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Dahler Hammer (Viehbach)

Dahler Hammer
Um 1900   Dahler Hammer
Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen
 
Lage
Sagen und Legenden
Geschichte und Eigentümer
    -   Eigentümer Weyersberg
    -   Eigentümer Kronenberg
    -   Eigentümer Piepenstock
    -   Eigentümer Hammerstein
Der Hammer
Die Gastwirtschaft
Das Ende
Namen
Raffinierstahl

   Hofschaft Dahl



Lage

Der Dahler Hammer lag in Solingen-Merscheid westlich der Hofschaft Dahl am Viehbach in dem nach ihm benannten "Hammerthal" am unteren, westlichen Ende der Hammerstraße, kurz vor der Stelle, an der heute die Stadtautobahn L141n verläuft. Der Hammer ist auf der Karte von Ploennies aus dem Jahr 1715 auf der rechten Bachseite verzeichnet.




Sagen und Legenden

Ernst Knupp hat 1925 eine Erzählung über Schloss Caspersbroich aus dem 15. Jh. veröffentlicht. Inwieweit die Erzählungen sich um einen wahren historischen Kern ranken oder ob der Autor ausschließlich seine Phantasie hat walten lassen, kann ich nicht beurteilen.

In dieser Erzählung ist auch vom Dahler Hammer die Rede, von einem dort tätigen Schwertschmied namens Bolko Dinger und einem hexengläubigen Dahler Richter namens Christian Weyersperg, der in der alten Hof- und Dingstätte Dahl im Namen des Landesfürsten Urteile gesprochen hat.

Der Name Dinger erscheint im 17. Jh. unter den in der Bruderschaft der Schwertschmiede vertretenen Solinger Handwerkerfamilien, ebenso der Name Weyersberg, der im 18. Jh. auch als Eigentümer des Hammers erscheint. Familie Weyersberg stellte außerdem mindestens seit dem 16. Jh. Stadtschöffen und Bürgermeister [Rosenthal 1. Bd.], warum also nicht 100 Jahre früher auch einen Richter. Ob ein Vorgänger des Dahler Hammers tatsächlich schon im 15. Jh. bestanden hat, ist nicht bekannt.




Geschichte und Eigentümer

Der Dahler Hammer gehörte zu den ältesten Hämmern im Solinger Industriebezirk. Trotz seiner langen Geschichte sind die Eigentumsverhältnisse relativ übersichtlich.




Eigentümer Weyersberg

1715 war ein Hammer lt. Ploennies-Karte vorhanden.
1722 wird der Hammerschmied Wilhelm Weyersberg genannt, der den Dahler Reckhammer am Viehbach einrichtete und betreiben ließ. Er könnte identisch sein mit dem Klingenkaufmann Wilhelm Weyersberg (geb. am 23.04.1689), der am 16.04.1739 Kirchenältester von Wald und Synodaler auf der Synode zu Mettmann war und der 1735 als Klingenkaufmann 47 Zentner Klingen versandte. [maschinenschriftliche Notiz, StA Solingen]




Eigentümer Cronenberg, Kronenberg

1747 wird ein Schmied Cronenberg (Kronenberg) in Dahl erwähnt [s.u.].

1750 ist als erster Hammerschmied "Wilhelm Kronenberg zu nennen, der vor 1746 mit Anna Christina Tesche verheiratet war. Anna Christina Tesche (geb. um 1707) starb im Dahler Hammer am 18.10.1786." [Lunkenheimer S. 159]

  1750 ist Peter Cronenberg mit 1 Taler 32 Albus Wassererkenntnis im Rentmeisterei-Jahresabschluss von 1750 des Rentmeisters Kannegießer "in den Honschaften Barl und Hackhausen" verzeichnet, 1755/56 ist es Wilh. Cronenberg. Die Zuordnung zum Dahler Hammer geht daraus nicht hervor.

  Im selben Rentmeisterei-Abschluss ist Peter Melchior im Dahl mit 1 Taler 4 Alb. verzeichnet. Offen ist, ob er Miteigentümer des Dahler Hammers war oder Miteigentümer eines anderen Viehbachkottens, nämlich des Troger Kottens.

