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Wuppertal    Ahnenforschung
Wuppertal-Langerfeld


Langerfeld   (Wuppertal)

Wappen Langerfeld
  • Aus der Geschichte von Langerfeld
  • Bänder und Spitzen
  • Das Straßenbild um 1900
  • Alte Ortsbezeichnungen in Wuppertal-Langerfeld
  • Genealogisches

  •   Bilder aus Langerfeld



    Aus der Geschichte von Langerfeld

    Quelle der folgenden Übersicht über die Geschichte Langerfelds ist Günther Voigt (Jg. 1927, Studium der Geschichte und Pädagogik, zuletzt Rektor der Grundschule an der Germanenstraße).

    Langerfeld ist heute ein Ortsteil Wuppertals mit etwa 24.000 Einwohnern. Anders als die anderen ehemals selbstständigen Gemeinden und heutigen Stadtteile, die sich 1929 zur Großstadt Wuppertal zusammengeschlossen haben, führt Langerfeld nicht die Bezeichnung eines Stadtteils. Es war schon vor der Städtevereinigung im Jahr 1922 zur damaligen Stadt Barmen eingemeindet worden.

    Die Verwaltungsgrenzen des Stadtbezirkes Langerfeld entsprechen etwa den Grenzen der ehemaligen westfälischen Gemeinde. Die alte Gemeindegrenze verlief von der Kemna im Süden entlang der Wupper, über Rauental zum Grünenbaum, östlich der Klippe in Richtung Höfen nach Beckacker. Im Norden grenzte die Gemeinde Nächstebreck an Langerfeld, die östliche Grenze ging von Jesinghausen über Neuenhof, Steinhauser Berg, Heusiepen zur Kemna.

    Durch dieses Gebiet führte schon in der Frühzeit eine alte Straße. Sie kam vom Rhein über Hilden, Elberfeld und verlief durch das Schwelmetal weiter ostwärts. An diesem uralten Verkehrsweg liegt Jesinghausen, eine sächsische Siedlungsstelle, die schon um 800 bestanden haben dürfte. Um 1000 ist vermutlich der Hof Rauental erbaut worden, ein festes Haus am Grenzfluss Wupper.

    Die erste bekannte urkundliche Erwähnung Langerfelds stammt von 1304, als der Abt von Siegburg die Höfe Langerfeld neu belehnt. Die aus einer Anzahl von Einzelhöfen bestehende Bauerschaft Langerfeld wird in der Zeit des großen Ausbaus zwischen dem 9. und 13. Jh. besiedelt worden sein. In dem Wort Langerfeld wird der Personenname Langer vermutet. Das Grundwort -feld bezeichnet ein baumfreies Wiesengelände.

    Am Ende des Mittelalters gab es über das Langerfelder Gebiet verstreut eine Anzahl Siedlungen, die dem Grafen von der Mark oder dem Herzog von Berg abgabepflichtig waren. Auch die Herren von Volmestein, der Dom zu Xanten und das Kloster Beyenburg hatten hier Besitz.

    In einer Schatzliste von 1486 werden 31 Höfe der Bauerschaft namentlich aufgeführt [bei Voigt o.J. S. 30]. Die meisten lagen an der alten Wegekreuzung in der Mulde des Hedtbergbaches, also in Langerfeld selbst, das 1432 im Volmesteiner Lehnbuch als "dorp" bezeichnet wird.

    Eine Bauerschaft war das kleinste Gebiet bäuerlicher Selbstverwaltung. Ihr gehörten die Wege, Brücken und Stege, die Bäche, Teiche und Brunnen, das Backhaus, der ungeteilte Wald (Mark) und die ungeteilte Wiese (Dorfwiese). An der Spitze dieser Bauerschaft stand der Burrichter, der mit Hilfe anderer Bauern alle Angelegenheiten der Allgemeinheit erledigte. Die Bauerschaft Langerfeld gehörte zum Gogericht Schwelm in der Grafschaft Mark.

    Im 16. Jh. erlebten die Bewohner der Bauerschaft zwei bedeutende Ereignisse, von denen die weitere Entwicklung Langerfelds bestimmt wurde: Erstens wurde Luthers Lehre im Kirchspiel Schwelm verkündet; die Reformation war hier um 1560 abgeschlossen. Zweitens schlossen die Langerfelder mit den Elberfelder und Barmer Bleichern 1549 einen Vertrag, nach dem auch in Langerfeld mit Genehmigung des Landesherrn das gewerbliche Bleichen weiterhin gestattet wurde.

