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Inhaltsübersicht |
Alltag, Leben, Sitten und Gebräuche Kindheit früher |
Nachwuchs |
![]() Bergisches Energiebündel Jg. 1913 |
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Geburt Kindtaufe Uneheliche Geburten Zauberkräfte |
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Geburt
Nach der Hochzeit kam in den meisten Fällen spätestens nach 9-10 Monaten das erste Kind, und dann folgte in dichter Folge eines auf das andere. Nicht selten wird man in den Kirchenbüchern noch Ende des 19. Jh. die Geburt des letzten Kindes in zeitlichem Zusammenhang mit dem Tod der Mutter finden - und kurz darauf die Wiederverheiratung des verwitweten Vaters, der dringend eine Stiefmutter für seine Kinderschar brauchte. Und die Kinderzahl wuchs dann in aller Regel noch weiter.
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"Das 'Kümpchen' - ein Festgericht für Wöchnerinnen und ihre Besucher.
Noch vor ungefähr vierzig Jahren bestand in Solingen vielfach der Brauch, Wöchnerinnen, sowie Verwandten und Freunden, die sie besuchten, zu Ehren 'Kümpchen' zu brauen oder aufzusetzen. Zu diesem Zweck vermengte man in einem wenn möglich silbernen Schüsselchen oder Kümpchen feingeschnittenen Kräuterkuchen, ganz kleine Rosinen und Zuckerstückchen, tränkte die Mischung mit holländischem Anisette und deckte sie für eine Stunde zu.
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Das oben beschriebene Kümpchen in der Silberschale kam natürlich eher bei den "Bessergestellten" zum Einsatz. Ansonsten gab es Kuchen: |
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"Bei der Geburt eines Erdenbürgers galt der erste Besuch der jungen Mutter. Sie wurde begrüßt von den Bessergestellten mit dem 'Kümpchen'. Es war eine Wöchnerinnensuppe, die in einer silbernen Schale gereicht wurde, deshalb auch die Bezeichnung "Kümpchen". Das Gericht galt der Mutter, während die wohlhabendere Schenkerin die Schale meist als erstes Geschenk für das Neugeborene bestimmte.
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Dass die Babys wirklich nicht vom Klapperstorch gebracht werden, dürften diese beiden Postkarten zweifelsfrei beweisen. |
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Weltpostverein, Serie 346; um 1900, nicht verschickt |
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Kindtaufe
1823 konstatiert der Solinger Amtsarzt Dr. Spiritus in seiner medizinischen Topographie des Kreises Solingen, dass "Hochzeiten und Kindtaufen [...], besonders im obern Kreise, ziemlich stille gefeiert" wurden [Spiritus S. 168].
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"Für die Kindtaufen galten die gleichen Vorschriften und die gleichen Mißbräuche wie für die Hochzeiten. Das Gevatterbitten bei Kindtaufen war auch in Solingen üblich. Ein Beschluß des Konsistoriums von 1686 wandte sich dagegen, daß der Kindesvater die gebetenen Gäste sogleich bei ihrem Erscheinen ins Wirtshaus führe, wo dann ein schändliches Saufen anfange. Dies sei der heiligen Taufe nachteilig und solle abgestellt werden.
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Eine gewollte öffentliche Stigmatisierung unehelicher Täuflinge durch die Kirche? Und weshalb wohl glaubte "man" sich bei der Anzahl der Gevattern einmischen zu müssen? Tatsächlich finden sich auch noch später z.B. in den Solingen-Walder Taufbucheinträgen bei vielen Täuflingen vier bis sechs Paten oder Taufzeugen. |
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Uneheliche Geburten
Von Dr. Spiritus ist aus dem Jahr 1823 zu erfahren, dass die "unehelichen Kinder [...] sich zu den Gebornen [...] wie 1 zu 32 [verhalten], was in der That gegen andere Gegenden ein günstiges Verhältnis ist". [Spiritus S. 174] Die gleiche Zahl nennt 1832 auch Fhr. v. v. Hauer in seiner statistischen Darstellung des Kreises Solingen. [Hauer S. 27] Dies entspräche einer Quote von 3,1% unehelicher Geburten.
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Kindstötung
An die Kehrseite der Moral erinnert Stremmel in seiner Anmerkung:
"z.T. auch heimliche Abtreibungen oder Kindestötungen." [S. 174] Nicht nur heile Welt. Grausamkeit der Mutter oder eines unrühmlichen Vaters oder der Doppelmoral einer bigotten Gesellschaft? Ein Phänomen mit vielen Facetten, das sich durch alle Zeiten zieht.
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Solinger Tageblatt vom 3. April 1926
=gr= Eine Kindesleiche gefunden. Am Donnerstagnachmittag wurde von der Wupper bei Zweiterkotten die Leiche eines neugeborenen Kindes angeschwemmt. Die Leiche wurde von Kindern zuerst bemerkt und der Polizei übergeben. Das tote Kind hatte ein Taschentuch als Knebel im Mund. Die Ermittlungen sind eingeleitet. |
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Zauberkräfte
Natürlich taten verantwortungsbewusste Mütter auch früher alles für das Wohlergehen ihres Sprösslings, und ein Kind, das seine ersten Zähnchen zu spüren bekommt, kann ziemlich laut werden. Gut, wenn man gerade die Klaue eines verstorbenen Maulwurfs zur Hand hatte: |
![]() |
Linke Hand des Maulwurfs |
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"Maulwurfsklauen, ein Sympathie-Mittel, um das Zahnen der Kinder zu erleichtern.
Wie verbreitet in früheren Zeiten der Glaube an Sympathie-Mittel gewesen ist, erhellt daraus, daß noch vor 70 Jahren die Kinder einer der angesehensten Solinger Familien die Vorderklaue eines Maulwurfs in ein leinenes Säckchen genäht auf der Brust getragen haben, um das Zahnen zu erleichtern." |
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Immerhin schwören noch heute manche Mütter zum gleichen Zweck auf Bernsteinketten. Schaden kann wohl das eine so wenig wie das andere.
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Quellen: |