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Solingen
Honschaften


Solingen: Über die Honschaften

Wenn man sich mit der Solinger Geschichte beschäftigt, kommt man an zwei Begriffen nicht vorbei, die oft und gerne miteinander verwechselt oder in einen Topf geworfen werden: Honschaften und Hofschaften. Diese Irrtümer findet man auch in Internet-Lexika und deren Klonen.

  Honnschaft / Honschaft = Verwaltungseinheit, Vorstufe einer Landgemeinde, Steuer- und Polizeibezirk als Untergliederung eines Kirchspiels. Im 18. Jh. = Landgemeinde.

  Kirchspiel = Pfarrbezirk, Pfarrsprengel [Knaur 1991], Diözese, Parochie [Beckmann]

  Hofschaft = weilerförmige Siedlung, die sich ursprünglich aus einem Einzelhof entwickelt hat. Sie kann denselben Namen tragen wie eine Honschaft, ist aber nicht mit ihr identisch und muss auch nicht zu der betreffenden Honschaft gehören.

  Über die Hofschaften




Ein Thema auch für Familienforscher

Familienforscher mit Solinger Vorfahren sind anfangs vielleicht ähnlich irritiert wie ich, wenn sie feststellen, dass die in den Kirchenbüchern eingetragenen Wohnorte bestimmter Vorfahren häufig wechseln, dass bei jeder der zahlreichen Kindstaufen einer Familie ein anderer Wohnort angegeben ist, oder dass mal Honschaftsnamen, mal Hofschaftsnamen eingetragen sind, die aber nicht zusammen passen.

Dies muss keineswegs bedeuten, wie ich anfangs vermutete, dass diese Familie unentwegt umgezogen ist. Tatsächlich haben sich die Gebietsgrenzen der Gemeinden, Honschaften und Dörfer und die Zuordnung der Hofschaften und Erbhöfe im Solinger (und auch Haaner) Bezirk im Lauf der Zeit vielfach verschoben. Im Zweifelsfall also nicht wundern - sondern ggf. in den Kirchenbüchern der anderen Gemeinden weitersuchen.


Solingen
 
Solingen um 1647.
Kupferstich von Matthäu Merian d.Ä.




Honschaften als Verwaltungseinheiten

Die folgenden Informationen zu diesem höchst unübersichtlichen, komplexen und trockenen Thema stammen von dem Solinger Stadthistoriker Heinz Rosenthal, der sie u.a. in seinen drei Bänden über die Solinger Stadtgeschichte an den verschiedensten Stellen eingestreut hat.

In der zweiten Hälfte des 11. Jh. fand innerhalb der Erzdiözese Köln, zu der das Solinger Gebiet gehörte, eine Verwaltungsreform statt, in deren Rahmen die Kirchspiele festumschriebene Grenzen erhielten. Die weltliche Verwaltung in Gestalt des Grafen von Berg knüpfte an die so geschaffene Einteilung der Kirchspiele an und schuf als deren Untergliederungen die Honschaften als Polizei- und Steuerbezirke. Das Vorhandensein einer "Honschaft" ("hunneschof") im heutigen Solinger Stadtgebiet ist belegt durch eine Urkunde aus dem Jahr 1249.

Die Höfe oder Hofschaften, die zu einer Honschaft gehörten, standen nicht immer in territorialem Zusammenhang; die Zusammensetzung änderte sich immer wieder im Lauf der Zeit.

Die früheren Dörfer im heutigen Solinger Stadtgebiet (Löhdorf, Steinendorf, Kortendorf, Dorp) waren nie selbstständige politische Gemeinden und keine Verwaltungseinheiten. Sie waren lediglich "Nachbargemeinschaften" der dort angesiedelten Bauern. Das Dorf Solingen hingegen war Steuerhebebezirk und hatte hierdurch den Charakter einer Honschaft.

Oberstes Organ der Honnschaft war die Honnschaftsversammlung. Sie bestand aus den 'Meistbeerbten', eine auf das Rheinland beschränkte Bezeichnung für die Haus- und Grundbesitzer. Die Honnschaftsvorsteher waren Exekutivorgane der Amts- und Steuerverwaltung ihrer Honschaft, nach heutigem Sprachverständnis "Beamte auf Zeit".

Während des 18. Jh. nahmen die Honschaften durch die Verteilung der Steuern, Kontributionen und Kriegslieferungen sowie durch die Organisation des Brandschutzes und des Schulwesens den Charakter von Landgemeinden an. Um 1800 wurden sie unter französischer Regentschaft als "Commune" (Gemeinde) bezeichnet und "behandelt".

1808 wurde Solingen Bürgermeisterei (Mairie), bestehend aus nur einer Gemeinde, während die übrigen Bürgermeistereien des Kreises mehrere Gemeinden (= Honschaften) umfassten. Deren Gebiete entsprachen nicht unbedingt denen der vorausgegangenen Honschaften.

Unter preußischer Verwaltung wurden die alten Landgemeinden wiederum zu Bürgermeistereien (Samtgemeinden) zusammengefasst. [Rosenthal Bd. 1-3]

In den Folgejahren kam es zu vielen weiteren Veränderungen, Zusammenlegungen, Umverteilungen - nicht nur bei der Gemeinde-, sondern auch bei der Justizverwaltung - mit teils grotesken Auswirkungen und Ergebnissen.

Als 1856 die Stadtrechte an die Bürgermeistereien Wald, Gräfrath, Merscheid, Höhscheid, Solingen und Dorp vergeben wurden, entfielen die entsprechenden Landgemeinden bzw. Honschaften als Verwaltungseinheit.

  Die Walder Honschaften



Quellen:
  • Rosenthal (1967)
  • Rosenthal: Solingen 1. Bd. (1973) S. 313, 21, 114;
    2. Bd. (1972) S. 423, 10, 74, 271; 3. Bd. (1975) S. 27, S. 45

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    17.04.2005, zuletzt aktualisiert 02.10.2008