    Aber dann zogen schwere Zeiten herauf. Hungersnöte und Seuchen forderten große Opfer. Die Spaniereinfälle um 1600 und der Dreißigjährige Krieg brachten einen weiteren Niedergang für die Bauerschaft und das Gewerbeleben. 1648 waren von 85 Höfen 25 verwüstet oder verlassen. - Mit dem allmählichen Wiederaufbau kam auch das wirtschaftliche Leben erneut in Gang. Die Grafschaft Mark fiel 1666 an Brandenburg, 1701 wurde sie preußisch. - Ein neuer Gewerbezweig entstand: die Bandwirkerei.

    1711 wurde mit dem Bau einer Schule (am heutigen alten Friedhof) ein erster Mittelpunkt in der ausgedehnten Streusiedlung mit schätzungsweise 1.000 Einwohnern geschaffen. Den eigentlichen Aufschwung nahm Langerfeld in der Folgezeit. Die Bleicher in der Oehde ließen das Schulhaus zu einem Kirchhaus ausbauen, in dem an Sonntagnachmittagen Predigten verlesen wurden.

    1766 fragte man in Berlin um Erlaubnis zur Errichtung einer luth. Kirchengemeinde. Der Erlaubnis folgte die Trennung von der Muttergemeinde Schwelm, und man begann mit dem Bau einer Kirche. 1786 konnte darin der erste Gottesdienst gehalten werden.


    Langerfeld
    Alte ev. Kirche.
     

    Die alte lutherische Kirche
    ist das Wahrzeichen Langerfelds. Nach einer Bauzeit von 20 Jahren fand hier am 25.09.1786 mit der Gedächtnisfeier zum Tod Friedrichs des Großen der erste Gottesdienst statt. 1896 und 1966 wurde die Kirche umgebaut. Sie steht unter Denkmalschutz.

      Mehr Kirchen in Wuppertal


    Nach 1740 ließen sich Wuppertaler Weber in Langerfeld nieder. Ein neuer Fabrikationszweig, die Herstellung von Litzen und Schnürbändern, beschäftigte bald viele Bewohner. Der Riemengang [eine Flechtmaschine] soll um 1750 in der Fleute erfunden worden sein. Führend wurde die Bandwirkerei. Nach einem Bericht von 1789 "klapperte das ganze Dorf".

    Zwar hatten die preußischen Werbungen um "lange Kerls" 1720-1740 und der Siebenjährige Krieg 1756-1763 mit seinen Einquartierungen und Abgaben große Belastungen mit sich gebracht. Jedoch stand die Industrie am Ende des 18. Jh. trotz mancher Rückschläge in voller Blüte.

    Der Platz an der alten Wegekreuzung (heute Markt) blieb weiter Mittelpunkt für das ausgedehnte Gebiet vom Ehrenberg bis zum Beckacker, von der Oehde bis zum Neuenhof. Hier entstand 1784 eine wichtige Poststation. Die Kaiserliche Reichspost und die Preußische Post endeten an dieser Stelle. Sechs Jahre lang fuhren die Postkutschen noch über die alte Straße, bis die Kunststraße (heute Langerfelder Straße, Odoakerstraße und Schwelmer Straße) auch durch Langerfeld gebaut wurde. Damit waren die Verbindungen zu den Nachbarorten besser und schneller geworden.

    Zur Zeit der französischen Besetzung kam mit den Rekrutierungen, der Geldentwertung und der Arbeitslosigkeit neues Elend über die Bevölkerung. Das französische Verwaltungssystem wurde eingeführt. An der Spitze der "Mairie" (mit 1.964 Einwohnern) stand nun ein Bürgermeister.


    Langerfelder Markt 1880
    Langerfelder Markt um 1880. Bild-Quelle: Voigt (o.J.)
     

    Langerfelder Markt:
    Wegen der starken Steigung der Odoakerstraße wurde 1837 (nach anderer Quelle 1832) die Hauptstraße hinter die Kirche verlegt. Dadurch musste der Hof Pennekamp weichen, der an der Stelle des heutigen Marktplatzes lag. Die neue Straße wurde höher gelegt, und der Marktplatz rückte weiter nach Süden.


