinger Ortsteil Fürkeltrath.

1808 ist in der Grundaufnahme von Haan in der oberen Honschaft unter den lfd. Nrn. 55-57 "Backesheyde" erfasst mit den Eigentümern Joh. Kirberg, Engel Kirberg und Wittib Wilh. Kirberg.




Bahnhofstraße: Brükelchen

Diese Siedlungsgruppe befand sich an der Bahnhofstraße gegenüber der Einmündung Eisenbahnstraße, um die frühere Gaststätte Jägerhof. Der Hof (auch Brükelschen, Brüggelchen u.ä.) ist in der Ploennies-Karte von 1715 eingezeichnet, jedoch ohne Angabe des Namens. Erwähnt ist der Name 1731 in der Huldigungsliste als "Brugelgen". In der Hofacker-Karte von 1898 erscheint er nicht.




Bahnhofstraße 11: Weberhaus

Dieses verschieferte Fachwerkhaus stand an der nördlichen Seite der Bahnhofstraße kurz vor der Einmündung Böttingerstraße. Hier arbeitete Wilhelm Just als einer der letzten Haaner Handweber noch im hohen Alter von 80 Jahren bis 1949 an seinem Webstuhl. - Das Grundstück ist zurzeit (2007) nicht bebaut.


Haan
 
Ehemaliges Weberhaus
an der Bahnhofstraße.
Bild-Quelle: Fam. Ostermann




Bahnhofstraße 43: Schule, Arbeitsamt

Nachdem die katholische Schule anfangs ihren Unterricht im Gebäude Bahnhofstraße 73 abgehalten hatte, erhielt sie 1862 das Gebäude Bahnhofstr. 43. Die Schule war zunächst einklassig, zuletzt sechsklassig. Das Gebäude wurde später als Berufsschule und noch später (1970er Jahre bis ?) als Arbeitsamt genutzt. Heute (2007) sind dort das DRK und die Geschäftsstelle der Haaner CDU zu finden.

  Über Schulen und Lehrer im alten Haan


Haan
 
Bahnhofstraße 43



Bahnhofstraße 73: Haus zum Dorn

Schon 1410 wird Haus oder Hof zum Dorn im Hühnerzinsregister für das Ritterhaus Horst in Hilden erwähnt. 1715 ist der Hof "Dorn" in der Ploennies-Karte eingezeichnet.

Das bis zuletzt als Gastwirtschaft genutzte Haus wurde 1985 unter Denkmalschutz gestellt. Die Gründe lagen offenbar weniger in dem hohen Alter des Hofes als in der Haaner Kirchen- und Schulgeschichte. Nach älteren Quellen
-  kaufte die katholische Gemeinde 1856 das Haus, um dort im Hinterhaus ihre erste Kapelle einzurichten.
-  wurde ab 1858 ein Zimmer des Haupthauses als erste katholische Schulstube benutzt.

Später diente das alte Fachwerkgebäude als Wirtshaus. Wie bei Kohl nachzulesen ist, haben Maria und Peter Krahwinkel die Gaststätte "Zum Dorn" 1904 erworben. Vom 01.01.1934 bis zum 15.05.1969 wurde sie von Max Krahwinkel geführt. [S. 69 f]

Da das Gebäude der geplanten Begradigung der Trasse der Bundesstraße B 228 im Wege stand, sollte es abgerissen werden. Nachdem man bei neuerlichen, zielgerichteten Nachforschungen zu dem Ergebnis gekommen war, dass sich die beiden oben genannten Einrichtungen gar nicht im Haus zum Dorn, sondern in einem Gebäude an der Luisenstraße befunden haben sollen, wurde das Haus aus dem Denkmalschutz entlassen und 1994 (?) abgebrochen.


Haan
 
Haus zum Dorn, Bahnhofstr. 73,
vor 1990
Bild-Quelle: Stadtarchiv Haan


Haan
 
Bahnhofstraße mit Blick Richtung Innenstadt.
Rechts die um 1956/57 abgebrochene alte katholische Kirche.
In der Bildmitte gegenüber der Einmündung der Kölner Straße (rechts) das Haus zum Dorn.
Bild-Quelle: Stadtarchiv Haan




Denkmal oder nicht?

Es spielt heute keine Rolle mehr, das alte Fachwerkhaus ist längst nicht mehr da. Trotzdem bleibt die Geschichte ein bisschen rätselhaft. Mir stehen dazu leider nur die folgenden Quellen zur Verfügung, von denen Manfred Baldus (1959) etwas ausführlicher berichtet. Man könnte die einzelnen Aussagen - je nach Bedarf - als auslegungsfähig bezeichnen und sich das jeweils Passende heraussuchen:


"Das Rektorat Haan [der römisch-katholischen Gemeinde] besteht seit 1856. Die beiden ersten Rektoren bewohnten bis 1869 das Haus an der östlichen Ecke der Bahnhof- und Luisenstraße, dessen Anbau zugleich als Kapelle und Schulsaal diente." [Schneider 1900 S. 289]

  Das "Haus an der östlichen Ecke der Bahnhof- und Luisenstraße" ist aber nicht das Haus zum Dorn. An der beschriebenen Ecke steht das unten Abgebildete (1856 noch nicht vorhanden). Zwischen diesem und dem Haus am Dorn standen mehrere andere Häuser. Hat Schneider es nicht so genau genommen, oder meinte er ein anderes Haus?


