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Wuppertal
Ahnenforschung |
Wuppertal-Langerfeld |
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Aus der Geschichte von Langerfeld
Quelle der folgenden Übersicht über die Geschichte Langerfelds ist Günther Voigt (Jg. 1927, Studium der Geschichte und Pädagogik, zuletzt Rektor der Grundschule an der Germanenstraße).
Durch dieses Gebiet führte schon in der Frühzeit eine alte Straße. Sie kam vom Rhein über Hilden, Elberfeld und verlief durch das Schwelmetal weiter ostwärts. An diesem uralten Verkehrsweg liegt Jesinghausen, eine sächsische Siedlungsstelle, die schon um 800 bestanden haben dürfte. Um 1000 ist vermutlich der Hof Rauental erbaut worden, ein festes Haus am Grenzfluss Wupper.
Im 16. Jh. erlebten die Bewohner der Bauerschaft zwei bedeutende Ereignisse, von denen die weitere Entwicklung Langerfelds bestimmt wurde:
Erstens wurde Luthers Lehre im Kirchspiel Schwelm verkündet; die Reformation war hier um 1560 abgeschlossen.
Zweitens schlossen die Langerfelder mit den Elberfelder und Barmer Bleichern 1549 einen Vertrag, nach dem auch in Langerfeld mit Genehmigung des Landesherrn das gewerbliche Bleichen weiterhin gestattet wurde.
1711 wurde mit dem Bau einer Schule (am heutigen alten Friedhof) ein erster Mittelpunkt in der ausgedehnten Streusiedlung mit schätzungsweise 1.000 Einwohnern geschaffen. Den eigentlichen Aufschwung nahm Langerfeld in der Folgezeit. Die Bleicher in der Oehde ließen das Schulhaus zu einem Kirchhaus ausbauen, in dem an Sonntagnachmittagen Predigten verlesen wurden.
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![]() Alte ev. Kirche. |
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Die alte lutherische Kirche |
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Nach 1740 ließen sich Wuppertaler Weber in Langerfeld nieder. Ein neuer Fabrikationszweig, die Herstellung von Litzen und Schnürbändern, beschäftigte bald viele Bewohner. Der Riemengang [eine Flechtmaschine] soll um 1750 in der Fleute erfunden worden sein. Führend wurde die Bandwirkerei. Nach einem Bericht von 1789 "klapperte das ganze Dorf".
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![]() Langerfelder Markt um 1880. Bild-Quelle: Voigt (o.J.) |
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Langerfelder Markt: |
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Auf die Befreiungskriege folgte eine lange Friedenszeit. Die Gewerbezweige konnten zunächst ihre alte Bedeutung wiedererlangen. In der Nähe der Bleichen entstanden die ersten Fabriken. Nach der Einführung der Dampfkraft und der Erfindung der Spitzenmaschine bahnte sich auch in der Band- und Spitzenfabrikation der Übergang von der Heimarbeit zum Fabrikbetrieb an.
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Die Eisenbahnanlagen am Güterbahnhof um 1911. Bild-Quelle: Voigt o.J. S. 31 |
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Die Entwicklung von einer Landgemeinde zum Industrieort verdeutlichen die Einwohnerzahlen, die von 4.157 im Jahr 1856 auf 14.832 im Jahr 1910 anstiegen. Dieser Aufstieg wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkriegs jäh unterbrochen.
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Bänder und Spitzen
Die Langerfelder und Barmer Bänder, Kordeln, Litzen und Spitzen sind mir seit meiner Kindheit geläufig, da mein Großvater Otto Frensel in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. u.a. für die Langerfelder Spitzenfabrik Henkels tätig war und meine Mutter noch Erzeugnisse aus der dortigen Produktion verarbeitet hat. Aus diesem Grund sind die Bänder und Spitzen in diese Webseite mit hineingekommen. Günther Voigt hat dem Thema in seiner Geschichte Langerfelds mehrere Kapitel gewidmet. |
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Hauptgebäude der ehemaligen Spitzenfabrik Henkels, Langerfelder Straße 129 |
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Bänder und Riemen
In den letzten Jahrzehnten des 17. Jh. ließen sich in Langerfeld zu den wenigen einheimischen Webern und Bandwirkern weitere nieder, die wohl aus dem Wuppertal zuzogen. Auch einzelne Einwohner der Bauerschaft begannen mit der gewerblichen Produktion. [Voigt S. 58]
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![]() Eine Schnürriemen"fabrik" 1789. Arbeitsplatz, Wohnstätte, Schlaf- und Kochstelle befanden sich in einem Raum. Zeichnung des Schwelmer Theologen und Kartographen Friedrich Christoph Müller (1751-1808) |
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![]() Eine Bandwirkerei 1789. Zeichnung von Friedrich Christoph Müller |
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In der Einwohnerliste von 1784 bezeichnet sich kein Einwohner als Schnürriemenhersteller. Vermutlich rechneten sie sich zu den Bandmachern. Aus einem Text von Pastor Friedrich Christoph Müller über die Schnürriemenfabrik: "Das Flechtwerk, welches die Festigkeit eines Schnürbandes erfordert, war durch den Mechanismus eines Bandstuhles nicht heraus zu bringen. Damit nun keine Bandsorte fehlen möchte, hat man andere, ebenfalls sehr künstliche Maschinen, erdacht, wodurch dies bewerkstelligt wird. Auf diesen Maschinen, welche Schnürriemensgetauen heißen, können 6 bis 8 Stück auf einmal gewirket werden." [zit. bei Voigt S. 92 f]
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In den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. entwickelte sich die Riemendreherei in Langerfeld stetig aufwärts. Die hölzernen Riemengänge, die bis dahin mit dem Fuß oder mit der Hand angetrieben worden waren, wurden nun mit Dampfkraft bewegt. Zu den Schnürriemen und Litzen traten in der Produktion verschiedene Muster feiner Litzen und Zackenlitzen. [Voigt S. 152 f]
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Maschinell hergestellte Spitzen und Bänder aus Langerfeld, um 1910-1920 |
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Bis 1895 liefen in der Firma Hedtmann Versuche, eine einfädige Klöppelspitzenmaschine zu konstruieren. Der in den 80er Jahren zur Spitzenfabrikation umgebaute Riemengang war mehrfach verbessert worden. Da gelang der französischen Firma Malaire die Herstellung einer ersten brauchbaren einfädigen Klöppelspitzenmaschine, nachdem sie die Patente der Firma Büsche aus Schwelm hatte erwerben können. Die Firma Henkels verschaffte sich das Mitbenutzungsrecht, das auch die britische Firma Birkin in Nottingham erhielt.