    Auf die Befreiungskriege folgte eine lange Friedenszeit. Die Gewerbezweige konnten zunächst ihre alte Bedeutung wiedererlangen. In der Nähe der Bleichen entstanden die ersten Fabriken. Nach der Einführung der Dampfkraft und der Erfindung der Spitzenmaschine bahnte sich auch in der Band- und Spitzenfabrikation der Übergang von der Heimarbeit zum Fabrikbetrieb an.

    Durch eine neue Gemeindeordnung wurde die Bürgermeisterei Langerfeld 1841 ein Preußisches Amt, dem die Gemeinden Langerfeld und Nächstebreck angehörten. Der Bürgermeister erhielt den Titel Amtmann.

    Das Gesicht der Stadtlandschaft wandelte sich. Wegen ihrer starken Steigung wurde die Hauptstraße 1837 hinter die Kirche verlegt und der Marktplatz verändert. Neue Straßen entstanden. Als 1847 die erste Eisenbahn durch das Schwelmetal dampfte, stand Langerfeld an der Schwelle einer neuen Zeit.


    Eisenbahnanlagen 1911
     
    Die Eisenbahnanlagen
    am Güterbahnhof
    um 1911.
    Bild-Quelle: Voigt o.J. S. 31


    Die Entwicklung von einer Landgemeinde zum Industrieort verdeutlichen die Einwohnerzahlen, die von 4.157 im Jahr 1856 auf 14.832 im Jahr 1910 anstiegen. Dieser Aufstieg wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkriegs jäh unterbrochen.

    Nach dem Krieg wurde Langerfeld 1922 auf Beschluss des Preußischen Landtages nach Barmen eingemeindet und ging damit von Westfalen zum Rheinland über. Die Bemühungen um die Rückgewinnung der Selbständigkeit endeten, als auch Barmen durch die Gründung der Großstadt Wuppertal 1929 seine Selbstständigkeit verlor.

    Auch der Zweite Weltkrieg ging nicht spurlos an Langerfeld vorbei. Heute ist der Ort gekennzeichnet durch enge Wohnbebauung mit einigen erhaltenen Fachwerk- bzw. Schieferhäusern, Industriebetriebe, Schnellstraßen, Autobahnen und das Containerterminal der Deutschen Bahn.


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    Bänder und Spitzen

    Die Langerfelder und Barmer Bänder, Kordeln, Litzen und Spitzen sind mir seit meiner Kindheit geläufig, da mein Großvater Otto Frensel in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. u.a. für die Langerfelder Spitzenfabrik Henkels tätig war und meine Mutter noch Erzeugnisse aus der dortigen Produktion verarbeitet hat. Aus diesem Grund sind die Bänder und Spitzen in diese Webseite mit hineingekommen. Günther Voigt hat dem Thema in seiner Geschichte Langerfelds mehrere Kapitel gewidmet.


    Henkels
      Hauptgebäude der
    ehemaligen Spitzenfabrik Henkels,
    Langerfelder Straße 129




    Bänder und Riemen

    In den letzten Jahrzehnten des 17. Jh. ließen sich in Langerfeld zu den wenigen einheimischen Webern und Bandwirkern weitere nieder, die wohl aus dem Wuppertal zuzogen. Auch einzelne Einwohner der Bauerschaft begannen mit der gewerblichen Produktion. [Voigt S. 58]

    Im 18. Jh. war die Herstellung von Bändern in Langerfeld ein verbreitetes Gewerbe. Die Kinder der Bandwirkerfamilien halfen schon im Alter von sechs Jahren beim Spulen und Aufwinden mit. Typisch für die alten Bandwirkerhäuser sind die vielen Fenster, da für die Arbeit viel Licht nötig war.

      Einige Museen in Wuppertal und Umgebung informieren über dieses alte Gewerbe.

    Neben der Bandwirkerei entstand in Langerfeld ein neuer Fabrikationszweig, die Riemendreherei. In Langerfeld wurden schon früh von Frauen und Kindern Schnürriemen auf Kissen geklöppelt und diese Erzeugnisse auch für fremden Bedarf geliefert. Aber erst um 1750 gelang die maschinelle Herstellung von Schnürriemen. Nach der Überlieferung soll der erste Riemengang [So wurde in Barmen die Flechtmaschine genannt] in Langerfeld in der Fleute erfunden worden sein, nach anderen Berichten an der Flötepiepe in Nächstebreck. [Voigt S. 92]



    Eine Schnürriemen"fabrik" 1789. Arbeitsplatz, Wohnstätte, Schlaf- und Kochstelle befanden sich in einem Raum.
    Zeichnung des Schwelmer Theologen und Kartographen Friedrich Christoph Müller (1751-1808)

