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Schon 1612 wird in Gräfrath eine evangelische Schule erwähnt. Sie befand sich fast 200 Jahre lang in der Gerberstraße, bevor sie in die Schulstraße in das heute noch vorhandene Gebäude umzog. Eine katholische Schule entstand 1734 als Gründung des Klosters. Sie wurde 1830 in ein neues Schulgebäude in der Gerberstraße verlegt, wo sich noch heute die Grundschule befindet.

Außerhalb des Gräfrather Ortskerns gab es im 18. Jh. mehrere Hofschaftsschulen. Zwei von ihnen, Ketzberg und Nümmen, kamen 1785 in den Genuss einer Geldzuwendung des spendablen Schulförderers Engelbert Evertsen. Stockdum, seit zwei Jahren ebenfalls schon vorhanden, ging leer aus.

In den 1870er Jahren nahm die Verletzung der Schulpflicht außergewöhnliche Ausmaße an. Rosenthal vermutet die Ursachen im Kulturkampf, der Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche. Vielleicht hängen sie aber auch mit der noch üblichen Kinderarbeit in den Fabriken und den Heimwerkstätten zusammen. 1876 wurden 42 % aller Volksschüler wegen Schulversäumnis polizeilich bestraft. (Von Schülerinnen ist nicht ausdrücklich die Rede.)




Evangelische Schule Gräfrath

1612   Erwähnung eines Schulmeisters in Gräfrath.

1618   Erwähnung der evangelischen Schule im Armenbuch. Sie wurde aus den Armenmitteln der Gemeinde errichtet.

1651   Nennung einer evangelischen Schule in Gräfrath.

27.12.1686   Die ev. Gemeinde verliert beim ersten großen Gräfrather Stadtbrand ihr Predigthaus, das Pastorat und das Schulhaus. Man beginnt sogleich mit dem Wiederaufbau.

05.01.1695   Erwähnung des Lehrers Casparus Bürich (der den Neubau der evangelischen Kirche von 1688 entwarf). Die Schulmeister sind zugleich Küster, Organist und Gemeindeschreiber.



1748   Die reformierte Gemeinde Gräfrath kauft aus dem Besitz des Johannes Tesche ein Schulgrundstück. 

1755   Dem Schulfonds wird gegen Abtretung des alten, baufälligen Schulhauses ein zum Pfarrfonds gehörendes Gebäude mit Gärtchen unmittelbar neben dem Pastorat überlassen und der Bedingung, dass das Pastorat den Tausch gegen Rückgabe des alten Schulhauses rückgängig machen darf.

1756   Der schlechte Zustand des Schulhauses macht einen Neubau dringend erforderlich.

Zur Finanzierung soll die zur Schullehrerwohnung gehörende Schmiede verkauft werden. Als sich kein Käufer findet, soll die Schmiede zur Küche des Schulmeisters umgebaut werden.

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Gerberstraße



2010   Gerberstraße, Nähe Gräfrather Markt. Hinten das Türmchen der evangelischen Kirche, links das ehemalige Sparkassengebäude
 
Evangelische Schule Gräfrath
1757   Bau eines neuen Schulhauses auf der Gerberstraße in der Nähe des Gräfrather Marktes als Anbau an die Schullehrerwohnung. Mit-Finanzierung durch Kollekten in Solingen, Cronenberg, Remscheid, Düsseldorf, Witzhelden und Lüttringhausen. Das Schulgebäude ist zugleich Rathaus.

21.06.1812   Umwandlung der Kirchenschulen in Gemeindeschulen

"Die Schule bestand aus dem Keller, wozu der Eingang auf dem Vorplatz war, dem Erdgeschoss, das die Schulstube beherbergte, sowie aus zwei darüber befindlichen Zimmern im ersten Stock, wozu der Eingang durch die Wohnung des Lehrers führte, und aus einem Speicher. Den Keller benutzte der damalige Pfarrer Köhnen, später nahm ihn der Lehrer in Gebrauch. Die beiden erwähnten Zimmer im ersten Stock waren dem Magistrat für 8 Reichsthaler verpachtet, so dass also in dem Schulgebäude gleichzeitig das Rathaus untergebracht war, auch die Ratssitzungen fanden hier statt." [Baumeister]



 
04.03.1822   Die alte reformierte Schule zu Gräfrath wird auf Abbruch versteigert. Ohne Wissen des Presbyteriums lässt der Gemeinderat das Schulhaus niederreissen.



