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Solingen
Solinger Hofschaften |
Scheid
Obenscheid - Quellenhof |
![]() Quellenhof, vermutlich zwischen 1967 und 1979. Bild-Quelle: Stadt-Archiv Solingen |
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Über ein längst verschwundenes "Denkmal", den Bauernhof Obenscheid bzw. das Mädchenheim Quellenhof, berichten die Autoren
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Werner Eyl, Rektor der Schule an der Scheidter Straße, schildert in seiner Festschrift "Meine Schule - meine Heimat" im Jahr 1928 die Geschichte und (damalige) Gegenwart des Quellenhofs: |
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Meine Schule - meine Heimat. 1878-1928. Festschrift zum 50jährigen Jubelfest der Schulgemeinde Wald-Schlagbaum (Scheidterstraße) Der Quellenhof in Obenscheidt. Von Werner Eyl
"Am Ursprung des Lochbaches in Obenscheidt liegt ein alter schöner Bauernhof, heute genannt der 'Quellenhof'. Dem stattlichen Wohnhaus sieht man es an, daß großzügiger Sinn und behäbige Wohnhabenheit hier einst geschaltet haben. Obwohl nahe dem schnellflutenden Verkehr einer modernen Stadt, hat sich dies Fleckchen doch die heimliche Stille vergangener Zeiten bewahrt.
Wir betreten das Haus. Die schöne geräumige Diele fesselt sogleich unseren Blick [...]. Mit schweren 10 Zentimeter dicken Marmorplatten aus dem Neandertal ist der Boden belegt und man merkt es einigen noch an, daß sie ursprünglich nur rauh behauen waren, aber dann durch den langen Gebrauch allmählich glatt geschliffen sind. Hier mag einst der Mittelpunkt des regsamen Lebens gewesen sein, von wo aus die Bäuerinnen das ganze große Hauswesen leiteten.
Das Prunkstück der Diele ist die mächtige Feuerstätte, wuchtig überdacht von dem breiten Rauchfang. Nebeneinander wurden hier die Speisen der Hausbewohner bereitet und auch in großen Kesseln das Futter für die Schweine gekocht. Zu beiden Seiten sind in das Mauerwerk Buchstaben eingemeißelt, die wohl auf die früheren Hofbesitzer Bezug haben. Man sagt, daß die Familie Hammerstein, der bis 1926 der Hof gehörte, ihn einst von der Familie Steineshoff übernommen habe, die wiederum die Nachfolgerin einer Famiile Garze gewesen sei. Da beide Familien nach Ausweis der alten Kirchenbücher in 'Bauernscheid', dem heutigen Obenscheidt, ansässig waren, ist mit ziemlicher Bestimmtheit anzunehmen, daß sie als die Angesehensten auch auf dem größten Hof, also dem 'Quellenhof', gewohnt haben. Und in der Tat finden wir unter den Buchstaben am Kamin ein 'G', das somit auf den Namen Garze hinzuweisen scheint.
Erstaunlich ist der Reichtum des bei dem Bau verwandten Eichenholzes. Wahrscheinlich ist es einst alles auf eigenem Grund und Boden gehauen worden. Denn der ausgedehnte Besitz des reichen Gutshofes erstreckte sich über Central bis Ketzberg hin und umfaßte viele Eichenwälder, wie ältere Leute sich heute noch erinnern.
Dieser schöne und wertvolle Hof ist nun im Jahre 1926 durch Kauf in den Besitz des evangelischen Kirchenkreises Solingen übergegangen, der im alten Bauernhaus ein Mädchenheim einrichtete. Der Grundriß des Hauses hätte für diesen Zweck nicht passender sein können und ist darum auch im wesentlichen beibehalten worden. Wohl war manches innen und außen zerfallen und verwahrlost, aber der Kern des Hauses erwies sich bei genauer Untersuchung trotz des Alters als durchaus gesund.
Das Heim wird geleitet von zwei Schwestern aus dem Mutterhaus Malche bei Freienwalde a.d. Oder, deren Hauptaufgabe es ist, die Mädchen mütterlich zu betreuen und ihnen ein trautes Heim zu schaffen, das ihnen so oft gefehlt hat. Im ganzen können 18 Mädchen aufgenommen werden, für die 8 Zimmer mit einem Bett, 2 Zimmer mit zwei Betten und 2 Zimmer mit drei Betten bereit stehen. Diese 12 Zimmer im ersten Stock haben alle gleichmäßig weiße Möbel und bieten durch ihr frisches Aussehen, verbunden mit dem schönen Ausblick in die Gärten und den großen Baumhof, eine anheimelnde Wohnstätte, die schon manchem Insassen lieb geworden ist.
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Diele des Quellenhofs, vor 1928. Bild-Quelle: Stadt-Archiv Solingen |
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Otto Bauermann veröffentlichte 1951 weitere Erkenntnisse über die Historie des Gutshofs Obenscheid: |
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Die Heimat 6/1951, S. 11 ff
Der Scheiderhof, heute 'Quellenhof' Von Otto Bauermann
"[...] Ueber die früheren Eigentümer des Hofes war nur bekannt, daß die Familie Hammerstein ihn einst von der Familie Steineshoff übernommen haben soll und diese wiederum die Nachfolgerin einer Familie Garze gewesen sei.
Zu dem ausgedehnten Besitz des Gutshofes, der sich, wie Recktor Eyl schreibt, über Central bis Ketzberg erstreckte, gehörte auch, wie aus der Akte hervorgeht, das Auer-Gut. Dieses Gut kaufte am 1. August 1827 der Müller und Bäcker David Picard zu Gräfrath für 1538 Thaler 13 Groschen 10 Pfg. von Johann Peter Steineshoff.
1) Abraham Schmidt war 1842 bereits verstorben. |
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Mädchenheim Quellenhof
Die Fürsorgerin Klara Winter, in den 1960er Jahren kommissarische Leiterin des christlich orientierten "Vor-Asyls Quellenhof", hat 1979 dessen wechselhafte Geschichte anhand der Jahresberichte des gleichnamigen Vereins skizziert. Hier sind einige Auszüge bzw. Statements aus den ersten 10 Jahren seines Bestehens. Wenn auch aus dem Zusammenhang gerissen, werfen sie doch Schlaglichter auf den Zeitgeist und den Geist des Hauses und das problematische Bemühen, beides irgendwie miteinander in Einklang zu bringen: |
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1927 |
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Während des Krieges kam es zu einer zehnmonatigen Unterbrechung der Arbeit. Nach dem Krieg wurde sie mit Unterstützung der zuständigen Behörden fortgesetzt. 1949/1950 musste aufgrund der großen Nachfrage von Ausgebombten und Flüchtlingen mehr Raum geschaffen werden. Nach Ausbau des Dachgeschosses verfügte das Heim über 28 Betten. "Der Charakter unseres Hauses hat sich wesentlich geändert, wir werden bei den Sozialbehörden jetzt als Jugendwohnheim geführt." [Winter S. 22 f]
1954 konnte zusätzlich ein Neubau mit weiteren 33 Betten von berufstätigen jungen Mädchen und Frauen bezogen werden.
1967 übernahm das Rheinische Landesjugendheim Halfeshof den Quellenhof nach vollzogenem Umbau als Unterkunft für männliche Stadtarbeiter und Lehrlinge.
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Quellen: |