     

    Eine Bandwirkerei 1789.
    Zeichnung von Friedrich Christoph Müller



    In der Einwohnerliste von 1784 bezeichnet sich kein Einwohner als Schnürriemenhersteller. Vermutlich rechneten sie sich zu den Bandmachern. Aus einem Text von Pastor Friedrich Christoph Müller über die Schnürriemenfabrik: "Das Flechtwerk, welches die Festigkeit eines Schnürbandes erfordert, war durch den Mechanismus eines Bandstuhles nicht heraus zu bringen. Damit nun keine Bandsorte fehlen möchte, hat man andere, ebenfalls sehr künstliche Maschinen, erdacht, wodurch dies bewerkstelligt wird. Auf diesen Maschinen, welche Schnürriemensgetauen heißen, können 6 bis 8 Stück auf einmal gewirket werden." [zit. bei Voigt S. 92 f]

    In Elberfeld hatte die Firma Bockmühle eine Maschine in Betrieb genommen, die vom Wasser der Wupper angetrieben wurde. Diese Maschine konnte stündlich 1000 Ellen wirken. [Voigt S. 92] Nach langen Versuchen hatte Johann Heinrich Bockmühl (1738-1802) dem Kurfürsten Karl-Theodor von Jülich und Berg im Jahre 1767 seine neue Erfindung persönlich vorgeführt, als dieser sich im Wuppertal aufhielt. Bockmühl hatte damit die erste wirklich brauchbare eiserne Flechtmaschine konstruiert, auf der sich zunächst vor allem Schnürriemen für Schuhe industriell herstellen ließen (daher der Name "Riemengang"). [Leithaeuser S. 144] Jung-Stilling hat Bockmühl und seine Erfindung 1798 in seiner Arbeit über die "Ersetzung von Handarbeit durch Maschinen" als Beispiel für eine 'gelungene Mechanisierung' erwähnt.

    "Auf diese Bockmühlsche Erfindung, die bald weiter ausgebaut und vervollkommnet wurde, gründet sich unsere große Barmer Flecht- oder Riemengangindustrie, welche dann nach der Erfindung der Dampfmaschine (durch James Watt 1736-1819) einen gewaltigen Aufschwung nahm und die ganze Welt mit ihren Spitzen und Besätzen versorgte." [Leithaeuser S. 144]

    Jahrzehnte später waren vierspulige Riemengänge in Langerfeld in Betrieb, und die hölzernen Gänge erhielten zahlreiche Verbesserungen. Neben dem allgemein üblichen Fuß- und Handbetrieb standen in Elberfeld immer mehr solcher Gänge, die durch die Wasserkraft der Wupper angetrieben wurden.

    Aus den Schnürriemensgetauen entwickelte sich im folgenden Jahrhundert der Riemengang oder Riementisch, auf dem in Langerfeld Spitzen hergestellt wurden. [Voigt S. 92 f]




    Spitzen

    In den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. entwickelte sich die Riemendreherei in Langerfeld stetig aufwärts. Die hölzernen Riemengänge, die bis dahin mit dem Fuß oder mit der Hand angetrieben worden waren, wurden nun mit Dampfkraft bewegt. Zu den Schnürriemen und Litzen traten in der Produktion verschiedene Muster feiner Litzen und Zackenlitzen. [Voigt S. 152 f]

    Heimarbeiter setzten die Produktion von Spitze in Handarbeit fort. 1877 erfanden W. Hedtmann, A. Schmiedel und W. Flasdieck in Langerfeld die erste Spitzenmaschine. Sie hatten in der Maschinenfabrik Hedtmann und in der Bandfabrik Henkels im Dahl (gegr. 1874) ihre Versuche durchgeführt mit dem Ziel, handgeklöppelte Spitzen auf mechanischem Weg herzustellen. Zunächst hatten sie eine Flecht-Spitzenmaschine konstruiert (drei- bis vierfädig), die dem Riementisch ähnelte, bei der durch besondere Vorrichtungen einzelne oder ein Teil der Klöppel vorübergehend zum Stillstand gebracht werden konnten.