  Wilhelm Kronenberg war mit Anna Christina Tesche offenbar auch noch 1758 verheiratet.


1758 folgt der nächste Hinweis: die Inschrift am Türbalken des Dahler Hammers, die in mehreren Artikeln (mit kleinen grammatikalischen Abweichungen) erwähnt wird:


"Befehle dem Herren deine Wege und hoffe
auf ihn. Er wird es wohl machen. Psalm 37
Wilhelmus Kronenberg und Anna Christine
Tesche Eheleut Anno 1758, d. 5. Oktobris."


1779 erscheint der Name Kronenberg im Tax und Matriculbuch. Wann das angegebene Grundstück erworben wurde, geht daraus nicht hervor. Die Angaben zum Hausbau sind Vermutungen:

"In der Honnschaft Limminghofen wurde im Jahre 1779 ein neues 'Tax und Matricul-Buch' angelegt, in dem die Erbgüter und Parzellen der Honnschaft auf die damaligen Besitzer mit Größenangabe und Wert eingetragen wurden. Dieses 'Tax und Matricul-Buch' verzeichnet unter Im Dahl: »Aus Henrich Kuhls Wittiben Guth hat nunmehr Wilhelm Kronenberg am Dahler Hammer Land, und zwar 2 Morgen 3 Viertel 6 5/12 Ruthen taxirt zu 39 Rthlr. 9 Albus 5 Heller.«

Wilhelm Kronenberg war Reckhammer-Schmied und wird auf dem von der Witwe Kuhl angekauften Grundstück im Viehbachtal im Jahre 1758 ein Haus mit Schmiede für seinen Hammer erbaut haben, den sogenannten Dahler Hammer".

[ST v. 23.10.1954]


Vielleicht haben die Eheleute Kronenberg das Haus aber gar nicht neu gebaut, sondern sind am 5. Oktober 1758 in ein vorher vorhandenes Haus eingezogen:

"Wahrscheinlich ist der Hammer aber noch älter, als die Inschrift besagt, oder der alte hat damals dem jetzigen Platz machen müssen. Es existieren nämlich noch Papiere, die älter sind und auf den Schmied Kronenberg im Dahler Hammer hinweisen. (Siehe Dr. Sommer: Klinge und Schere Nr. 10; Jahrg. 1924.)

Hiernach fuhr bereits im Jahre 1747 der Schmidt Kronenberg mit einem Fuhrmann Deuß aus Solingen nach Hitdorf, um dort im Auftrage des Klingenkaufmanns Johann Knecht jr. Stahl- und Eisenmassen einzukaufen, um diese dann später auszurecken."

[Max Schmidt: Durch das Lochbach- und Wybachtal. In: Die Heimat, Solingen, 1930, S. 102]



Vier Töchter und zwei Söhne wurden dem Ehepaar Wilhelmus Kronenberg und Anna Christina Tesche im Dahler Hammer geboren. Der älteste Sohn Johann Peter Kronenberg, Hammerschmied am Dahler Hammer, wurde am 4.11.1741 getauft und heiratete am 05.02.1779 Anna Maria Hoppe in Wald.

Der zweite Sohn, Johann Abraham Kronenberg, Hammerschmied am Dahler Hammer, getauft am 05.11.1750, heiratet in Wald am 18.08.1774 Maria Luise Hermes. [Lunkenheimer S. 160]

Der Sohn dieser Eheleute Johann Peter Kronenberg (getauft am 04.12.1774), Scherenschmied am Dahler Hammer, setzt die Tadition der Hammerschmiede im Dahler Hammer fort. Er heiratet in Wald am 25.08.1804 Anna Gertrud Butz, Tochter der Eheleute Peter Butz und Anna Margarethe Heidelberg aus Hübben.

