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Das Haaner Stadtwappen

"Im silbernen Feld ein schwarzer rotbewehrter Hahn in kämpfender Stellung.
Vorn im Schildfuß eine einzelne Feder.

Entwurf: Wolfgang Pagenstecher.
Verliehen: 29.4.1937.

Der bereits vom 10. Jh. ab in verschiedenen Formen belegte Ortsname ist vom Hain oder Hagen, dem Begriff des Umhegten, Befestigten, abzuleiten. Da das Schöffensiegel vom 17.8.1556 (StA.D.: Jülich-Berg Nr. 2262) der vereinigten Gerichte von Hilden und Haan den Hildener Pfarrpatron St. Hippolytus als Symbol führt und die Ueberlieferung des Siegels der einstigen romanischen Kilianskirche von Haan nicht hinreichend gesichert ist, wurde ein redendes Wappen, und zwar nicht ein Hagendorf, sondern auf Grund der Volksethymologie ein Hahn gewählt. Der 'Bergische Kräher' gilt als Sinnbild des kampfesfrohen Geistes der Bürger für die Interessen der Heimat."

[Düsseldorfer Jahrbuch S. 231]


Der folgende, mit einigen Details gewürzte Artikel über die Entstehung des Haaner Stadtwappens stammt aus dem lesenswerten Buch "Haan vom Kaiserreich zum Nationalsozialismus" von Reinhard Koll. Interessant scheint mir in der Diskussion um das Wappen insbesondere die Argumentation des Heraldikers Pagenstecher für den Hahn als Wappentier.


Verleihung der Stadtrechte und eines Wappens

Nach dem Krieg gingen die Haaner erneut zielstrebig daran, um die Verleihung der Stadtrechte nachzusuchen, wie es bereits Ende des 19. Jahrhunderts zweimal der Fall gewesen war.

Die preußische Staatsregierung hatte 1889 und 1892 dem Gemeinderat erklärt, daß an eine Gewährung [der Stadtrechte] nicht zu denken sei, obwohl Kreis- und Provinziallandtag dafür gestimmt hatten. Warum sie ablehnte, bleibt unklar. Am 16. Juni 1893 erklärte der Oberpräsident in Koblenz dem Regierungspräsidenten, daß der Minister die Verleihung der Stadtrechte noch nicht für angebracht halte.

Eine Haaner Delegation, die zu diesem Zweck in Berlin vorstellig geworden war, verfügte nicht über entsprechende Kleidung (Zylinder, Frack oder Gehrock), um vom zuständigen Minister protokollgerecht empfangen zu werden, so daß sie sich erst in einem Verleihgeschäft die vorgeschriebene Garderobe ausborgen mußte.

Am 12. Mai 1919 faßte der Gemeinderat einstimmig den Beschluß, wohl wegen der weiter zugenommenen wirtschaftlichen Bedeutung ... abermals um die Einräumung der Stadtrechte vorstellig zu werden. Bürgermeister Richard Gläßner sowie die Gemeindeverordneten vom Eigen, Leber und Schumacher wollten dem preußischen Innenminister ihre dahingehenden Wünsche vortragen, was auch am 2. Dezember geschah, als dieser in Essen weilte, um die besetzten Rheinlande zu besuchen.

Die Vorstellung, allerdings ohne den erkrankten Bürgermeister, hatte Erfolg. Am 15. Februar 1921 wurden der Landgemeinde nach einem Erlaß des zuständigen Ministeriums vom 12. Februar zusammen mit Vohwinkel die Stadtrechte verliehen. Näheres über die Hintergründe ist nicht bekannt. Haan bedankte sich offiziell vor allem bei dem Brennereibesitzer Wilhelm Hoppenhaus, der sich 30 Jahre lang in dieser Angelegenheit eingesetzt hatte.

[...] Zwei Jahre nach der Stadtwerdung tauchten erste Anregungen auf, der neuen Stadt ein Wappen zu verleihen.

Entwürfe waren genug vorhanden. Die einen wollten eine Eiche oder Buche, andere einen Hahn abgebildet sehen, bis sich auch der bekannte Düsseldorfer Kunstmaler und Heraldiker Pagenstecher für den Vogel entschied. In der Lokalzeitung wandte er sich direkt an die Bevölkerung und verteidigte das Wappentier, obwohl es etymologisch falsch war. Er verwies auf den Namen der bekannten Firma Schwarze und Hahne und deren Firmensymbol, einen "Hahnen", unter dessen Zeichen "viele hundert Bürger" Arbeit und Brot gefunden hätten. Zwei Wochen später nahm ein anonymer Leser vehement dagegen Stellung mit dem Hauptargument, daß auch der "Erbfeind" Frankreich dieses Tier als Symbol benutze.

Ab Sommer 1927 waren zu diesem Fragenkreis auch zahlreiche Entwürfe interessierter Bürger in der Buchhandlung Wölfer ausgestellt.