    Die Firma A. & E. Henkels nahm die Spitzenfabrikation 1878 auf. Die Spitzenmaschine wurde laufend verbessert. 1880 konnte eine zweifädige Spitzenmaschine in Betrieb genommen werden. Diese Erfindung wurde bahnbrechend für die gesamte Spitzenfabrikation. Mit ihren Erzeugnissen wurde auch der Name Langerfeld in der Welt bekannt. [Voigt S. 152 f]


    Spitzen
      Spitzen
      Maschinell hergestellte
    Spitzen und Bänder
    aus Langerfeld,
    um 1910-1920


    Bis 1895 liefen in der Firma Hedtmann Versuche, eine einfädige Klöppelspitzenmaschine zu konstruieren. Der in den 80er Jahren zur Spitzenfabrikation umgebaute Riemengang war mehrfach verbessert worden. Da gelang der französischen Firma Malaire die Herstellung einer ersten brauchbaren einfädigen Klöppelspitzenmaschine, nachdem sie die Patente der Firma Büsche aus Schwelm hatte erwerben können. Die Firma Henkels verschaffte sich das Mitbenutzungsrecht, das auch die britische Firma Birkin in Nottingham erhielt.

      Die Bezeichnung einfädig bedeutet, dass auf einem Teller nur ein Klöppel (auch Spule genannt) arbeitet. Er kann wie bei der Handklöppelei nach Belieben stillgesetzt werden, während bei der früher ausschließlich bekannten zwei-, drei- und vierfädigen Maschine stets alle Klöppel liefen. Heute wird ausschließlich mit einfädigen Spitzenmaschinen gearbeitet.

    Zwischen den drei Firmen kam ein Vertrag zustande, wonach jede Firma im eigenen Lande das Alleinverkaufsrecht der Produkte erhielt und andere Länder mit Spitzenerzeugnissen frei beliefern konnte.

    Mit der Erfindung und Patentierung des S-Dorns übernahm die Firma Henkels wieder die Führung in der Spitzenindustrie bis 1914, die sie zum Vorteil Langenfelds ausbaute. Die Waren der Band- und Spitzenfabrik A. & E. Henkels wurden in die ganze Welt exportiert. [Voigt S. 152 f]

    Bis heute ist Wuppertal ein bedeutender Produktionsort für die maschinengeklöppelte Spitze geblieben. Beim Maschinenklöppeln fertigt die Maschine in täuschend guter Nacharbeit die 'echten' handgeklöppelten Spitzen. Der einzige Unterschied zwischen Maschinen- und Handarbeit ist die absolute Regelmäßigkeit der Maschinenspitze.


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    Das Straßenbild um 1900

    Mein Großvater kam um 1900 nach Barmen bzw. Langerfeld. Wie es um diese Zeit dort "im Dorf" aussah, beschreibt Günther Voigt so:


    "Um die Zeit der Jahrhundertwende sah das Straßenbild anders aus als heute. Im Abstand von einer halben Stunde brachte die Elektrische Bahn die Langerfelder für einen Groschen nach Schwelm oder Barmen. Pferd und Wagen, Flachkarren, Handwagen oder Schubkarren, vereinzelt Fahrräder, beherrschten das Straßenbild.

    Die Straßen waren nicht leer. Frühmorgens trieb der Bauer sein Vieh auf die Weide, auch über die Chaussee zu den Wiesen in der Fleute. Arbeiter eilten zu ihren Arbeitsstätten, das Mittagessen im Henkelmann (Blechgeschirr) unter dem Arm. Bäckerjungen verteilten die Brötchen. Wenig später erschien der Milchbauer mit Pferd und Wagen und eilte dann mit seiner Kanne von Tür zu Tür. Schwere, von zwei oder mehr Pferden gezogene Planwagen brachten Waren zu den Großhändlern oder zu den Geschäften. Leichte, nur von einem Pferd gezogene Wagen der Bäcker und Metzger kamen im Trab daher. Männer und Frauen schleppten Wasser in großen Eimern von den Fontänen zu ihren Wasserbänken im Haus, Kinder waren auf dem Weg zur Schule.

    Viele Geschäfte spielten sich früher auf der Straße ab. In jeder Woche kam zweimal der Gemüsewagen, mittwochs der Müllwagen. Donnerstags ließ Spellmanns Fritzken seine Lieder zum Orgelskasten erklingen.