1822   Der Gemeinderat lässt ein neues Schulhaus an dieselbe Stelle setzen und finanziert den Bau mit Einquartierungsgeldern.

Der Lehrer wohnt weiterhin im alten, der Kirchengemeinde gehörenden Küsterhaus (der Lehrer ist zugleich Küster). Das Haus wird gegen Zahlung von 250 Talern der Zivilgemeinde übertragen, die dann für die Instandhaltung aufkommen muss.

1842   Das bisherige Schulgebäude genügt den Anforderungen nicht mehr.

"Die Schülerzahl hatte stark zugenommen, die Schule war unpraktisch gebaut, die Räume waren zu klein und zu dunkel. Deshalb musste ein grösserer Umbau vorgenommen werden. Das Protokoll sagt darüber: »Das bisherige Schulgebäude der evangelischen Gemeinde soll teils abgebrochen und teils ganz erneuert und verändert werden.« Während der Bauzeit besuchten die Kinder die katholische Schule in der Weise, dass die evangelischen Kinder morgens von 6 1/2 bis 9 Uhr und nachmittags von 4 bis 6 1/2 Uhr unterrichtet wurden. In der dazwischen liegenden Zeit hatten die katholischen Kinder Unterricht." [Baumeister]



Detail aus einem Luftbild von 1929
Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen

Von vorn links führt die Gerberstraße in Richtung ev. Kirche (Bildmitte) und Freiheit bzw. Markt. Nach der Beschreibung vermute ich das alte Schulhaus (Pfeil) in Höhe des heutigen Wohnhauses Nr. 7.
 
17.10.1842   Einweihung der neu hergerichteten evangelische Schule zu Gräfrath. Sie ist nach wie vor zweiklassig mit einem Lehrer und einem Gehilfen.

1873   Die beiden Büroräume werden in ein drittes Klassenzimmer umgewandelt (Lehrer Momma).

In den 1880er Jahren genügt auch das erweiterte Schulhaus nicht mehr, auch fehlt ein Turn- und Spielplatz. Daher Beschluss zum Bau eines neuen Schulhauses in der Schulstraße.

1887   Umzug in das neue Gebäude in der Schulstraße.

Nach Fortfall der Schule werden im Gebäude Sparkasse und Stadtkasse untergebracht. Die hintere Hälfte dient als Abstellraum für die Brandspritzen.

  Die Sparkasse residiert nach wie vor in der Gerberstraße: ab ca. 1930 im neuerbauten Gebäude Nr. 4, jetzt in der Nr. 30.

Später Nutzung als Wohnhaus. Der "Keller scheint noch von einem der ersten Bauten herzuführen, denn er besteht aus einem starken Gewölbe mit meterdicken Mauern." [Baumeister]

1937   Abbruch des ehemaligen Schulgebäudes an der Gerberstraße, das als "Verkehrshindernis" die Straße verengte.

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Schulstraße 2



Evangelische Volksschule Schulstraße
Bild-Quelle: Stadtarchiv Solingen




2010   Das Jugendzentrum an der Schulstraße
 
Evangelische Schule Gräfrath
13.10.1886   Einweihung der neuen evangelischen Schule Gräfrath an der Schulstraße 2

1887   Bezug des vierklassigen Schulneubaus an der Schulstraße

1910   Das Schulhaus ist bereits zu klein. "Durch Abzweigung von Schülern nach anderen Systemen ließ sich der Übelstand ein paar Jahre hindurch beheben". [Baumeister]

1911   Die ev. Volksschule erhält einen Anbau mit zwei zusätzlichen Klassen.

1919 und 1912   Belegung der Schule von englischen und von französischen Besatzungstruppen

1929   Nach der Städtevereinigung heißt die Schule "Evangelische Schule Solingen-Gräfrath".

1931   Adressbuch: Evangelische Schule Sol.-Gräfrath (6 Kl.), Rektor Baumeister.

1938   Die Schule wird siebenklassig. Da die vorhandenen 6 Klassen die steigende Kinderzahl nicht mehr fassen, wird ein leer stehender Raum in der katholischen Schule Gerberstraße mitbenutzt.

1939-1945   Benennung als "Deutsche Schule"

1945-1948   Gemeinschafts-Volksschule

1948/49   Die Schule wird wieder evangelische Bekenntnisschule.