"Aus den bereitgestellten Geldern wurde das Haus des Abraham Huhn, am Dorn gelegen, angekauft. Das Hintergebäude, das früher als Backstube benutzt worden war, wurde notdürftig als Kapelle eingerichtet. Im Jahre 1856 waren die Vorbereitungen so weit getroffen, daß die Kapelle eingeweiht werden konnte." [Lomberg 1928 S. 222]

  Ob das Haus des Herrn Huhn, am Hof Dorn gelegen, die spätere Nr. 73 war, ist daraus allein nicht ersichtlich. (Aufklärung könnte das Grundbuch verschaffen.)


"[...], 1856, bot Abraham Huhn sein Haus 'Am Dorn', Bahnhofstraße 65, zum Verkauf an. Die Gemeinde erwarb das Gebäude, das besonders wegen seiner zentralen Lage 'im Dorf' für seelsorgerische Zwecke geeignet war. Das Hinterhaus, einstmals eine Backstube, wurde noch im selben Jahr zu einer kleinen Kapelle hergerichtet; im Vorderhaus fand der Ortsgeistliche, später auch der Lehrer eine Wohnung. [...]

Mit unermüdlichem Fleiß machte [...] [der Pfarr-Rektor Friedrich Leopold Korten] die kleine Kapelle 'Am Dorn' zu einem Mittelpunkt religiösen Lebens. [...] Das Zimmer in der Rektorwohnung war bald als Klassenraum zu eng. Man verlegte deshalb den Unterricht vorerst in die Kapelle und begann mit der Ortsbehörde Verhandlungen über den Bau einer katholischen Schule. [...]

Mit dem Dorf [...] wuchs auch die katholische Gemeinde. Bei den Sonntagsmessen in der Kapelle 'Am Dorn' fand nur noch die Hälfte aller Kirchenbesucher in dem kleinen Raum Platz. Da keine Erweiterungsmöglichkeiten bestanden und das Haus schon baufällig war, brauchte die Pfarrei eine neue Kirche. [...] Als der Kulturkampf vorüber war (1880), verkaufte der Rektor das alte Haus 'Am Dorn' [...]." [Baldus 1959 S. 139]

  Das Haus ist eindeutig bezeichnet. War die Nr. 65 = Nr. 73? Umfasste der Hof 'Dorn', der sich bis zur Luisenstraße und darüber hinaus erstreckt haben könnte, damals noch mehr als dieses eine Wohngebäude? Auf der Hofacker-Karte von 1898 sind an der Stelle mehrere Gebäude eingetragen, aber kein Hof 'Dorn'.


"Im Jahr 1856 wurde für die kleine Haaner Gemeinde der Katholiken als Notbehelf die erste Kapelle nach der Reformation in der ehemaligen Backstube im Hinterhaus errichtet. 1858 eröffnete man sogar die erste nachreformatorische katholische Schule in einem Zimmer des Haupthauses im Hof zum Dorn." [Vollmar, Häuser und Höfe]

  Erstmals ist von einem 'Haupthaus' die Rede. Ansonsten wird Vollmar sich auf die früheren Quellen bezogen haben.


"Anton Schneider berichtet über die erste nachreformatorische katholische Kirchengemeinde in Haan, nachdem offenbar die wenigen Katholiken in Haan ab 1808 sich nach Hilden orientieren mußten: »Das Rektorat (der römisch-katholischen Gemeinde) Haan besteht seit 1856. Die beiden ersten Rektoren bewohnten bis 1869 das Haus an der östlichen Ecke der Bahnhof- und Luisenstraße, dessen Anbau zugleich als Kapelle und Schulsaal diente.« (Anm. d. Verf.: Das ist der ehemalige Hof zum Dorn, heute Gaststätte zum Dorn, Bahnhofstraße 73.)." [Vollmar 1991 S. 59]

  Diese Anm. d. Verf. würde ich so nicht unterschreiben, wie schon oben beim 'Zitat Schneider' angemerkt.


Haan
Luisenstr. 2, Baujahr 1907: Die östliche Ecke Luisenstraße / Bahnhofstraße (1980), bevor dort ein Schnellimbiss einzog.
 
Haan
Ein vergleichbarer Blick wie oben im Dez. 2005. In der Bildmitte der Turm der "neuen" katholischen Kirche. An der Stelle des Hauses zum Dorn und der kleinen Gebäude links daneben stehen große Wohn- und Geschäftshäuser. Nach einem weiteren Haus links folgt die Einmündung der Luisenstraße (Foto links).


Quellen:
  • Baldus (1959)
  • Kohl (2003)
  • Lomberg (1928)
  • Ostermann, Elke (2007)
  • Schneider (1900)
  • Strangmeier (1951)
  • Vollmar, Häuser und Höfe
  • Vollmar (1991)

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    20.06.2002, zuletzt aktualisiert 01.10.2008