Am 07.12.1820 starb Johann Peter Kronenberg im Alter von 46 Jahren. [Lunkenheimer S. 160]




Eigentümer Piepenstock

Am 22.01.1831 heiratete seine Schwester Friederica Kronenberg (geb. am 08.01.1798) in zweiter Ehe den Hammerschmied Peter Johann Piepenstock, geb. am 20.03.1803 in Hülscheid. Die Piepenstocks stammten aus Hörde in Westfalen. Johann Peter Piepenstock wurde durch seine Heirat mit Friedrica Kronenberg Mitinhaber des Dahler Hammers. [Lunkenheimer S. 160]  Er starb am 14.09.1851 mit 48 Jahren am Dahler Hammer. [StA Solingen]

August Piepenstock, Sohn aus dieser Ehe (* 02.07.1834) und verheiratet mit Emma Clauberg, war wohl der letzte Hammerschmied im Dahler Hammer. Über den Versicherungswert der Anlage vermerkt das Brandkataster:

01.01.1837 Brandkataster No. 546
Dahlerhammer
Dahl 1
Piepenstock, Johann Peter
             Haus mit Hammer          850 Thlr.
             Schmiede und Pferdestall 200
Wttb.        Scheune                  300
             Anbau 28.01.1857         130
[Grah]

"Eigentümer war in den 60er Jahren August Piepenstock, der in dem Werk Seitengewehre und Hauer reckte und seine Erzeugnisse meist mit Pferd und Wagen durch Dahl und über die Merscheider Straße nach Solingen zu den Fabrikanten brachte. [...] Da der Viehbach nicht so viel Wasser führte, daß man den ganzen Tag arbeiten konnte, betrieb Piepenstock nebenbei Ackerwirtschaft. Als die modernen Fabriken entstanden, ging der Betrieb im Dahler Hammer zurück." [ST v. 30.11.1937]


Ähnliches stand im Ohligser Anzeiger v. 03.12.1937 und in der Rheinischen Landeszeitung v. 04.12.1937.

Alle drei Zeitungsartikel enden mit dem ungeprüften Hinweis, dass der Hammer später abgerissen worden sei. Ein Irrtum, der am 04.12.1937 in einer kleinen Notiz im Solinger Tageblatt korrigiert wurde, verbunden mit der Ergänzung, dass Piepenstock für eine Merscheider Fechterfirma Hermes reckte.

  Piepenstocks Großmutter war eine geborene Hermes.

"August Piepenstock ... wurde als Fechterrecker bezeichnet, wahrscheinlich hat er Fechtklingen gereckt. Der Hammerbetrieb lag in den unteren Räumen, im 1. Stockwerk wohnte der Eigentümer Piepenstock und betrieb nebenher eine Ackerwirtschaft, weil die Arbeit im Dahler Hammer zurückging. [Lunkenheimer S. 160]

  Auch die meisten Schleifer betrieben von jeher nebenbei Gartenbau, Ackerwirtschaft und Kleinviehhaltung oder übten eine Zweitbeschäftigung als Wirt oder Bäcker aus. In Abhängigkeit von den Wasser- und Witterungsverhältnissen konnten sie in den Bachkotten ihrem eigentlichen Gewerbe nicht durchgehend nachgehen und hatten daher Zeit für eine zusätzliche "gesündere" Beschäftigung.

Der Dahler Hammer ist etwa 140 Jahre lang in Händen der Familie Kronenberg-Piepenstock geblieben.




Hammerstraße
 
Um 1910
"Merscheid - Hammerthal"
Die Hammerstraße führt hinauf zur Merscheider Straße.
Postkarte
Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen

Auf dem Bild oben ist das Dach des Dahler Hammers auf der linken Seite sichtbar. Der Weg links führt zum Gelände der Firma Robert Hammerstein, der Weg rechts zur Hofschaft Dahl. Im Hintergrund ist die ev. Kirche an der Hofstraße zu sehen. Der Aufnahmestandpunkt ist heute nicht mehr möglich. Der Teich wurde (vielleicht nach der Stilllegung des Hammers) verändert; diese Ansicht muss nicht den ursprünglichen Verhältnissen entsprechen.




