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Kotten und Mühlen
Solingen
Itter |
Kuckesberger Kotten [M] |
![]() Kuckesberger Kotten 1964, Bergseite. Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen |
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Lage Geschichte und Eigentümer Das Ende Namen Wolfgang Niederhagen im Kuckesberger Kotten |
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Lage
Der Kuckesberger Schleifkotten befand sich zwischen Ohligs und Haan unterhalb der Hofschaft Kuckesberg. "An einer Stelle, wo sich der Fluß wieder dem Buchenhang nähert, wachsen, nur für das kundige Auge sichtbar, auf einem hausgroßen Rechteck ganz dicht beieinander schlanke Erlen. Das ist die Stelle, wo der alte Schleifkotten stand". [Niederhagen]
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Geschichte und Eigentümer
Anders als die meisten anderen Solinger Bachkotten wurde der Kuckesberger Kotten nicht nach seinem jeweiligen Besitzer, sondern nach seinem Standort unterhalb der Hofschaft Kuckesberg benannt.
1732, 2.5 Obl. Protokoll
Clemens Grahe, Mankhausen oo Anna Marg. Grahe (Obenmankhaus)
300 Ta.
Pfand: Erbgut zu Mankhaus, wie bei Erbtheilung durch Loos anerfallen,
wie auch Verbesserung des halben Schleifkottens am Kuckesberg
(lt. Taxbuch Schnittert 1779 gehörte ursprünglich Grund und Boden
des Kottens zum Peter Kratz Guth zu Kuckesberg)
[Grah]
1750 war wieder ein "Peter auf'm Kuckelsberg" steuerpflichtig, diesmal mit 70 Albus gelistet im Rentmeisterei-Jahresabschluss des Rentmeisters Kannegießer; 1755/56 war es Clemens Grahe. "In dem Tax- und Matriculbuch der Honnschaft Schnittert wird 1779 Johann Peter Grahe am Kuckelsberg als Kotteneigentümer genannt.
1808 Steuerbuch Kirchspiel Wald (II B 16)
Seite 1016 Kuckesberg
Johann Abraham Grah mit Schleifkotten 7 1/2 Morgen Tax 14 alb.
1837 waren laut "Brandkaster der Gemeinden Merscheid, Schnittert und Barl" F. Mutz und Daniel Grah Eigentümer. Sie hatten - wohl in weiser Voraussicht - Schleifkotten und Radhaus ab 26. Mai 1837 mit 600 Talern versichert und mussten dafür jährlich 1 Rhtlr. Beitrag zahlen. 1839 werden Gebrüder Mutz und Wilhelm Grah angegeben. 1870 betrug die Versicherungssumme 2 000 Taler. [Stadtarchiv Solingen, Akte H.A.IV-F-1, Brandkataster 1837, Nr. 679]
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Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 9. Januar 1839
"Da ich Willens bin, meinen Antheil, nämlich ein Viertheil des auf der Itterbach, beim Kuckesberg gelegenen Schleifkottens, welcher zum Messerschleifen eingerichtet ist, aus freier Hand zu verkaufen, so ersuche ich die darauf Reflectirende, sich deshalb bei W. & Dan. Dültgen junior zu unten Herberg, oder bei mir selbst um das Nähere zu befragen; auch kann auf Verlangen der Kaufschilling gegen gute Sicherheit stehen bleiben.
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Um 1839/40 brannte der Kuckesberger Kotten ab [Lunkenheimer]; er wurde um 1840 neu aufgebaut.
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Ausschnitt aus dem Lageplan und Nivellement Klaaskotten und Kuckesberger Kotten von 1846. Stadtarchiv Solingen; Abb. bei Lunkenheimer S. 78 f |
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Offenbar wurde 1856 den damaligen Besitzern, dem Schleifer Johann Wilhelm Grah und Genossen zu Keusenhof, der nun 16 Jahre alte Kotten zu klein. Sie entschlossen sich, ihn abzubrechen und an seiner Stelle einen größeren zu errichten: |
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Bergisches Volksblatt No. 49, 8. Jahrgang vom 17. Juni 1856 "Bekanntmachung.
Die Besitzer der sogenannten Kuckesberger Schleifkotten, Schleifer Johann Wilhelm Grah und Genossen zu Keusenhof, beabsichtigen diesen Kotten abzubrechen, und denselben so wieder aufzubauen, dass derselbe die Grundstücks Nro. 312, 313 und 302 in Flur 3 berührt, bei welchem Neubau das obere Gerinne am Schalte sich nur ein wenig ändert. Das Abflußgerinne aber erhält vom Anfangspunkte aus auf eine kurze Strecke ein anderes Bett.
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Im Öffentlichen Anzeiger, dem Amtsblatt der Regierung in Düsseldorf, erschien 1868 folgende Anzeige: |
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Öffentlicher Anzeiger, Nummern 1570 und 1631, 1868
"Der Besitzer des auf der Itterbach belegenen sogenannten Kuckesberger Kotten, Schleifer Wilhelm Grah, Ferdinand und Gustav Mutz, beabsichtigen das 10 Fuß hohe Wasserrad um 1/2 Fuß zu erhöhen, so daß dasselbe eine Höhe von 10 1/2 Fuß erhält und das 4 Fuß breite Schalt um 2 Fuß zu erbreitern, so daß dasselbe eine Breite von 6 Fuß erhält.