    Jeden Monat zog Weinreichs Kaalken mit seiner Eselskarre durchs Dorf, um Lumpen zu sammeln. In größeren Abständen erschienen Wagen, die mit Haushaltswaren aus Blech oder Emaille, mit Porzellan-, Ton- oder Glasgeschirr beladen waren. Der Korbmacher pries seine Waren an, und der Sandmann bot scheffelweise weißen Sand an, den die Hausfrauen auf den frisch geschrubbten, rohen Fußboden streuten, damit der Straßenschmutz nicht so tief in die Fußbodenbretter getreten werde. Bei seinem Erscheinen sangen die Kinder: »Der Sandmann ist da, er hat so schönen weißen Sand...».

    Im Winter kamen Männer vom Schwelmer Ehrenberg mit Reisigbesen in allen Größen, aus der Eifel Händler mit Schazen (Schlafdecken) und Strickgarn, aus Düsseldorf im Frühjahr Frauen mit Körben voll Gemüse- und Blumenpflanzen, vom Rhein Männer mit Salben und Heilkräutern. Einmal im Jahr kamen auch die 'Mausefallenkääls', Männer aus der Slowakei, die Ratten- und Mausefallen und Kuchenformen verkauften. Im Sommer stand der Scherenschleifer mit seiner Ziehkarre an der Ecke und schärfte Scheren und Messer.

    An den Sommerabenden saßen die Hausbewohner auf ihren Bänken vor der Tür und tauschten die letzten Tagesnachrichten aus. Wenn es dann dämmerig wurde, zog der Laternenanzünder Nieland mit einer langen Stange durch die Straßen und zündete die Laternen an. Dann wurde die Straße leer und still, und der Nachtwächter begann seine Runden." [Voigt (o.J.) S. 158 f]


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    Alte Ortsbezeichnungen in Wuppertal-Langerfeld

    Langerfeld (ohne den Bezirk Beyenburg) erstreckt sich heute von der Kemna an der Wupper bis zur Bramdelle nördlich Jesinghausen, von der Oehde und Rauental an der Wupper bis zur Grenzöhde an der Stadtgrenze zu Schwelm. Eine ungefähre Vorstellung, wie es hier vor vielen hundert Jahren ausgesehen haben könnte, lässt sich aus den alten Orts- und Flurnamen ableiten. Günther Voigt hat einige Deutungen zusammengetragen:


    "Die älteste Siedlungsstelle ist Jesinghausen, eine -inghausen-Siedlung, die schon um 800 bestanden haben dürfte. Der nördliche Abhang zwischen Jesinghausen und Höfen, der zur Schwelme hin abfällt, war einst mit Wald bedeckt. Darauf weisen die Namen mit Loh hin. Loh bedeutet Wald, und in diesem Gebiet finden wir Stelloh (Hof Kämper), Werloh (von Werth = Insel), Dornloh und Webersloh.

    Nördlich davon liegen Beckacker (Acker am Bach), Löhrerlen (Loher Erlen) und Bramdelle (Delle = Vertiefung, kleines Tal; Bram = Ginster). Ein alter Buchenbestand wächst noch auf dem Kalkstreifen in den Dolinen.

    Eine Straße heißt Bökenbusch, die auf die Buche hinweist.
    Neben der Hilgershöhe gab es vor 100 Jahren das Nesselnbüschken. Bekannt ist der Ecksteinsloh.

    Die Siedlung an der Klippe hieß früher am Kirchloh (Gelände der Reformierten Gemeinde). Die alte Straße führte einst durch den Lüttgenloh (kleiner Wald), der sich auf beiden Seiten der heutigen Straße in Höhe der Parksiedlung erstreckte.

    Für Wald stand auch das Wort Busch. Bekannt ist der Leibusch. Ley bedeutet Schiefer. Sternenbergs und Kickers Busch lagen in der Oehde, Böllings, Kämpers und Siepmanns Busch nahe der Kemna. Eine Straße heißt noch Adamsbusch nach der Familie Adam.

    Mit Heide, mundartlich Heed, bezeichnete man ebenso Waldgebiete. Nördlich der Straße Zu den Dolinen lag 'dä Dicken Hei' (Wald des Bauern Dicke), und der Hedtberg ist noch heute bewaldet. An ihm fließt ein Bach (=Becke) entlang, die Hebbecke (= Heedbecke) heißt. Ein abgegrenztes Waldstück nannte man Hagen, der noch am Wulfeshohl steht. Das ausgedehnteste Waldgebiet befand und befindet sich noch auf dem Ehrenberg.

