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Inhaltsübersicht |
Wuppertal
Solingen Die Klingenhandwerker |
Bergische Industrie 1867 Industrie an der Wupper |
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Dr. Nicolaus Hocker veröffentlichte 1867 einen Bericht über "Die Großindustrie Rheinlands und Westfalens" mit der Zielsetzung, "... die materielle Production unserer herrlichen Provinzen weiter zu fördern und entwickeln zu helfen." In seinem relativ kurzen Kapitel über Elberfeld und Barmen dokumentiert er sehr positiv klingende Erkenntnisse über die dortigen Verhältnissen in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Der Bericht ist hier mit Ausnahme einiger statistischer Angaben im Wortlaut zitiert. Interessant erscheint die Auflistung der in Barmen und Elberfeld hergestellten Erzeugnisse. |
![]() Elberfeld von Westen gesehen, Mitte 19. Jh. |
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Auszüge aus: Die Großindustrie Rheinlands und Westfalens, ihre Geographie, Geschichte, Production und Statistik. Leipzig 1867 von Nicolaus Hocker Land und Leute mit Bezug auf die Industrie Elberfeld und Barmen Die beiden Fabrikstädte Elberfeld und Barmen gehören ... dem Bahngebiete der Bergisch-Märkischen Eisenbahn an, deren Direction sich in Elberfeld befindet. Diese Stadt (62,008 Einw.) liegt an der Wupper, in malerischer Gegend, vom Hardtberge mit herrlicher Aussicht auf die schöne Landschaft überragt. Dem Fremden, der zuerst ins Wupperthal kommt, wird die eigenthümliche Bauart der Häuser auffallen, deren Seiten mit Schiefer bekleidet sind, während grün angestrichene Fensterladen vorherrschen. Elberfeld und Barmen (58,544 Einw.) bilden zwei Schwesterstädte oder vielmehr einen 2 Stunden langen Häusercomplex, in dem zahllose industrielle Etablissements den Fleiß der Bevölkerung bekunden.
Barmen besteht aus Gemarke, Wupperfeld, Rittershausen, Heckinghausen, Wichlinghausen und Unterbarmen nebst einer großen Zahl kleiner Orte und Höfe, die in der Nachbarschaft zerstreut sind. Es ist überhaupt der Gegend von Solingen und Elberfeld eigen, daß die Wohnungen häufig isolirt dastehen, wie solches in Westfalen sowie im Wallonenlande üblich ist. Es verräth diese Eigenthümlichkeit eine strichweise stattgefundene Einwanderung, die vielleicht mit der Uebersiedlung wallonischer Bergleute und Eisenschmiede im Zusammenhang steht.
In Elberfeld existiren nachstehende Zweige der Fabrik- und Handelsthätigkeit: Fabriken von Band, Litzen, Kordeln, Riemen, Schnüren aus den verschiedensten Stoffen, Hutbändern und Hutgarnituren, Stoffen aus Wolle und Halbwolle, Baumwolle und Halbbaumwolle, Seide und Halbseide, Leinen und Halbleinen, Kattun, Knöpfen aus Geweben und Metallen, Lasting [= ein Gewebe], Möbelstoffen, Teppichen, Orleans [= ein Gewebe], Shawls, Velour d'Utrecht, Wagengarnituren, Westenstoffen, Halstüchern, Cravatten, Türkischrothgarnfärbereien- und Handlungen, Twisthandlungen, Fabriken von Kappen, Regen- und Sonnenschirmen, Roßhaarstoffen, Rouleaux [= aufrollbarer Vorhang], mechanische Webereien, Fabriken von Watten, Lampendochten, Militär-Equipirungsgegenständen, Wollengarn, Tuch, Stramin, Bleiweiß, Britanniametallwaaren, Decimalwagen, Drahtwebereien- und Spinnereien, Drahtstiften, Eisenguß- und Maschinenfabriken, Eisen- und Stahlwaaren, Gaslampen, Messern, Oefen, Pferdegeschirren, Garnituren, Plättirten Messing- und Neusilberwaaren, Waffen, Wagen, Wagenlaternen, Liqueur, Chemikalien, Clavieren, Farbstoffen, Lackirwaaren, Möbeln und Tapeten, Parfumerien, Seifen, Senf, Tabak und Cigarren u.s.w.