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Das Straßenbild um 1900
Mein Großvater kam um 1900 nach Barmen bzw. Langerfeld. Wie es um diese Zeit dort "im Dorf" aussah, beschreibt Günther Voigt so: |
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"Um die Zeit der Jahrhundertwende sah das Straßenbild anders aus als heute. Im Abstand von einer halben Stunde brachte die Elektrische Bahn die Langerfelder für einen Groschen nach Schwelm oder Barmen. Pferd und Wagen, Flachkarren, Handwagen oder Schubkarren, vereinzelt Fahrräder, beherrschten das Straßenbild.
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Alte Ortsbezeichnungen in Wuppertal-Langerfeld
Langerfeld (ohne den Bezirk Beyenburg) erstreckt sich heute von der Kemna an der Wupper bis zur Bramdelle nördlich Jesinghausen, von der Oehde und Rauental an der Wupper bis zur Grenzöhde an der Stadtgrenze zu Schwelm. Eine ungefähre Vorstellung, wie es hier vor vielen hundert Jahren ausgesehen haben könnte, lässt sich aus den alten Orts- und Flurnamen ableiten. Günther Voigt hat einige Deutungen zusammengetragen: |
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"Die älteste Siedlungsstelle ist Jesinghausen, eine -inghausen-Siedlung, die schon um 800 bestanden haben dürfte. Der nördliche Abhang zwischen Jesinghausen und Höfen, der zur Schwelme hin abfällt, war einst mit Wald bedeckt. Darauf weisen die Namen mit Loh hin. Loh bedeutet Wald, und in diesem Gebiet finden wir Stelloh (Hof Kämper), Werloh (von Werth = Insel), Dornloh und Webersloh.
Nach der Überlieferung gab es bis zur Jahrhundertwende auffallend viele Bäume im Ort. Neben den Kastanien an der Langerfelder Straße und den Linden an der Schwelmer Straße wird berichtet vom Grünen Baum an der Grenze, von einer mehr als 600 Jahre alten Eiche und einer 200jährigen Silberpappel auf der Pülsöhde, von einer Jahrhunderte alten Linde am Haus Rauenthal, von Bachs Bauke auf dem Ehrenberg und dem hohen Birnbaum in Cleffs Hof.
Die Öhde ist eine schlechte Wiedergabe des mundartlichen Wortes Öh, das mit öde und leer nichts zu tun hat. Es stammt vom Hochdeutschen Aue ab. Wir kennen die Oehde an der Wupper, die Wilde Öhde, die Beyeröhde, die Pülsöhde, die Noldenöhde, die Hölkesöhde und die Grenzöhde. Früher gab es noch die Tönnisöhde und die Johannesöhde. In diesen Namen stecken die Familiennamen Beyer, Puls, Nolde, Hölken, Tönnies und Johannes. Zwischen Pülsöhde und Noldenöhde liegt Gut Röttgen. Röttgen leitet sich von Roden ab, wie auch der Bach in der Nähe eigentlich Röheker Becke heißen müßte. Zahlreiche alte Flurnamen wiesen in Langerfeld auf Rodungszeiten hin wie Gerotte, Rottland, im Rott, im Hacken oder Hackert. Im Rauental (früher Ruwendelle, das heißt 'rauhes Tal') befand sich früher die Mehlmühle der Gemeinde, die mit Wasserkraft aus dem Mühlengraben angetrieben wurde. Dort lagen die Siedlungen 'am Strange' und 'Mühlenkamp'.
Ein kleines, enges Tal wurde früher mit 'hohl' bezeichnet. Auf dem Wulfeshohl wohnte einst eine Familie Wulf. Mit 'hohl' verwandt ist auch Hölken.
Auch seltene Namen gab und gibt es im Ort. Die 'Insel' ragte wie eine Insel über dem Dorf Langerfeld (Feld des Landger), das nach Osten in einen Zipfel (Timpen) mündete.
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Genealogisches
1912-1945 wohnte Familie Frensel im eigenen Haus in der Langerfelder Weddigenstraße 37 (früher Höhenweg). Otto Frensel arbeitete als Elektrotechniker u.a. für die Spitzenfabrik A. & E. Henkels. |
![]() 1912 Das neu erbaute Haus Weddigenstraße 37 |
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![]() 1918 Blick vom Höhenweg auf Langerfeld und Buschens Wiese: Frensels Kinder und Gänse. |
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Mein Großvater Otto Frensel erbaute das Haus in der Weddigenstraße 37, die damals noch Höhenweg hieß, um 1910/12. Die vier Frensel-Kinder verlebten hier eine paradiesische Kindheit und Jugend.
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Zur Weddigenstraße notiert Wolfgang Stock in seinem Buch über die Wuppertaler Straßennamen:
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Quellen: |