1952   Wegen wachsender Schülerzahlen Errichtung eines weiteren Anbaus für zwei Klassen

1953   Adressbuch: Evangelische Volksschule Schulstraße, 7 Klassen. Solingen-Gräfrath, Schulstr. 2.

01.08.1968   Mit der Schulreform endet die Zeit der Evangelischen Volksschule Gräfrath. Im Gebäude Schulstraße findet zunächst kein Unterricht mehr statt.

1970   Die katholische Hauptschule nutzt die Gebäude Schulstraße 2 und Nibelungenstraße 12.

1972   Schließung der katholischen Hauptschule wegen Schülermangels

Bis 1982   wird das Gebäude Schulstraße von der Grundschule Gerberstraße mitbenutzt.

1982   "Haus der Jugend Gräfrath"

2003-2009 (?)   Die Grundschule Gerberstraße bringt zwei Klassen im Gebäude unter.

2010   "Jugendzentrum Fritz Gräbe"

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Katholische Schule Gräfrath



Gräfrath 1837. Blick auf Klosterkirche und Zeughaus, das es allerdings im 18. Jh. noch nicht gab. Ölgemälde von Friedrich August de Leuw



1900   Erziehungsanstalt für katholische Mädchen im ehemaligen Gräfrather Klostergebäude. Detail einer alten Postkarte
 
Katholische Schule
1734   Die Katholische Volksschule in Gräfrath geht aus einer Schulgründung des Klosters hervor. Da zu den Einkünften des Lehrers freie Wohnung gehört, muss er in das Klostergebäude einziehen.

  Wo sich die ersten katholischen Schullokale befunden haben, geht aus den Quellen nicht hervor. Da es sich um eine Klosterschule handelt, ist sie auf dem Klostergelände zu vermuten.

Um 1803   Aus dem bei der Säkularisation angefallenen geistlichen Besitz wird der Bergische Schulfonds gebildet, aus dem die Ausgaben für die Schulen bestritten werden.

1811   Unter der Regierung Napoleons Zuweisung der katholischen Schule an die Gemeinde Gräfrath, die sich gegen eine Kostenbelastung wehrt. Lehrer Schenk erhält kein Gehalt, sucht sich eine Nebenbeschäftigung und unterrichtet mehrere Monate nicht.

1817   Die katholische Schule einschl. Lehrergehalt wird wieder aus dem Bergischen Schulfonds finanziert.



1896   wird im Klostergebäude eine Erziehungsanstalt für katholische Mädchen untergebracht.

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Gerberstraße 18



2010   Grundschule Gerberstraße 18



Im Sommer 2010 wird die Fassade mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II "energetisch saniert"; Fenster werden ausgetauscht und das Dach erneuert.
 
Katholische Schule
1830   Einweihung eines neuen Schulgebäudes in der Gerberstraße



1910   Erweiterung der katholischen Schule zu Gräfrath

1931   Adressbuch: Kath. Volksschule Sol.-Gräfrath (4 Kl.), Hauptlehrer Hintz.

1939-1948   Die Volkschule Gerberstraße ist Gemeinschaftsschule

1948-1968   "Katholische Volksschule Gerberstraße"

1953   Katholische Volksschule Gerberstraße, 5 Klassen. Solingen-Gräfrath, Gerberstr. 18

Ab 01.08.1968   (Schulreform) "Grundschule Gerberstraße", Nachfolgerin der katholischen Volksschule Gräfrath im Gebäude Gerberstraße

1972-1982   Zusätzlich wird das Gebäude der ehemaligen Evangelischen Volksschule Gräfrath an der Schulstraße 2 benutzt.

2009   Einweihung des Neubaus mit Mensa

2010   Grundschule Gerberstraße


Quellen:
  • Adressbücher
  • Bauermann (1953)
  • Baumeister, Ernst: 325 Jahre evangelische Schule Gräfrath. Solinger Tageblatt vom 24. u. 28.12.1937
  • Rheinische Post vom 14.08.2010
  • Rosenthal (1964)
  • Rosenthal 1. u. 2. Bd. (1973, 1972)
  • Solinger Tageblatt vom 02.11.1951 und vom 01.03.2008
  • Stadtarchiv Solingen
  • Mündliche Auskünfte


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17.07.2010, zuletzt aktualisiert 10.02.2012