Elberfeld und Barmen tragen durchaus das Gepräge großer Fabrikstädte, in denen viele reiche Leute neben einer starken Arbeiterbevölkerung wohnen. Für das geistige und materielle Wohl der Letzteren wird nach Kräften gesorgt. Es befinden sich dort zwei Handwerkerfortbildungsschulen, Gesellschaften für Kunst und Gewerbe, ein Verein für Kunstfleiß zu Elberfeld, eine Webeschule daselbst, zwei Sparkassen für Handwerker und Fabrikarbeiter, sowie zwei Unterstützungskassen für Fabrikarbeiter, ohne die vielen Privat-, Kranken- und Unterstützungskassen, die kranken hülfsbedürftigen Arbeitern Unterstützung und Verpflegung gewähren.
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In seiner insgesamt als Zeitdokument interessanten Abhandlung geht Dr. Hocker explizit auf Solingen und auch auf die Solinger Klingenfabrikation ein. Aus seinen Ausführungen spricht höchste Anerkennung und Wertschätzung für die Ergebnisse dieser arbeitsteiligen handwerklichen Produktion. und es spielt keine Rolle, dass es sich dabei zum großen Teil um Tötungsinstrumente handelt. |
![]() Solingen um 1840. Detail einer Zeichnung von O. Kühn, gestochen von H. Winkler |
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Land und Leute mit Bezug auf die Industrie Das Land der Berge
Mit dem Kreise Solingen treten wir in den Regierungsbezirk Düsseldorf ein. Die Kreishauptsta[d]t (ca. 11,000 Einw.) liegt auf dem rechten Ufer der Wupper auf einer Anhöhe, um die sich, malerisch in den benachbarten Thälern zerstreut, einzelne Fabrik-Etablissements, Schleifmühlen u.s.w. gruppieren. Solingen, sowie das zum Kreise Lennep gehörende Remscheid repräsentiren in großartiger Weise die Metallwaaren-Industrie des bergischen Landes, die sich kühn mit den entsprechenden englischen Gewerbszweigen messen kann. [...]
Solingen besitzt außerdem noch eine Papierfabrik, mehrere Eisengießereien, Seifen- und Lichterfabriken. In Höhscheid, einer an Solingen grenzenden aus einer Anzahl zerstreut liegender Höfe bestehenden Gemeinde, befinden sich ebenfalls mächtige Eisen, Messing- und Stahlwaarenfabriken und Handlungen, namentlich Messer- und Scheerenfabriken, ferner ein Eisenhammer, Schleifmühlen u.s.w. In Neu-Cronenberg bei Opladen ist eine Fabrik von Holzschrauben, Schneidewaaren u.s.w.
Zur Industrie-Geschichte Die wichtigsten Klingenfabriken besitzt Solingen, dessen Namen man mit der Sonne in Verbindung bringen will. Wann die ersten Fabriken begründet wurden, ist unbekannt. Vermuthungen sind es, wenn behauptet wird, die ersten Solinger Schmiede seien aus Steyermark oder Elsaß eingewandert. Dagegen ist es wahrscheinlich, daß Adolph VII., Graf von Berg, der für Eduard III., König von England gegen König Philipp von Frankreich ins Feld zog, aus England einige Eisen- und Stahlschmiede nach seinem schönen Lande der Berge verpflanzt hat. Die hanseatischen Kaufleute Kölns werden die Entwickelung des neuen Industriezweiges eifrig gefördert haben, da der Artikel überall guten Absatz fand.
Die Hütten-Industrie und die Metallwaarenfabrikation C. Die Production von Stabeisen, Blech, Draht und Stahl
[...] Die Stahlfabrikation muß in Gegenden mit uralten Waffenfabriken schon seit Jahrhunderten in Betrieb stehen. Es ist unbekannt, aus welchen Fabriken die Solinger Klingenfabriken ihren Stahl bezogen, indessen kann man annehmen, daß derselbe im Lande selbst verfertigt worden sei. Es spricht dafür die Sage, daß englische Arbeiter Leuten des Grafen Adolph VII. von Berg die Kunst, den Stahl zu bearbeiten und zu härten, gelehrt hätten.
