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Diverse / Exkurse
Kirchenbauten im Bergischen Land


Kirchenbauten im Bergischen Land (NRW)


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Zur Einführung

Bei meinen Ausflügen in die bergische Umgebung kommen - auch als Nebenprodukt der Familienforschung - immer mal wieder Kirchen oder auch nur Kirchtürme mit aufs Bild. Diese Fotos waren der Grundstock einer unsystematischen "Kirchen-Sammlung", die inzwischen auch Bauten aus den 1950er und 1960er Jahren umfasst. Die bildliche Gegenüberstellung der architektonischen Unterschiede ist m.E. ganz reizvoll und war Hintergedanke dieser Sammlung, die zunächst einmal meiner eigenen Orientierung dienen soll(te).

Die Erläuterungen sind daher stichwortartig knapp gehalten; ausführliche Informationen gibt es meist an anderen Stellen, zumal sich inzwischen auch die Wikipedia-Autoren des Themas angenommen haben. Gleiches gilt für die Architekten.

Erfasst sind auf meiner Website die meisten Solinger Kirchenbauten. Darüber hinaus ist die Auswahl eher zufällig und unabhängig von der architektorischen, (kunst-)historischen oder sonstigen Bedeutung des Bauwerks. Auch wird die regional-geographische Eingrenzung "Bergisches Land" großzügig ausgelegt.

Es geht mir an dieser Stelle um Gebäude und deren Architektur, nicht um die jeweilige Gemeindegeschichte. Das wäre wiederum ein anderes Thema.

Nicht selten sind bei Kirchen, deren Ursprung bis ins frühe Mittelalter zurückgeht, noch die mächtigen alten Türme erhalten, während die Kirchenschiffe und Turmhauben im Laufe der Zeit erneuert wurden. Das spricht für eine solide Bauweise. Insbesondere im frühen Mittelalter dienten Kirchtürme nicht nur als Aussichtspunkt z.B. für die Brandüberwachung des Ortes, sondern auch als Wehrtürme. Die Schießscharten sind häufig noch zu sehen.

Nachdem insbesondere seit Beginn der Industrialisierung viele für die wachsenden Gemeinden zu klein gewordene Kirchen durch größere ersetzt, im zerstörte Kirchen erneuert und - bis in die 1960er Jahre - zusätzliche gebaut worden waren, geht der Trend seit den 1980er Jahren in die andere Richtung.

Etliche Sakralbauten sind inzwischen angesichts der großen Leere in ihnen und in den Kassen keine mehr. Sie wurden umgewidmet und anderen Zwecken zugeführt: als sog. Eventkirche, Konzertsaal, Ausstellungs- und Kulturraum, Bildungsstätte, Café, Altersheim oder Wohnhaus. Vergleichbares dürfte es in Westdeutschland seit der Säkularisation nicht mehr gegeben haben. Meist immer noch besser als ein Abriss - wenn das die Alternative wäre.

Beim Vergleich der aktuellen mit alten Abbildungen fallen teilweise gravierende Veränderungen ins Auge. Viele Kirchen wurden im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt oder zerstört und später in sehr viel schlichterer, provisorisch wirkender und im Inneren "spartanisch-puristischer" Form wieder aufgebaut. Dies hatte zum einen ökonomische Gründe: Geld, Material, geeignete Architekten und Handwerker waren knapp. Es geschah aber auch mit voller Absicht: Bescheidenheit sollte die Architektur der Nachkriegszeit bestimmen, ästhetische Ansprüche wurden bewusst auf ein Minumum reduziert. Soviel Nüchternheit war nicht immer im Sinne der Gemeinde.

Hinzu kam, dass Kirchenarchitekten der Nachkriegszeit die dekorativen Gestaltungselemente insbesondere des 19. Jh. (z.B. Neugotik als vermeintliches Plagiat) konsequent ablehnten und - so noch vorhanden - teilweise sogar entfernten, selbst wenn sie unbeschädigt geblieben waren. Daher ist das Werk der einstigen, teils namhaften Baumeister nur eingeschränkt und bei der Innenausstattung selten erhalten geblieben. Dennoch sind einzelne typische Handschriften noch erkennbar, und beim Nachlesen erlebte ich einige Überraschungen.

