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PFERDE-ALLTAG IN ALTER ZEIT  
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Industrie und Bergwerk


  • Pferdegöpel und Rossmühle
  • Industrie
  • Bergwerk
  • Stellvertretend für die als "Antriebsmotor" für Handwerksbetriebe, Industrie und Bergbau arbeitenden Pferde sollen die folgenden Beispiele stehen.




    Pferdegöpel und Rossmühle

    Pferdegöpel
    Nach einem Kupferstich von V. Zonca (Ausschnitt)
     

    Das Bild zeigt eine mittelalterliche Metall-Schleiferei mit Pferdegöpel. Das Pferd treibt anstelle von Wasserkraft, Dampfkraft oder Elektromotor mittels einer unter dem Fußboden liegenden Transmissionswelle einen Mühlstein und einen Schleifstein an. Der Schleifer liegt auf einem schrägen Brett vor der Schleifscheibe (im Bild vorn rechts).

    In Solingen war um 1744 eine nach ähnlichem Prinzip arbeitende Rossmühle in Betrieb, die zunächst nur bei Windstille benutzt wurde. Die hier eingesetzten Pferde arbeiteten auch im Fuhrbetrieb. So konnte es geschehen, dass sie nicht zur Verfügung standen, wenn bei Windstille der Göpel anzutreiben war. Zur Not musste man dann auf die Wassermühlen der Umgebung zurückgreifen. Als die alte Solinger Bockwindmühle 1778 einem Sturm zum Opfer fiel, musste die Rossmühle die Arbeit mehr als ein Jahrzehnt lang allein bewältigen.


    In einem Zeitungsartikel erinnerte der Solinger Lokalkistoriker Julius Günther an die Zeit um 1880; es war die Zeit der Dampfmaschinen und Pferdestärken. Der Einsatz von Pferden zum Antrieb von Maschinen war in der Solinger Industrie anscheinend keine Ausnahme.


    Solinger Tageblatt vom 11. Februar 1941, J.G.


    Eine Roßmühle in Wald
    als Antriebseinrichtung einer Federmesserreiderei vor 60 Jahren

    Mit fortschreitender Industrieentwicklung waren die Solinger Fabrikanten darauf bedacht, ihre Betriebseinrichtungen zu verbessern und zu erweitern.

    Vor 60 Jahren fehlte allerdings noch der elektrische Strom, um mit leichter Mühe ein "laufendes Werk" einzurichten, um damit menschliche Arbeitskräfte und Zeit zu ersparen. Wie man zu jener Zeit schon in Oben-Widdert dazu gekommen war, im Betriebe eines Nathanael Ern eine Schleifeinrichtung zu schaffen, die vom Wasser sowohl als auch von der Dampfkraft unabhängig war, und deren Kraftantrieb durch ein von einem Pferde in Gang gesetztes Göpelwerk besorgt wurde, so gab es auch zu jener Zeit in Wald einen Messermacher, der auf die gleiche Art seinen Betrieb rationeller gestaltete.

    Das war der Federmesserreider Fehlenberg von den Felderhöfen, der sich eine solche Einrichtung schuf. Neben der Ausübung seines handwerklichen Berufes bearbeitete er ein kleines Landgut, wozu er auch ein Pferd sein Eigen nannte. Da er es nicht dauernd in der Landwirtschaft benötigte, so konnte es noch in seinem Handwerksbetriebe gute Dienste leisten. Insbesondere kam das in Frage bei der Betätigung des Drillbohrers in der Reiderei. Damals ließ sich die Arbeit nur von Hand machen durch den zum Teil wohl auch heute noch angewendeten Stock mit der daran befindlichen Schnur, der unter dem Namen "Flitzbohrer" oder "Fidelbohrer" bekannt ist.

    Oder es kam die Tretvorrichtung einer Drehbank mit Fußantrieb dafür in Frage. Fehlenberg hatte jedenfalls im Auge, eine rationeller arbeitende Einrichtung zu schaffen. Er legte also vor seinen Betriebsräumen ein Göpelwerk an, so daß sein Pferd stundenweise und nach Bedarf auf die bezeichnete Weise in seinem Handwerksbetrieb mithelfen konnte.

    Wie lange das Göpelwerk für diesen Zweck in Betrieb war, ist nicht genau bekannt. Jedenfalls wurde es, wie ein Gewährsmann sagt, bis vor jetzt etwa 55 Jahren als Antriebseinrichtung in der Solinger Industrie benutzt. Die Einrichtung zeugt davon, wie man bemüht war, sich von der einfachsten handwerklichen Betätigung auf maschinelle Anlagen umzustellen. Später schufen Dampkraft und elektrischer Strom die allgemeinen Erleichterungen, durch die erst Betriebserweiterungen ermöglicht wurden.

    Die Betätigung des Fehlenberg als Federmessereider und als Kleinlandwirt zugleich läßt auch erkennen, daß die Solinger Industriehandwerker der älteren Zeit darauf bedacht waren, landwirtschaftliche Erzeugnisse für den Eigenbedarf, und wo es die vorhandenen Ländereien zuließen, auch darüber hinaus zu gewinnen. Waren die Verdienstmöglichkeiten in der Industrie schlechter geworden, so konnte die Arbeitskraft der Einwohner zu einem großen Prozentsatz in kleinbäuerlichen Betrieben, besonders im Eigenbesitz nutz- und gewinnbringend ausgenutzt werden.