Gegen den Hahn sprach allerdings die Herkunft des Wortes. Der Ortsname ist abgeleitet von Hag, oder auch Hagen, also Umhegtem mit Wald oder Hecke. Hier wäre ein Baum korrekt am Platz. Dagegen sprachen Volkstümlichkeit, lautliche Übereinstimmung, Einprägsamkeit, Originalität und Erkennbarkeit als Siegel eindeutig für den "bergischen Kräher", zumal er auch den Kreis Niederberg symbolisiert und den kampffrohen Geist der Bevölkerung zum Ausdruck brachte, wenn es darum ging, Haaner Gebiet gegen Eingemeindungswünsche der Nachbarn - die kommunale Neugliederung warf ihre Schatten voraus - zu verteidigen.

Die Ereignisse zu Beginn des Jahres 1933 blieben vorübergehend nicht ohne Einfluß auf Gestaltung und Symbolik des Wappens. Zwei prominente Haaner wiesen in Eingaben an Bürgermeister Adrian auf die Zeichen der neuen Zeit hin. In seinem Brief vom 20. Oktober 1933 wollte ein Kaufmann, der sich viel mit Heraldik beschäftigt und auch bei der Gestaltung des neuen Wuppertaler Stadtwappens mitgewirkt hatte, "das glückverheißende Hakenkreuz" im Wappen verewigt sehen. In einem Schreiben vom 23. November 1933 berief sich ein Brennereibesitzer auf die Stelle in Hitlers "Mein Kampf", wo der "Führer" den Symbolgehalt von Fahnen und Standarten beschrieb. Von Wappen war dort allerdings nicht die Rede. "Folgen wir seinen Winken auch in diesen Belangen", resümierte er die Wappenfrage.

Seit November 1936 repräsentiert der Hahn ohne NS-Symbole das offizielle Emblem.

[Koll S. 22-24, Quellenverzeichnis S. 290]




Über die Bürgermeisterei Haan

Bürgermeisterei Haan

von Harro Vollmar

Im französisch besetzten "Großherzogtum Berg" wurde eine neue Kommunal-Organisation durchgeführt. Unter der Bezeichnung "Mairie Haan" wurden danach die Gemeinden Ellscheid, Gruiten, Haan, Millrath (Hochdahl), Obgruiten und Schöller zu einer Großgemeinde zusammengefaßt.

Chef dieser Großgemeinde war der Haaner Bürgermeister. Im Jahre 1817, inzwischen unter preußischer Verwaltung, wurde dieser Großgemeinde noch Sonnborn (mit Vohwinkel) hinzugefügt. Bürgermeister war immer noch der Haaner Johann Friedrich Schmachtenberg. Die Großgemeinde hieß nun "Bürgermeisterei Haan".

Erst 1867 wurde Sonnborn (mit Vohwinkel) wieder ausgemeindet und zur selbständigen Bürgermeisterei erklärt. Zwischen 1880 und 1885 erfolgte dann intern der Zusammenschluß der beiden Gemeinden Haan und Ellscheid innerhalb der Bürgermeisterei Haan.

Im Jahre 1894 fand dann eine Aufteilung der Bürgermeisterei Haan ihren Abschluß in der Loslösung von Haan aus der Großgemeinde, begründet durch einen Antrag zum Erwerb der Stadtrechte nur für das Gebiet der ursprünglichen Gemeinde Haan (mit Ellscheid).

Der preußische Landtag entschied die Errichtung einer "Bürgermeisterei Gruiten" unter Einschluß der Gemeinden Schöller, Gruiten, zum Teil Obgruiten und Millrath (Hochdahl). Dennoch erhielt die Gemeinde Haan nach wie vor keine Stadtrechte, und außerdem wurden große Teile von Oberhaan (die immerhin wohl fast 1000 Jahre zu Haan gehört hatten) den Bürgermeistereien bzw. Gemeinden Vohwinkel und Gruiten zugeschlagen.

Oberhaan reichte bis dahin etwa zur heutigen Linie Osterholz - Kaiserplatz Vohwinkel - Kluser Höhe Vohwinkel. Die neue Grenze im Osten der Gemeinde Haan führte mitten durch den heutigen Verschiebebahnhof Vohwinkel, östlich des Gutes "Zur Linden". Haan erhielt zwar die Stadtrechte am 15.2.1921, aber dennoch wurden weitere Gebiete von Oberhaan bei den Um- und Eingemeindungsaktionen des Jahres 1929 erneut abgetrennt.

Seitdem verläuft die Grenze gegenüber Wuppertal etwa westlich Kinderbusch, Bolthausen und Wibbelrath, gegenüber Gruiten (d.h. nur bis zur Vereinigung der Stadt Haan mit der Gemeinde Gruiten im Jahre 1975) südlich Windfoche.