    Nach der Überlieferung gab es bis zur Jahrhundertwende auffallend viele Bäume im Ort. Neben den Kastanien an der Langerfelder Straße und den Linden an der Schwelmer Straße wird berichtet vom Grünen Baum an der Grenze, von einer mehr als 600 Jahre alten Eiche und einer 200jährigen Silberpappel auf der Pülsöhde, von einer Jahrhunderte alten Linde am Haus Rauenthal, von Bachs Bauke auf dem Ehrenberg und dem hohen Birnbaum in Cleffs Hof.

    Ein alter und mächtiger Kirschbaum gab der Kreuzung Leibuschstraße/Marbodstraße den Namen 'Im Kirschenbaum'. Alle diese Bäume sind längst gefällt.

    Die Einmündung Kurze Straße/Spitzenstraße hieß früher 'im Feigenbaum'. Der Name konnte noch nicht gedeutet werden. Unter jenem Baum fanden die Versammlungen der Bauern im Mittelalter statt.

    Die Öhde ist eine schlechte Wiedergabe des mundartlichen Wortes Öh, das mit öde und leer nichts zu tun hat. Es stammt vom Hochdeutschen Aue ab. Wir kennen die Oehde an der Wupper, die Wilde Öhde, die Beyeröhde, die Pülsöhde, die Noldenöhde, die Hölkesöhde und die Grenzöhde. Früher gab es noch die Tönnisöhde und die Johannesöhde. In diesen Namen stecken die Familiennamen Beyer, Puls, Nolde, Hölken, Tönnies und Johannes.

    Zwischen Pülsöhde und Noldenöhde liegt Gut Röttgen. Röttgen leitet sich von Roden ab, wie auch der Bach in der Nähe eigentlich Röheker Becke heißen müßte. Zahlreiche alte Flurnamen wiesen in Langerfeld auf Rodungszeiten hin wie Gerotte, Rottland, im Rott, im Hacken oder Hackert. Im Rauental (früher Ruwendelle, das heißt 'rauhes Tal') befand sich früher die Mehlmühle der Gemeinde, die mit Wasserkraft aus dem Mühlengraben angetrieben wurde. Dort lagen die Siedlungen 'am Strange' und 'Mühlenkamp'.

    Ein kleines, enges Tal wurde früher mit 'hohl' bezeichnet. Auf dem Wulfeshohl wohnte einst eine Familie Wulf. Mit 'hohl' verwandt ist auch Hölken.

    Mit Siepen bezeichnet man ein nasses Wiesengelände. Wir sprechen heute noch von 'siepennaat', wenn unsere Kleidung sehr durchnäßt ist. Die kleinen, feuchten Wiesentäler kennen wir unter den Namen Siepen (bei Haus Waldstein), Wurmsiepen südlich davon, Heusiepen, Burensiepen und Kucksiepen auf dem Ehrenberg.

    Mit dem Wasser hat auch der Name Kattendieck zu tun (Katte von Wildkatze) und der Name Schmitteborn (= Schmiede an der Quelle).

    Eine tiefe Stelle in Langerfeld ist das Schwelmetal. Hier wohnen die Leute 'im Dahl', früher im Wittendahl.

    Auch seltene Namen gab und gibt es im Ort. Die 'Insel' ragte wie eine Insel über dem Dorf Langerfeld (Feld des Landger), das nach Osten in einen Zipfel (Timpen) mündete.

    Die Kreuzung Arioviststraße/ Odoakerstraße hieß früher 'am goldenen Berg', die Kreuzung Arioviststraße /Inselstraße am Postberg (nach der Poststation dort).

    Manche Namen wurden den Fluren auch von den Kohlentreibern gegeben, die für Namengebungen bekannt waren. In Jesinghausen gab es den Hippenkopp, der steile Weg hinter dem Ehrenmal auf der Buschenburg (= Busches Berg) hieß 'Am Stiewen Köttel', das Tal der Hebbecke 'im Lurhasen' und das in Pülsöhde 'im Kellerken'.

    Es dürfte nicht schwer sein zu sagen, woher die alten Familien ihren Namen haben, wenn sie Dahl oder Dahlmann, Beck oder Beckmann, Beiers oder Beiersmann, Sieper oder Siepmann, Berg oder Bergmann, Loh oder Lohmann heißen."