Die meisten der genannten Kirchen stehen unter Denkmalschutz.




Architekten

Nachdem ich bei den Recherchen häufig auf dieselben Architekten-Namen gestoßen war, versuchte ich etwas über diese Baumeister in Erfahrung zu bringen. (Es ist nicht in jedem Fall gelungen.) Hier sollen einige Stichworte genügen mit Hinweis auf die Kirchenbauten dieser Sammlung, zu denen sie die Entwürfe erstellt haben bzw. als Bauleiter oder Berater oder bei der Restaurierung tätig gewesen sind.


A-B     C-E     F-G     H-J     K-L     M-N     O-P     R     S     T-Z    




  • Dominikus BÖHM (1880-1955)

    setzte 1955 die Betonspitzen auf die kriegszerstörten Türme der Solinger Clemenskirche. Er war u.a. Architekt zahlreicher Kirchen im Rheinland, die sich durch "einfache Monumentalität" auszeichnen, und gilt als "Pionier des katholischen Kirchenbaus der Moderne".


  • Gottfried BÖHM (* 1920),

    Sohn von Dominikus BÖHM, Bildhauer und Architekt, verwendet häufig Sichtbeton, Stahl und Glas. Kennzeichnend für seine Bauten sind Originalität und Bildhaftigkeit. 1986 erhielt er als bisher einziger deutscher Architekt den amerikanischen Pritzker-Preis für Architektur.


  • Julius BUSCH (1838-1912)?,

    Regierungsbaumeister aus Neuss, entwarf und restaurierte Kirchen insbes. im Rheinland, z.B. 1883/1884 St. Josef in Neuss-Weißenberg, 1887/1893/1894 St. Johann Baptist in Bergheim, 1890-1893 Erweiterung der Pfarrkirche St. Odilia in Dormagen-Gohr.


  • Friedrich Adolf CORNEHLS (1864-1916)

    erstellte u.a. die Pläne für den Bau der Elberfelder Friedhofskirche (er wohnte ganz in der Nähe: Hochstraße 19). Wie FRITSCHE, mit dem er 1898 ein Architekturbüro gründete, war er Schüler von Johannes OTZEN.


  • Gerhard August FISCHER (1833-1911)

    gestaltete außer Kirchenbauten u.a. den Neubau von Schloss Burg an der Wupper und Schloss Caspersbroich in Solingen-Ohligs. FISCHER war in seiner Zeit einer der meistbeschäftigten Kirchenbaumeister zwischen Rhein und Ruhr.


  • Arno Eugen FRITSCHE (1858-1939),

    Provinzialkirchenbaumeister, wurde 1887 Meisterschüler bei Prof. Johannes Otzen an der Kunstakademie Berlin und arbeitete 1889-1895 in OTZENS Architekturbüro in Berlin. 1898-1901 betrieb er mit dem Architekten Adolf CORNEHLS ein gemeinsames Architekturbüro in (Wuppertal-)Elberfeld. 1913-1932 war FRITSCHE als nebenamtlicher Leiter des Provinzialkirchenbauamtes der evangelischen Kirche der Rheinprovinz tätig. Neben vielen evangelischen Kirchenbauten entwarf er u.a. das Gräfrather Rathaus (später Solinger Klingenmuseum und heute Kunst-Museum Baden) sowie das Bürgerhaus in Velbert-Langenberg.


  • (Friedrich?) GOEDEKING,

    Umbauten ev. Kirchen in Solingen in den 1950er Jahren.

  • Christian HEYDEN (1803-1896)

    war Schüler des Düsseldorfer Architekten Adolph von VAGEDES und Vertreter der Neogotik.