Der Hammer

"... der Hammer ist einer der ältesten in unserem Industriegebiet, in dem Raffinierstahl hergestellt wurde. Der Hammer und sein ehemaliger Besitzer hatten hierdurch den Zorn der zeitgenössischen Solinger Schwertschmiede auf sich geladen und mehr als einmal hat man, wie die Ueberlieferungen besagen, in den Kreisen der Schwerthandwerker daran gedacht, den unbequemen Hammer dem Erdboden gleichzumachen." [Schmidt 1930 S. 102] Sie fürchteten durch das neue Erzeugnis geschädigt zu werden.

"Eine Schwertschmiedeordnung aus dem Jahre 1687 verlangte sogar, daß die Klingen wie bisher mit der Hand geschmiedet werden sollten und kein Schwertschmied sich des Reckhammers bedienen sollte." [ST v. 23.10.1954 -n-]

Am 24.04.1884 erhielt der "Weg von Merscheid nach dem Hammer im Dahl" bei einer Straßentaufe den Namen "Hammerstraße". [ST v. 23.10.1954]

Bis etwa 1887 soll der Hammer in Betrieb gewesen sein [ST v. 30.11.1937]; das Wasserrad soll sich an der rechten Seite des Hauses befunden haben. [ST v. 23.10.1954]

"Der Dahler Hammer wurde Ende der 80er Jahre stillgelegt, wahrscheinlich, weil Piepenstock [...] gestorben war. [...] Die Hammerachse wurde im Müngstener Elektrizitätswerk als Grundbohlen für die Dynamomaschinen verwendet." [ST v. 04.12.1937]

"Nach der Stillegung des Hammers wurde die Schmiede zu einem Schleifkotten umgewandelt; heute ist auch dieser nicht mehr in Betrieb" - war am 23.10.1954 im Solinger Tageblatt zu lesen.

Wie lange der Schleifkotten bestand, ist ungewiß. [Lunkenheimer S. 160]




Die Gastwirtschaft

Ebenso wie einige Mühlen an den Solinger Bächen in landschaftlich reizvoller Lage wurde auch der Dahler Hammer um die Jahrhundertwende in eine Gastwirtschaft mit unvermeidlichem Gondelteich umgewandelt.

   Nimmt man es mit den Jahreszahlen nicht allzu genau, so scheinen sich die einzelnen Quellen im Großen und Ganzen weitgehend einig zu sein.

Lunkenheimer schreibt dazu:
"1890/91 soll der Schreinermeister Ferdinand Soffel das Hammerwerk erworben und dort eine Gartenwirtschaft betrieben haben. Nach Soffel sind drei weitere Besitzer des Anwesens bekannt: Richter, Walter Bröcker und zuletzt Frantzen. [Lunkenheimer S. 160]

Hans Grah hat folgende Daten ermittelt:

27.05.1894 Wirtschaftskonzessionen
           Bauunternehmer Ferd. Soffel, Merscheid
           Gesuch, Konzession einer Sommerwirtschaft (nebst Hühnerzucht)
           Erlaubnis: Flaschenbier, Wein, Likör, Milch, Kaffee,
                      jedoch kein Schnaps
           Frau und 8 Kinder, schlechter Geschäftsgang,
           will "in schönster Lage" eine Badeanstalt eröffnen.
           - Abgelehnt -

25.01.1895 Soffel zieht nach Dahler Hammer, Hühnerzucht
           Auf Wunsch der Bürger von Merscheid und Ohligs
           Badeanstalt und Sommerwirtschaft
           [eröffnet? geplant? beantragt?]
           08.06.1896 neues Haus Hammerstraße 15

08.06.1896 Konzession: beschränkte Schenkwirtschaft, Wein, Bier, Kaffee
           Waldanlagen, stark besucht, im Winter Eisbahn

29.03.1897 Konzession: Hammerstraße 5, Gastwirtschaft
           Gastzimmer, 3 Fremdenzimmer, 5 Betten
           Stallung für 2 Pferde

16.11.1897 Übertragung auf Richard Clarenbach, Kaufmann, Remscheid,
           *30.06.1859 in Wermelskirchen