    [Voigt (o.J.) S. 222 f]


      Zur Bedeutung weiterer alter Orts- und Flurnamen in Wuppertal / im Bergischen Land


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    Genealogisches

      (III.6) Otto Frensel siedelte Ende des 19. Jh. aus beruflichen Gründen aus seiner Heimatstadt Magdeburg nach Barmen über. Nach seiner Heirat mit (III.7) Emilie Lübbecke aus Goslar im Jahr 1903 zog das Paar nach Langerfeld, zunächst in die Südstraße 6 (heute Oldenburgstraße), dann in die Bahnstraße 18 (heute Badische Straße), dann - als die ersten Kinder kamen - für einige Jahre in die Südstraße 17.

    1912-1945 wohnte Familie Frensel im eigenen Haus in der Langerfelder Weddigenstraße 37 (früher Höhenweg). Otto Frensel arbeitete als Elektrotechniker u.a. für die Spitzenfabrik A. & E. Henkels.

      (IV.15) Wilhelmine Lübbecke geb. Weykopf aus Goslar, Ottos Schwiegermutter, lebte 1918-1922 im Schieferhaus ("Hedtmann-Haus") in der Bachstraße 6 (heute Thielestraße 1).

      Wilhelm Lübbecke, ihr Sohn, wohnte ab 1907 ebenfalls in der damaligen Bahnstraße 18 und später in der Südstraße. Bis zum Ersten Weltkrieg war er kaufmännischer Angestellter bei Henkels. Er fiel 1918 in Sedan.



    1912   Das neu erbaute Haus Weddigenstraße 37
     

    1918   Blick vom Höhenweg auf Langerfeld und Buschens Wiese: Frensels Kinder und Gänse.


    Mein Großvater Otto Frensel erbaute das Haus in der Weddigenstraße 37, die damals noch Höhenweg hieß, um 1910/12. Die vier Frensel-Kinder verlebten hier eine paradiesische Kindheit und Jugend.

    Als das Haus - wie die Nachbarhäuser Nr. 35 und 39 - kurz vor Kriegsende beim Luftangriff am 13. März 1945 völlig zerstört wurde, lebten dort noch meine betagten Großeltern und meine Mutter. Die Familie wurde obdachlos und verlor ihr Hab und Gut. Die wenigen aus den Trümmern geretteten Gegenstände sind ungeachtet der Strafandrohung für Plünderer teilweise gestohlen worden; die unverwechselbare Nähmaschine meiner Mutter tauchte nach Kriegsende in einem Barmer Schaufenster wieder auf!

    Meine Großeltern wurden von Verwandten im Sauerland für die letzten Lebensjahre in deren kleine Wohnung aufgenommen. Meine Mutter kehrte bald nach Wuppertal zurück und fand eine Bleibe in einem notdürftig abgetrennten Zimmerchen über einem Laden in der Elberfelder Charlottenstraße. Damit endet die Verbindung nach Langerfeld. Niemand aus der Frensel-Familie kehrte je wieder in die Weddigenstraße zurück.




    Zur Weddigenstraße notiert Wolfgang Stock in seinem Buch über die Wuppertaler Straßennamen:
    "Bezirk: Langerfeld - Beyenburg
    Verlauf / Lage: Südöstlich parallel zur Straße Buschenburg
    Benennungsdatum: 1935 - Früherer Name: 19.12.1911: Höhenweg".

    Die Straße scheint 1911 Neubaugebiet gewesen zu sein. Zumindest die Häuser Nr. 35, 37 und 39 wurden um diese Zeit mit dem Bauverein Langerfeld e.G.m.b.H. errichtet.

    Namensgeber der Straße soll Otto Weddigen gewesen sein (1882-1915, gefallen), Kapitänleutnant, der mit seinem U-Boot (U9) 1914 drei englische Panzerkreuzer versenkte. "Der Straßenname wird aber auch mit dem Fabrikanten Hermann Weddigen (gest. 1908) in Verbindung gebracht, der sich als langjähriger Gemeindevorsteher und in verschiedenen Ehrenämtern um Langerfeld verdient gemacht hat. Die Benennung nach dem erfolgreichen Kriegshelden entsprach jedoch dem damaligen Zeitgeist; außerdem konnten die Langerfelder nach der Eingemeindung nach Barmen 1922 immer weniger Einfluss auf die Benennung von Straßen in ihrem Stadtteil ausüben." [Stock]




    Quellen:
  • Leithaeuser (1927)
  • Stock (2002)
  • Voigt (1969)
  • Voigt (o.J.)
  • Webseite: "http://www.wilhelmrehage.de/" am 03.01.2003

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    02.01.2003, zuletzt aktualisiert 08.07.2009