Westdeutsche Zeitung, Montag, 8. August 2005 - HAAN
Spurensuche in eigener Sache
22 Mitglieder hat mittlerweile der Haaner Arbeitskreis für Ahnen- und Familienorschung.
Von René Czejka
Haan. Quellen zu suchen und sie wissendurstig auszuschöpfen, das ist das Feld, auf dem Ahnenforscher zuhause sind - auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Dieser Passion, sich auf die Spuren der Vorfahren zu begeben und Stammbäume zu rekonstruieren, frönt in Haan schon seit einigen Jahren der Arbeitskreis Ahnen- und Familienforschung.
Ohne Vorstand sind hier zurzeit 22 Hobby-Genealogen locker organisiert. Sie treffen sich alle sechs bis acht Wochen, um sich auszutauschen und informationsträchtige Quellen zu diskutieren. "Bei den Treffen versuchen wir auch, Anfragen, die wir von Mitbürgern bekommen haben, zu beantworten, sofern es den finanziellen Rahmen nicht sprengt", erklärt Dirk Westerweg, der im Arbeitskreis zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit ist.
Bei der Recherche machen sich die Ahnenforscher verschiedene Hilfsmittel zu Nutze. Die wichtigste Quelle vor Einführung der Standesämter stellen die Kirchenbücher der Gemeinden dar. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts geführt, finden sich hier aufschlussreiche Eintragungen über Geburten, Hochzeiten und Todesfälle. Im französischen Einzugsgebiet kann man zusätzlich Personenstandsurkunden zu Rate ziehen, deren Einführung auf Napoleon zurückgeht.
Dennoch ist die Ahnenforschung eine zeitaufwändige Angelegenheit. Fragmente aus verschiedensten Quellen werde wie ein Puzzle zu einem Stammbaum zusammengesetzt. Nicht selten wird der Forscher bei seiner Arbeit mit der dunklen Seite der Familiengeschichte konfrontiert. "Wenn man da dann ran geht, darf man keine Angst haben, dass man auch mal Leichen im Keller findet - aber natürlich oftmals auch Positives", erzählt Rita Labonte-Philippen aus dem Arbeitskreis. Sie hat ihre Ahnenlinie in jahrelanger Kleinstarbeit bis zu Karl dem Großen zurückverfolgt.
Doch Familienforschung findet nicht ausschließlich zwischen dicken Büchern am Schreibtisch statt. Auslandsreisen zu Recherchezwecken gehören genauso zur Genealogie wie das Entziffern von Sütterlin, der altdeutschen Schrift, die letztlich auch in jeder Region Deutschlands anders geschrieben wurde.
Um die Quellen besser vernetzen zu können, hat sich der Arbeitskreis als Ziel die Einrichtung einer Heimatstube gesetzt. In ihr sollen Gruppen, wie der Bergische Geschichtsverein oder der Arbeitskreis für Ahnen- und Familienforschung, ein Zuhause mit Zugriff auf ein Archiv finden. "So etwas fehlt in Haan bisher", bedauert Westerweg.
Interessierte finden den Arbeitskreis am 30. August im Clubhaus des Haaner Turnerbundes an der Grundschule Dieker Straße oder im Internet.
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