  • Heinrich HÜBSCH (1795-1863),

    Architekt und großherzoglicher Baudirektor in Karlsruhe. In seiner architekturtheoretischen Schrift "In welchem Style sollen wir bauen?" (1828) rechnete er mit der klassizistischen Baukunst des frühen 19. Jh. ab und bekannte sich zu seinem modernen Rundbogenstil.


  • Heinrich KRINGS (1857-1925)

    entwarf in Köln und im Rheinland von Anfang der 1880er Jahre bis in die frühen 1920er Jahre Kirchen und Profanbauten unterschiedlichster Art. Er nutzte nahezu alle historischen Stile bzw. deren Spätformen. KRINGS gilt als typischer Vertreter der letzten Architektengeneration des Historismus vor dem Übergang zur Moderne.


  • August Carl LANGE (1834-1883 od. 1884),

    Kölner Architekt, entwarf sakrale und profane Bauten im neugotischen Stil im Kölner Raum (darunter die "Marienburg" in Monheim am Rhein).


  • Josef LEHMBROCK (1918-1999),

    Vertreter des modernen Kirchenbaus. Er war 1948-1968 für gut ein Dutzend Wiederaufbauten, Um- und Neubauten im Raum Düsseldorf, Essen und Köln verantwortlich. Die "Flammenkirche" Heilig Kreuz in Düsseldorf-Rath machte dem Düsseldorfer Architekten bekannt. Von ihm stammen auch die Pläne für die im experimentellen Stahlbeton-Schalenbau ausgeführte Kirche St. Suitbert in Essen-Überruhr (1964).


  • Johann Michael MOSER (* 1747),
    Kartograph und Architekt in der Grafschaft Mark.


  • Johannes OTZEN (1839-1911),

    wohl der bedeutendste Architekt des evangelischen Kirchenbaus, Stadtplaner und Architekturtheoretiker der Gründerzeit, leitete den Bau der Elberfelder Friedhofskirche. Deren wunderschöne Ausstattung ist noch weitgehend im ursprünglichen Zustand vorhanden.


  • Heinrich PLANGE (1857–1942)

    aus Elberfeld war als Regierungsbaumeister und Architekt in der bergischen Region tätig. Von ihm stammen neben weiteren Kirchenbauten auch zahlreiche Pläne für Unternehmer-Villen im Briller Viertel von Wuppertal-Elberfeld.


  • Julius Carl RASCHDORFF (1823-1914),

    Stadtbaumeister in Köln. Als Dom-Baumeister plante er später den Berliner Dom.


  • August RINKLAKE, (1843—1915),

    Baumeister aus Münster, Architekt des Historismus, Büro in Düsseldorf (1876), Professor in Braunschweig.


  • Wilhelm RINKLAKE (1851–1927),

    Architekt und Benediktinermönch, Münster/ Maria Laach Kirchlicher Name auch P. Ludger Rincklake OSB oder Ludgerus Rincklake, Bruder von August RINKLAKE.


  • Bernhard ROTTERDAM (1893–1974),

    bekannter Architekt katholischer Sakralbauten im Rheinland, war Sohn des Bauunternehmers Heinrich Rotterdam aus Langenfeld-Immigrath. Rotterdam galt mit seinem sachlichen, klaren Stil als Erneuerer der Kirchenarchitektur. Er entwarf auch mehrere Kirchen in Leverkusen, darunter die kath. Pfarrkirchen Herz Jesu in Wiesdorf und St. Michael in Opladen.


  • Fritz SCHALLER (1904-2002),

    1933 Regierungsbaumeister mit eigenem Büro in Berlin. Er entwarf anfangs Wohnhäuser, dann Thingstätten nach dem Vorbild griechischer Theater, schließlich zahlreiche bedeutende Sakralbauten zwischen Moderne und Postmoderne. Bekanntestes und zugleich am meisten umstrittenes Werk ist die Kölner Domplatte.


  • Franz SCHMITZ (1832-1894),

    war Architekt und Kölner Dombaumeister und 1893-1894 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin.