1898       Gastwirtschaft, Leopold Richter, Haus von Soffel gemietet

1899       Walter Bröcker, Sattler- und Polstermeister
           Vergnügungsetablissement "Im Kühlen Grunde"

1904       Umwandlung in eine Schenkwirtschaft

1904       Joh. Wilh. Franzen, *18.07.1879 in Meiderich,
           Haus gekauft, war Soldat, China, hohe Auszeichnungen
           Wirtschaft "Im Hammertal" mit Gondelteich

10.12.1906 an Firma C.R. Hammerstein verkauft

Folgender Ausschnitt aus einer Ansichtskarte von 1898 trägt die Aufschrift:
"Gruß aus dem Hammerthal - Restaurant zum Kühlen Grunde.
Besitzer Walter Bröcker.
Romantisch gelegener Ausflugspunkt - 15 Minuten von Station Ohligs - Kreisbahnhaltestelle Hammerthal."

Wie damals üblich: Angabe von Zeit und Weg anstelle einer Adresse.

Hammertal
Gruß aus dem Hammerthal. Detail einer Ansichtskarte von 1898.
Vermutlich gehören die beiden großen Gebäude rechts zur Firma Hammerstein.
Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen



Walter Böcker war der Sohn eines Schwertschmiedes in Wald, der dort schon eine Wirtschaft betrieb. So berichtete das Solinger Tageblatt am 3. Januar 1938 nach Angaben von Bröckers Tochter.

"Walter Bröcker habe 1898 den Dahler Hammer gekauft und zu einer Wirtschaft mit Garten herrichten lassen. Rechts im Vordergrund des Bildes sieht man das Hammergebäude, dahinter einen Unterstellraum für Wagen. Auf dem Teich (links) konnte man im Sommer gondeln und im Winter Schlittschuh laufen. Auf der Insel, die durch einen Steg mit dem Land verbunden war, befand sich ein Musiktempel. Hinter dem Teich, unter den Bäumen, waren im Sommer Tische aufgestellt. Der Weg neben dem Teich, der zur Höhe führt, ging in Richtung Schmalzgrube, während der Weg vor dem Haus nach rechts zur Merscheider Straße führte.

Die Wirtschaft habe, so sagt unsere Leserin, bis 1905 bestanden, dann sei, soviel sie sich erinnere, wieder eine Fabrik daraus geworden."

ST v. 03.01.1938


Bis 1905 soll die Gastwirtschaft bestanden haben, dann zog ein Fabrikbetrieb in die Räume ein. Später wurden die Räumlichkeiten in Wohnungen umgebaut. [Lunkenheimer S. 159 f]

In den 1930er Jahren wurden sie von mehreren Familien bewohnt. [ST v. 04.12.1937 und 03.01.1938]  




Das Ende

Das Hammer-Gebäude, das noch zuletzt Wohnhaus gewesen ist, musste der Trasse der "Viehbachtangente" weichen. Es soll 1973/74 kurz vor dem Bau der L141n abgebrochen worden sein.




Namen

1722   wird Wilhelm Weyersberg
1747   Cronenberg (Kronenberg)
1750   Peter Kronenberg
1758   Wilhelm Kronenberg, verheiratet mit Anna Christina Tesche
1779   Johann Peter Kronenberg, Heirat mit Anna Maria Hoppe
1774   Johann Abraham Kronenberg, Heirat mit Maria Luise Hermes
1804   Johann Peter Kronenberg, Heirat mit Anna Gertrud Butz
1831   Friederica Kronenberg, Heirat mit Peter Johann Piepenstock
1854, 1884   August Piepenstock, Heirat mit Emma Clauberg
Karl Robert Hammerstein
1890/91, 1894, 1895   Ferdinand Soffel
1897   Richard Clarenbach
1898   Leopold Richter
1898   Walter Bröcker
Frantzen



Raffinierstahl

Raffinieren bedeutet lt. Knaurs Lexikon "Reinigen u. Läutern von Rohstoffen (z. B. Kupfer, Eisen, Erdöl, Holzstoff." Raffinierstahl war der Qualitätsstahl der Vergangenheit, bevor die Hüttenindustrie Stahl mit den gewünschten Eigenschaften in flüssigem Zustand herstellen konnte.