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Es kommen hier mehrere Personen der großen Familie Mutz infrage. Zum Beispiel:
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![]() Die Kotten-Belegschaft 1905. Stehend, 4. von links: Friedrich Mutz; sitzend, rechts: Bruder Hugo Mutz mit Sohn Walter. Bild-Quelle: Jürgen Mutz, 2005 |
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![]() Friedrich Mutz (20.07.1862-18.05.1909) |
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Die Belegschaft des inzwischen recht lädiert aussehenden Kottens um 1914. Vorn 3. von links: Hugo Mutz. Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen |
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Das Solinger Tageblatt schrieb 1959, als der Kotten noch voll in Betrieb war: |
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Solinger Tageblatt vom 22.08.1959 Die Heinzelmännchen vom Kuckesberg
"[...] Der heutige Kotten war früher Gemeinschaftsbesitz mehrerer Schleifer und wurde in den 70er Jahren [1870er] von der Familie Mutz, in deren Besitz er noch heute ist, mit allen Wasserrechten erworben. Das Wasserrad, ehemals aus Holz, wurde 1890 durch ein Eisenrad, welches noch immer seine Dienste tut, ersetzt.
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Hilfreiche Heinzelmännchen gab es auch an der Wupper. |
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Das Ende
Im Jahr 1965 sollte das Regenrückhaltebecken Kuckesberg gebaut werden. Im Jahresbericht 1964 des Itterverbandes ist ein Plan des betroffenen Gebietes abgedruckt, auf dem der Kuckesberger Kotten - ohne Bezeichnung - eingetragen ist. |
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Im Juli 1964 erteilte der Regierungspräsident in Düsseldorf den Planfeststellungsbescheid für die Anlage des Regenrückhaltebeckens Kuckesberg. Mit den Bauarbeiten wurde 1965 begonnen. Mit dem Bau des Regenrückhaltebeckens war ein gleichzeitiger Ausbau der Itter mit teilweiser Verlegung auf einer Gesamtstrecke von 560 m verbunden, um den "Zu- und Ablauf in geordnete Bahnen zu lenken". Lt. Bericht erhielt das Regenrückhaltebecken ("die größte Anlage dieser Art im Verbandsgebiet") bei Stauziel einen Stauraum von 120.000 m3 und hat bei Erreichung des Höchststaues ein Stauvolumen von 153.000 m3. |
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Hofschaft Kuckesberg 2004. In der Werkstatt (Mitte) hat Schleifer Mutz nach dem Abriss seines Itter-Kottens weitergearbeitet. |
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1966/67 wurde das Kottengebäude durch den Itterverband abgebrochen. [Lunkenheimer S. 77] Heute ist hier der Bergisch-Rheinische Wasserverband zuständig.
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Namen
1683/84 Peter an dem Kuckelsberg 1750 Peter auf'm Kuckelsberg 1755/56 Clement Grahe 1779 Johann Peter Grahe 1784 Johann Peter Grohen (= Grah) 1837 F. Mutz und Daniel Grah 1839 Gebrüder Mutz und Wilhelm Grah 1846 Wilhelm Grah und Ferdinand Mutz 1856 Johann Wilhelm Grah 1868 Wilhelm Grah, Ferdinand Mutz, Gustav Mutz |
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Der Haaner Kunstmaler Wolfgang Niederhagen hatte im Kuckesberger Kotten bis zu seinem Abriss einen Raum als Atelier gemietet. In seinem Buch "Auf Schritt und Tritt" beschreibt er auf recht anschauliche bis deftige Weise, was er mit den Schleifern dort erlebte. Der Textauszug ist mit seiner Genehmigung hier wiedergegeben.
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Foto: Niederhagen |
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Auszug aus: Auf Schritt und Tritt. Erinnerungen von Wolfgang Niederhagen "... An einer Stelle, wo sich der Fluß wieder dem Buchenhang nähert, wachsen, nur für das kundige Auge sichtbar, auf einem hausgroßen Rechteck ganz dicht beieinander schlanke Erlen. Das ist die Stelle, wo der alte Schleifkotten stand, in dem sich einst mein Atelier befand, mein erstes Atelier, welches ich mir nach dem Studium der Malerei einrichtete.
Das selbständige Schleiferhandwerk war auf dem Rückzug und deshalb stand auch eine Schleifstube leer, die mir für geringe Pacht überlassen worden war. Mit den Männern verstand ich mich auf Anhieb gut, doch ich brauchte einige Zeit, um mich an die Geräusche im Haus zu gewöhnen. Es war nicht das Rumoren des Rades, das Kreischen der Steine oder der Gesang der Männer, was mich aufhorchen ließ, sondern die Geräusche des Feierabends, wenn das Haus leer war und ich einsam am Zeichentisch saß.
"Die Späße der Schleifer waren überhaupt recht drastisch. Als an einem schönen Sommertag zwei Nonnen durch das idyllische Tal spazierten, um sich an Gottes schöner Schöpfung zu erfreuen, machten die Männer gerade Frühstückspause. Alle Räder standen still, wie ausgestorben lag das Haus am Fuß des hoch emporragenden Waldes.
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Foto: Niederhagen |
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"... Als ich ein Bild von den arbeitenden Männern malte*, die tiefgebeugt über ihren Scheiben saßen, blieb mir nichts anderes übrig, als dauernd zwischen meinem Atelier und der Schleifstube hin und her zu pendeln, um so das optisch Aufgenommene auf die Leinwand zu übertragen, denn ein Arbeiten vor Ort war aus Platzgründen nicht möglich. Zu Gunsten der Komposition nahm ich, wie ich meinte, unwichtige Änderungen vor, von denen jedoch eine die Männer etwas verstimmte. Sie hatten mit einem Blick bemerkt, daß auf dem Bild statt sechs nur fünf Arbeiter zu sehen waren. Als sie vor dem fertigen Bild standen, schubste mich der taube Fehrekamp an und schrie mir ins Ohr: »Du häs'ser e-inen verjeten!«" [S. 95] ...
© 1999 Wolfgang Niederhagen. |
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Quellen: |