F. Die Klingenfabrikation
Wir wenden uns nunmehr zu der Fabrikation von Klingen, also von Degen, Säbeln, Dolchen, Rasirmessern, Taschenmessern aller Art, Küchen- und Schlachtmessern, Plantagemessern, von Scheeren, Gabeln u.s.w. Solingen ist der wichtigste Sitz dieses Industriezweiges. Wir haben bereits in der Industriegeschichte einige historische Angaben über das Alter derselben gegeben. Die Kriege des 19. Jahrhunderts haben ihn stetig weiter entwickelt, während die Weltausstellungen der letzten Jahre ungemein zur Steigerung der meisten Solinger Fabrikate beigetragen haben.
Merkwürdig [i. S. von bemerkenswert] ist die Theilung der Arbeit bei der Klingenfabrikation. Schwertschmied und Vorschläger geben dem rohen Stahl die erste Form. Dann geht die Klinge zum Härter, der ihr die Federkraft giebt, hierauf zum Schleifer, der sie blank macht. Je nach dem Grade der Feinheit, welche die Klingen besitzen, werden sie ein- oder mehrere male mit Schmirgel und Oel auf einer Holzscheibe 'gepließt'; dann wandern sie zum Monteur [= Reider], der sie mit Griffen versieht, an denen wieder mehrere Arbeiter ihre Kunst versucht haben. Die Scheiden, Ringe u.s.w. erfordern abermals vielfache Arbeitskräfte.
Leider ist der Jahresbericht der Handelskammer in Solingen sehr dürftig, und so fehlen uns Angaben über die Zahl der Waffen u.s.w., welche alljährlich fabricirt werden, sowie über den Geldwerth, welchen die Solinger Fabrikate repräsentiren. Freiherr v. Hauer giebt in seiner vortrefflichen 'Statistischen Darstellung des Kreises Solingen' (1832) das jährliche Erzeugniß der Waffenfabrikation in montirten und unmontirten Klingen, einschließlich der Rapiere, Fleurets, Lanzenspitzen u.s.w. auf 100,000 Stück und ihren Durchschnitts-Geldwerth auf 300,000 Thlr. an.
Im Auslande bereitet England den betreffenden Solinger Häusern noch schwere Concurrenz, indessen sind verschiedene Gattungen von Tischmessern und Gabeln ihrer Güte und Preiswürdigkeit wegen sehr begehrt. In Küchen- und Schlächtermessern kann ganz gut mit England concurrirt werden. Feder- und Taschenmesser sind stark gefragt, namentlich von Dänemark, Italien, Spanien, der Levante, Oesterreich u.s.w.
Die Fabrikation von Taschenmessern hat sich auch im Kreise Hagen eingebürgert, und erfreut sich dort eines schwunghaften Absatzes. Mehr und mehr wird zur Herstellung besserer Waare übergegangen und Solingen darin Concurrenz gemacht. Die Fabrikation von Plantagemessern, Zuckermessern, Sackhauern u. dgl. hat an letzterem Orte bedeutend abgenommen, weil andere märkische Etablissements sie billiger liefern können. Im Kreise Hagen werden auch ordinäre Säbelklingen und dolchartige Messer für den Export fabricirt. Westindien hat 1864 beträchtliche Quantitäten davon bezogen.
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Die Industrie im Wuppergebiet (1913)
Der Lenneper Architekt Albert Schmidt veröffentlichte 1913 eine Schrift über die damals hochgradig verschmutzte Wupper. Hier sein knapper Überblick über die Veränderungen ihrer Nutzung im Zuge der fortschreitenden Industriealisierung: |
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"An dem Flußlauf der Wupper und ihren Seitenzuflüssen haben sich von alters her durch die Benutzung der reichlich vorhandenen Wasserkräfte industrielle Werke niedergelassen. In der Nähe des Quellgebietes der Wupper und im Dhünntale waren es vorzugsweise Pulvermühlen, an der mittleren Wupper und den Seitenzuflüssen Hammerwerke der Eisenindustrie, an der unteren Wupper Schleifereien für dieselbe.
Zwischendurch fanden sich, je nach den Bedürfnissen der Gegend verteilt, Mahlmühlen und Knochenstampfen und in der Nähe der Städte mit Tuchindustrie, wie Hückeswagen und Lennep, vereinzelt Walkmühlen.
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Quellen: |