Das Raffinieren geschah folgendermaßen:

(1) Der Stahl wurde zu Leisten ausgeschmiedet, sog. Rippen, etwa 70 cm lang, 5 cm breit und 5 mm stark.

(2) 14 bis 20 Rippen, meist aus drei verschiedenen Stahlqualitäten bestehend, wurden mit einer Zange gefasst und aufeinander geschichtet.

(3) Das Ganze wurde wieder erhitzt und und an je einer Hälfte des "Rippenbündels" zusammengeschweißt.

(4) Durch das Schmieden verlängerte sich das Rippenbündel mindestens auf die doppelte Länge der ursprünglichen Rippen.

(5) Dieses "gewellte", d. h. zusammengeschweißte und gereckte Schmiedestück wurde erneut erhitzt und anschließend umgebogen, bis beide Enden sich beinahe berührten.

(6) Anschließend erfolgte erneutes Erhitzen, Aus- und Durchschmieden auf mindestens das Doppelte der ursprünglichen Rippenlänge. Das Ergebnis war der "einmal gebogene Raffinierstahl". Wurde das Schmiedestück zum zweiten oder dritten Mal erhitzt, umgebogen und ausgeschmiedet, erhielt man mit diesem "zwei bzw. drei Mal gebogenen Raffinierstahl" eine weiter verbesserte Stahlqualität.

[Viehbahn S. 37]

Auch die Erläuterungen von Hardenberg, der 1940 eine Arbeit über die "Fachsprache der bergischen Eisen- und Stahlwarenindustrie" veröffentlicht hat, sollen hier nicht vorenthalten werden:


RAFFINIEREN:
"Schmiedeeisen und Rohstahl mehrmals zusammenschweißen und ausschmieden, auch gärben genannt.

Arbeitsvorgang beim Raffinieren:
die Rohstahl- und Eisenrippen werden zu einer sog. Zange zusammengeschichtet, mit der Bonn- und Griep-tang (Greifzange) gefaßt und tesamengewellt;
das erste Zusammenschweißen nennt man plätten;
das Ergebnis sind geplättete Rippen oder die Rippentang,
diese wird nun in der zweiten Hette mit der Rippenkusentang gefaßt, gewellt, utgeschmedt und römgepackt;
das Ergebnis ist der Rippenkusen,
dieser wird in einer dritten Hette mit der gebogenen Tang und der gebogenen Welltang gefaßt, gewellt, utgeschmedt und engehauen;
das Ergebnis ist die gebogene Tang,
sie wird in der vierten Hette mit der gebogenen Schmedttang gefaßt, gewellt und römgepackt;
so erhält man den gebogenen Kusen,
er wird zu ganz gewellten Stückern durchgehauen und in einer letzten Hette vürgeschmedt und op jede Mote gereckt;
die beim letzten Arbeitsvorgang gebrauchte Zange heißt Stöckerschmedtang und Recktang."

[Hardenberg S. 136 f]


Quellen:
  • Clauberg, Solinger Tageblatt vom 17.10.1940 (Kannegießer)
  • Grah, Hans: Kotten und Mühlen im Ohligser Bereich. Ergänzungen, Berichtigungen (1990)
  • Hardenberg (1940)
  • Knaurs Lexikon von A-Z (1991)
  • Knupp, Caspersbroich (ca. 1925)
  • Lunkenheimer (1990) S. 159 f
  • Ohligser Anzeiger vom 03.12.1937
  • Rheinische Landeszeitung vom 04.12.1937
  • Rosenthal Bd. 1 (1973)
  • Schmidt, Max (1922)
  • Schmidt, Max: Durch das Lochbach- und Wybachtal. Die Heimat 1930
  • Solinger Tageblatt vom 30.11.1937, v. 03.12.1937, v. 04.12.1937 und v. 03.01.1938 [ST]
  • Solinger Tageblatt vom 23.10.1954 -n- [ST]
  • Stadtarchiv Solingen, 0-4 Kotten [StA]
  • Viehbahn (1983)

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