Die Haaner Bürgermeister

      1813 -    10/1821  Johann Friedrich Schmachtenberg (1808-1813 Maire)
   10/1821 -    01/1823  Ludwig Pithan
   01/1823 -    08/1826  Peter Wilhelm Feldhoff
   09/1826 -    05/1834  Friedrich Wilhelm Scharwitz
   06/1834 -    05/1855  Karl Wilhelm Schnittert
   06/1855 -    08/1855  (verschiedene Beigeordnete als Beamte
                         des Civilstandes der Bürgermeisterei Haan)

   09/1855 -    08/1867  Heinrich Bilcken
   09/1867 -    03/1868  Gottwald Hirsch, commis. Bgm.
   03/1868 -       1892  Gottwald Hirsch 
      1892 -       1896  Karl Böning 
      1896 - 14.08.1903  Karl Czettritz
14.08.1903 - 14.12.1903  Regierungsreferendar von Laer
14.12.1903 -       1910  Wilhelm Thiemann (aus Barmen, † 1914 gef. Frankreich)
      1910 -       1920  Richard Gläßner  (aus Höhscheid)
      1921 -    09/1930  Ernst Heßmann    († 05/1934) 

15.01.1931 - 13.12.1944  Oskar Adrian           parteilos (* 1891, † 13.12.1944) 
17.04.1945 - 18.02.1946  Paul Schnabel
19.02.1946 - 18.07.1946  Otto Höhn              CDU
19.07.1946 - 03.10.1946  Max Streppel           SPD
04.10.1946 - 15.11.1948  Alfred Berrenberg      CDU
16.11.1948 - 01.12.1949  Dr. Albert Alteköster  SPD
02.12.1949 - 30.11.1950  Hans Rieth             CDU

01.12.1950 - 08.11.1956  Heinrich Raeder        FDP
09.11.1956 - 29.03.1961  Gustav Kampmann        SPD
30.03.1961 - 04.04.1963  Franz Niepel           CDU
05.04.1963 - 12.10.1964  Theodor Stozno         SPD
13.10.1964 - 29.06.1977  Franz Niepel           CDU       († 23.10.1992)
30.06.1977 - 24.02.1986  Friedhelm Rüffer       CDU
25.02.1986 - 31.10.1997  Renate Spethmann       CDU
01.11.1997 - 13.10.2004  Martin Mönikes         CDU
14.10.2004 -             Knut vom Bovert        parteilos

[Stadtarchiv Haan]


Unterschrift von Joh. Friedrich Schmachtenberg (1808-1821) auf der Sterbeurkunde für Anna Margretha Stöker, gestorben 1812 in Gruiten, auf dem Werth.
 

Unterschrift von Karl Wilhelm Schnittert (1834-1855) auf der Sterbeurkunde für Abraham Mutz, gestorben 1853 in Wieden, Sonnborn.


Schnittert
Karl Wilhelm Schnittert
(1834-1855)
Bilcken
Heinrich Bilcken
(1855-1867)
Hirsch
Gottwald Hirsch
(1867-1868 commis. Bgm.; 1868-1892)
Boening
Karl Böning
(1892-1896)

Czettritz
Karl Czettritz
(1896-1903)
Thiemann
Wilhelm Thiemann
(1903-1910)
Gläßner
Richard Gläßner
(1910-1920)
Heßmann
Ernst Heßmann
(1921-1930)

Adrian
Oskar Adrian, parteilos
(1931-1944)
Schnabel
Paul Schnabel
(1945-1946)
Höhn
Otto Höhn,
CDU (1946)
Streppel
Max Streppel,
SPD (1946)

Berrenberg
Alfred Berrenberg,
CDU (1946-1948)
Alteköster
Dr. Albert Alteköster,
SPD (1948-1949)
Rieth
Hans Rieth,
CDU (1949-1950)
Raeder
Heinrich Raeder,
FDP (1950-1956)

Kampmann
Gustav Kampmann,
SPD (1956-1961)
Niepel
Franz Niepel,
CDU (1961-1963,
1964-1977)
Stozno
Theodor Stozno,
SPD (1963-1964)
Rüffer
Friedhelm Rüffer,
CDU (1977-1986)

Spethmann
Renate Spethmann,
CDU (1986-1997)
Mönikes
Martin Mönikes,
CDU (1997-2004)
Mönikes
Knut vom Bovert,
parteilos (ab 2004)

Die Abbildungen der Haaner Bürgermeister hat das Stadtarchiv Haan zur Veröffentlichung auf dieser Webseite zur Verfügung gestellt, soweit nicht anders gekennzeichnet.


Quellen:
  • Düsseldorfer Jahrbuch (1947)
  • Koll (1994)
  • Stadt Haan (1959)
  • Stadtarchiv Haan, E-Mails 27.02.2007 und 20.05.2008
  • Vollmar, Häuser und Höfe

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