  • Otto SCHÖNHAGEN (1885-1954),

    Leiter des Provinzialkirchlichen Bauamtes in Koblenz, plante Anfang der 1950er Jahre sachlich-schlichte ev. Kirchen, z.B. in Bensberg, Refrath, Ahrweiler und Altenkirchen (Westerwald).


  • Wilhelm SCHRADER

    erscheint in den 1940er/1950er Jahren mehrfach als Architekt Solinger Kirchen, auch bei Restaurierungen / Wiederaufbau.


  • Vincenz STATZ (1819-1898),

    Dombaumeister, gilt als bedeutendster / einflussreichster Vertreter der Neugotik im Rheinland.


  • Friedrich August STÜLER (1800-1865),

    preußischer Baumeister, war beeinflusst von Karl Friedrich SCHINKELs Klassizismus, den er romantisierend weiterentwickelte. Er war einer der maßgebenden Berliner Architekten seiner Zeit und nahm beratend Einfluss beim Bau der Elberfelder Kreuzkirche.


  • Alfred TEPE (1840-1920),

    niederländischer Architekt; als einer der bedeutendste Baumeister der Neugotik in den Niederlanden entwarf er zahlreiche Kirchen insbesondere im damaligen Gebiet des Erzbistums Utrecht. 1865-1867 arbeitete TEPE in Köln für Vincenz STATZ und war an der Restaurierung des Kölner Doms beteiligt.


  • Theo THEYSEN

    Solinger Architekt.


  • Adolph von VAGEDES (1777-1842),

    preussischer Regierungsbaurat, bedeutender Architekt und Stadtplaner des Klassizismus (Schüler von SCHINKEL).


  • Wilhelm WERDELMANN (1865-1919),

    deutscher Architekt und Architekturlehrer. Bis 1899 selbstständiger Architekt in Breslau. Ab 1899 Direktor der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Barmen / Elberfeld als Nachfolger von Erdmann Hartig.


  • Willy WEYRES (1903-1989),

    Architekt und Hochschullehrer. 1944-1972 Kölner Dombaumeister und ordentlicher Professor für Baugeschichte und Denkmalpflege an der RWTH Aachen. Unter seiner Leitung Wiederherstellung des Kölner Doms nach dem Zweiten Weltkrieg. Ausgeprägte Abneigung gegen Architektur und Kunst des 19. Jh. In Zusammenarbeit u.a. mit Dominikus und Gottfried Böhm entstand die Konzeption eines von der engen Bindung an romanische und gotische Formen losgelösten Kirchenbaus. Keineswegs unumstritten.


  • Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861),

    Architekt und Dombaumeister von Köln. Übernahm 1833 die Leitung der Bauarbeiten am Kölner Dom. Wurde bezeichnet als "einer der feinsten Kenner des mittelalterlichen Stils". Stand anfangs dem klassizistischen Stil nahe (Schinkel-Schüler), zeigte sich dann aber als "Vertreter eines neugotischen Historismus."


  • Quellen, soweit nicht auf den einzelnen Seiten angegeben:

  • Festschriften, Broschüren, Faltblätter und Informationstafeln einzelner Kirchen
  • Zeitungsartikel
  • Denkmalverzeichnisse Solingen, Wuppertal, Haan
  • Stadtarchiv Solingen, div. Archivalien, Bildarchiv, Artikelsammlung
  • Webpräsenzen einzelner Städte und Kirchengemeinden
  • Wikipedia und weitere Web-Quellen

  • Clemen (1894)
  • Fahmüller (2003)
  • Fischer (1979)
  • Koch, Bernd: Der Architekt Bernhard Rotterdam und seine Kirchenbauten im Rheinland (2006)
  • Keyl: Cornehls und Fritsche
  • Rosenthal: Solingen. Bde. 1-3
  • Schnöring (1989)
  • Zimmermann (1964)


  • Die herangezogenen Quellen stimmen im Detail nicht in jedem Fall überein.
    Alle Informationen ohne Gewähr für ihre Richtigkeit.


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    28.09.2004, zuletzt aktualisiert 24.01.2010