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Dieser (fiktive) Plan einer Stauanlage zeigt verschiedene Stau- und Abflussmöglichkeiten, die allerdings bei einer einzigen Stauanlage kaum alle gleichzeitig vorhanden gewesen sind. Einen Eindruck vermittelt auch heute noch z.B. die Anlage am Schaafenkotten im Ittertal, wo die Wasserkraft - wenn auch nur in kleinem Rahmen - zur Stromerzeugung genutzt wird. Zwar ist kein Stauteich vorhanden, wohl aber Ober- und Untergraben, Schlacht und Gewalt, Flutkasten und Flutschütz.
1. Stau- oder Sammelteich
Zum Betrieb der Bachkotten legten die Schleifer vielfach künstliche Sammelteiche an, um immer möglichst gleichmäßiges Gefälle auf das Wasserrad zu erhalten. Dazu wurde ein neuer Seitenarm des Baches hergestellt, bestehend aus einem Ober- und einem Untergraben. Der Teich wurde durch den Obergraben mit einer höher gelegenen Stelle und durch den Untergraben mit einer niedriger gelegenen Stelle des Flusses oder Baches verbunden. Das vom Bach durch den Obergraben abgeleitete Wasser sammelte sich im Stauteich. An den Itterkotten waren die Obergräben (soweit man dies noch erkennen kann) wesentlich länger als auf dieser Zeichnung dargestellt.
Der Teich hatte in der Regel drei Ausläufe, durch die das Wasser in den Untergraben (11) gelangte, um sich an dessen Ende wieder mit dem natürlichen Bachlauf zu vereinigen:
- den Überlauf, auch Flutschütt genannt (6),
- den Auslauf zum Wasserrad durch das sog. Eishaus (7),
- den Grundzapfen (8). [Horstmann S. 13]
2. Obergraben
Durch diesen künstlich angelegten Wassergraben wird das Wasser des Mutterbachs über die Schlacht in den Stauteich geleitet.
3. Schlacht
Über eine Schlacht (Einlaufwehr) wird das Wasser aus dem Mutterbach, z.B. der Itter, in den Obergraben abgeleitet. Dieser kann durch eine Gewalt (Schließer, Sperrschieber) gegen das einfließende Wasser abgesperrt werden. [vgl. Viebahn S. 30]
4. Gewalt, Gewaltschütz, "Gewault"
Die Gewalt (ein Sperrschütz bzw. Sperrschieber am Beginn des Obergrabens) wird geschlossen, wenn kein Wasser aus dem Mutterbach in den Stauteich fließen soll. [vgl. Viebahn S. 23] Sie entspricht in Solingen ungefähr dem Quall. Die Gewalt wird nur geschlossen, wenn der Obergraben gereinigt wird oder Reparaturen am Wasserrad notwendig sind. [Hardenberg S. 104]
5. Abfall und Abfallgraben
Der Abfall (ein Sperrschütz bzw. Sperrschieber im Obergraben) wird geöffnet, wenn überschüssiges Wasser durch den Abfallgraben (Überlaufgraben) in den Mutterbach geleitet werden soll. Manchmal wird auch das Flutschütz am Stauteich als Abfall bezeichnet, da beide die gleiche Aufgabe haben. Anlagen mit Abfall und Flutschütz kamen kaum vor. [vgl. Viebahn S. 23]
6. Flutschütz, Flutschütt
Das Flutschütz, eine Überlaufschleuse (Sperrschieber), bestand aus einem dicken Balkenrahmen, der mit starken Brettern zugesetzt werden konnte. Die Zahl der Bretter bestimmte die Höhe des Wasserstandes. Mittels Zahnstange und Handwinde konnte das Flutschütz je nach Bedarf hochgezogen werden. Überschüssiges Wasser fließt durch das Flutschütt in den Untergraben ab. (Vgl. "Abfall"). [Horstmann S. 13, vgl. auch Viebahn S. 23]
7. Schalt, Schault, Flutkasten, Eishaus
Das Schalt ist in Solingen ein waagerecht liegender eiserner Kasten am Kotten, in den das Wasser aus dem Obergraben fließt.
In Remscheid war der Begriff Eishaus üblich: ein rechteckiger Wasserbehälter an Schleifkotten und Hammerwerken, aus dem das im Teich gestaute Wasser durch das Schütz auf das Wasserrad fällt. [vgl. Beermann S. 359, Hardenberg S. 95] Er konnte aus Gusseisen, Stein oder manchmal aus Holz gefertigt sein. Ein Beispiel kann man am Manuelskotten (Kaltenbacher Kotten) in Cronenberg besichtigen (s. Abb.).
Der Manuelskotten (Kaltenbacher Kotten) in Cronenberg
Der Begriff "Eishaus" wurde Recherchen zufolge aber auch anders verwendet. So bezeichnete er z.B. in der Gegend um Trier offenbar den Bretterverschlag oder Anbau, in dem sich das Wasserrad befindet, bzw. die Verkleidungen um das Rad herum, die bei Kälte ein Festfrieren verhindern sollten.
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