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1933
1933 war der Anbruch einer neuen Zeit. Der Marxismus hatte sich beim größten Teil des deutschen Volkes unbeliebt wie unhaltbar gemacht, u. Adolf Hitler, der Führer der "National sozial. deutschen Arbeiter Partei" wurde durch den Reichspräsidenten Hindenburg Reichskanzler. Da sollte auch die Kirche ein ander Bild bekommen. Es erstand darin eine Partei, die sich "Deutsche Christen" (*) D.C. nannte u. von oben so gefördert wurde, daß alle Kirchengliederungen aus 75% derselben bestehen mußten.
Zuerst dachte man dabei an einen inneren Aufbau, doch im Oktober 1933 (ich gehörte auch dazu) schrieb ich: Nach meiner Beobachtung u. Erkenntnis sind die D.C. nicht die Kirche (Kirche = Gemeinschaft der Gläubigen), sondern sind nur eine Kirchenpolitische Partei, die ohne Zweifel manches Gute will, die sich aber in der Wahl der Mittel vielfach vergriffen hat.
Nach weiterem Erleben u. praktischer Beobachtung trat ich im Dez. 1933 aus dem Verband der D.C. aus, u. schloß mich später dem Gegensatz derselben: [der] "Bekennenden Kirche" (*) an. Der Grund derselben ist das alte reformatorische Evangelium, das unverkürzte alte Evangelium von Jesus Christus, das Erbe unser Väter, wie es in unserm Glaubensbekenntnis ausgesprochen ist. Jetzt waren, sich von selbst ergebende, Gegensätze da.
Die Bekennende Kirche gründete sich auf der ersten Bekenntnissynode 29.-31.05.1934 in Wuppertal-Barmen. Sie verabschiedete in der dortigen Gemarker Kirche als theologisches Fundament die Barmer Theologische Erklärung. (*)
1934
1934 den 22. März verzogen wir von Sol.-Ohligs in unser Heimatstädtchen Haan.
1935
Bis Mitte Januar 1935 besuchte ich noch den Chr. M. Chor [Christlichen Männerchor] in Ohligs regelmäßig; trat dann des unfreundl. Weges oft, aus. Durch den Austritt von D.C. [Deutsche Christen] wie Parteimitgliedern ist der Chor dann im Frühjahr 1935 eingegangen. -
Die Gegensätze der beiden vorgenannten kirchl. Richtungen verschärften sich immer mehr, zudem erstand noch die "Deutsche Glaubensbewegung", (*) die die jeden christl. Glauben ablehnen, wie auch die ähnliche "Weltanschauung" des Ministers Rosenberg.
Der NSDAP-Politiker Alfred Rosenberg wurde während des Nürnberger Hauptprozesses als Hauptschuldiger der NS-Kriegsverbrechen angeklagt, für schuldig befunden und 1946 zum Tode verurteilt.
1935-1936
1935-36. Die Bekennende Kirche wird als "Gruppe in der Kirche" von allen vorgenannten Richtungen wie auch vom Staat "als Kirche" abgelehnt u. bekämpft. Die meisten Pfr. [Pfarrer] im Rheinland gehören aber der Bek. Kirche an, doch muß mancher im Reiche für ein offenes Bekenntnis dieserhalb ins Gefängnis oder dergl. Die Kirchenfinanzen hat der Staat in seine Hand genommen, es soll eine Staatskirche geben.
Wo ist die Freiheit der Kirche, die so oft versprochen?! Wir haben eine ausgesprochen antichristliche Zeit.
1937
1937. Die kirchl. Lage bereinigt sich durch die Staatseingriffe nicht. Gottes Wort, die hl. Schrift, u. Jesus unser Heiland wird abgelehnt. Mitte Febr. ordnet der Führer u. Reichskanzler Adolf Hitler eine Kirchenwahl an; ob sie kommt?
Viele Pfr., Älteste u. Laien müssen in Gefängnisse [...], dies ist früher noch nie dagewesen. Die bek. Kirche soll verschwinden. Weltanschauung = Vernunftreligion soll Kirche sein. - [...] 805 Pfr. [Pfarrer] u. andere gingen 1937 um vorgenanntes halber durch Gefängnisse [...].
Die Bekennende Kirche stand ab ihrer Gründung 1934 unter Beobachtung der Gestapo. Über viele ihrer Vertreter wurden Redeverbote verhängt, viele wurden inhaftiert, einige ermordet.
1938
Fortsetzung 1938. Die kirchl. Lage ist noch nicht in Ordnung, sondern im Gegenteil eher zerrütteter. Über die Finanzen u. was damit zusammenhängt ist vom Staat ein Herr Sons ernannt, Geschäftsort Düsseldorf, der schon über 10 Jahre aus der Kirche ausgetreten ist, aber über Gehälter der Pfr., Anstellung, ectr. ectr. im Rheinland bestimmt. Unfaßbar! Die "bekennende Kirche" soll verschwinden. Sehr viele gläubige Pfr. haben Redeverbot, Ausweisung, Gefängnis, Konzentrationslager; - Der Herr stärke alle darunter leidende, u. führe alle wirklich an den Herrn u. Heiland Jesus Christus Glaubende auf eine Linie.
1939
1939 Ab 1. April gibt es keine evangel. oder kathol. Volksschulen mehr. Verfügung!! Antichristentum macht sich bei der Jugend besonders bemerkbar. Religionsunterricht ist für viele Schüler schon Nebensache, auch bei vielen Erwachsenen die Kirche oder christl. Versammlungen bezw. Gemeinschaften.
Der oben genannte Finanzmann in Düsseld. will auch Verfügung über kirchl. Kollekten (= eine freiwillige Gabe für jeden). Vielen Pfr. die sich dem nicht fügten bekamen Gehaltssperre; nach Monaten, weil als ungerecht oben erkannt, wieder aufgehoben.
Den 18. Juli starb im Konzentrationslager Sachsenhausen Pfr. Schneider aus Dickenschied, aus dem Hunsrück. Hunderte Pfr. in Talar, u. sehr viele andere, wohnten der Beerdigung in Dickenschied bei, auch unsere bek. [bekennende] Gemeinde war durch Herrn Pfr. Sauer u.a. vertreten.
Pfarrer Paul Schneider war das erste Todesopfer der Bekennenden Kirche. Er wurde 1939 im KZ Buchenwald bei Weimar - nicht in Sachsenhausen - vergiftet.
Wikipedia
Wie schon vor Jahren werden noch immer christl. Blätter verboten, oder müssen heute durch den Krieg wegen "Papiermangel" eingeschränkt werden. - Zeichen der Zeit!
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