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    Industrie

    Biermann: Borsig
    Borsigs Maschinenbau-Anstalt zu Berlin.
    Detail aus dem Gemälde von Eduard Biermann (1804-1892)

     

    Für diese Abbildungen eines Gemäldes von Eduard Biermann, damals einer der Hauptvertreter der Berliner Landschaftsmalerei, verlassen wir die rheinisch-bergische Region. Auf diesem kleinen Ausschnitt sind sind acht Pferde zu sehen, die, offenbar energisch angetrieben, eine Lokomotive über das Werksgelände bewegen. Biermann schuf das Bild etwa Mitte des 19. Jh. als Auftragsarbeit anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Johann Friedrich August Borsigs Maschinenbau-Anstalt zu Berlin. Die Schwermaschinenfabrik stellte zunächst Dampfmaschinen und seit 1841 vorwiegend Lokomotiven her. [Chronik S. 563]



    Elberfeld, Fuhrhof Bayerwerk
    Bild-Quelle: Bayer-Archiv

     

    Im Bild links ist der Fuhrhof des Bayer-Werks in Elberfeld (Wuppertal) Ende des 19. Jh. zu sehen. - In der Sammlung von Arbeiterbriefen und -berichten von Hilla Peetz "Nicht ohne uns" heißt es: "Ein Uneingeweihter kann sich keine Vorstellung davon machen, was in einem solchen Werk verbraucht wird und wie lebhaft es hier zuging; Eisenbahnwagen wurden vom Bahnanschlußgleis (Kiesberg) durch besonders starke Pferde zur Entladung in die Fabrik gefahren, was für die Pferde eine saure Arbeit war."

    Aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass es im Winter bei Frost und Schnee oft drei der schwersten und kräftigsten Pferde (Belgier) nicht schafften, um die 10 bis 15 Tonnen schweren Wagen überhaupt ins Rollen zu bringen. "An besonders schwierigen Anfahrtstellen kam es nicht selten vor, daß ein Dutzend Arbeiter herzugeholt werden mußte, um Hand anzulegen." [Peetz S. 35 f]

     

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    Bergwerk

    Grubenpferd

     

    Auf den Zechen Helene Amalie und Victoria Matthias in Essen / Ruhrgebiet wurde 1853 mit dem Einsatz von Grubenpferden begonnen. Bis dahin hatten die Bergleute die Kohlenwagen in den Schächten selbst ziehen müssen. Während ein Mensch nur eine Lore fortbewegen konnte, schaffte ein Pferd 8-10 Loren.

    Die Abbildung zeigt, wie ein Grubenpferd um die Mitte des 19. Jh. in einem Geschirr hängend in die Kohlengrube hinabgelassen wurde (zu besichtigen im     "Hippomaxx", dem Westfälischen Pferdemuseum in Münster). Kaum vorstellbar, dass es dabei nicht zu schweren Unfällen gekommen ist.

    1882 ersetzten 2 200 Grubenpferde etwa 15 000 Bergleute. Bis zum Jahr 1913 erreichte ihre Zahl mit 8 042 Pferden den Höhepunkt. Die Grubenpferde konnten allerdings nur in den Hauptstrecken eingesetzt werden. In den Flözen und dort, wo liegend oder gebückt gearbeitet werden musste, war die menschliche Arbeitskraft nach wie vor unersetzlich. Nur wenige Zechen besaßen eigene Pferde. Meist wurden sie von sog. Pferdegestellungs-Unternehmen an die Zechengesellschaften vermietet.

    Seit den 1920er Jahren wurden Grubenpferde mehr und mehr durch Lokomotiven und Förderbänder ersetzt. Bis 1932 sank ihre Zahl auf 1 087 Tiere. Tobias, das letzte Grubenpferd im Revier, arbeitete bis 1966 auf der Zeche "General Blumenthal" in Recklinghausen.

    "Die Tiere wurden gut versorgt und hatten eine geregelte Arbeitszeit. Dennoch war ihr Leben schwer, viele mussten fast das ganze Jahr unter Tage und in der Dunkelheit leben. Die Hitze in den Stollen war eine Qual für die Menschen und Tiere. Am schlimmsten war die Kieselsäure im Kohlenstaub, die bei den Bergarbeitern die 'Steinstaub-Lunge' verursachte. Die Grubenpferde wurden unter Tage im Durchschnitt nicht älter als zehn Jahre." [Schulte Ladbeck, Heinrich: Nimrod, das Grubenpferd. Zur Geschichte der Grubenpferde. Selbstverlag, 1989. Zitiert bei: Die NRW-Stiftung. Magazin 3/2002 S. 8] Gute Versorgung, geregelte Arbeitszeit - unter günstigen Umständen mag es manchmal so gewesen sein.

      Wie es den Grubenpferden tatsächlich erging, wie ihre Arbeits- und Lebensbedingungen aussahen und wie es damals um den Tierschutz bestellt war, hat Eberhard Holin ausführlich auf der Webseite www.welsh-pony.de dargestellt.


    Zeche Silschede
    Aquarell Mutz 2003
     

    Das Aquarell zeigt einen der üblichen Transportkarren vor der Kleinzeche "Dachs und Grevelsloch" in Silschede Ende des 19. Jh. (nach einer historischen Fotografie).



    Quellen:
  • Chronik (1983)
  • Die NRW-Stiftung. Magazin 3/2002
  • Peetz (1981)
  • Rosenthal 2. Bd. (1972)

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    25.04.2003, zuletzt aktualisiert 23.01.2010