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Einzelne Solinger Hofschaften,
Ortschaften, Höfe, Straßen und Häuser

Adamsfeld
Bech
Bockstiege
Brabant / Potzhof

Buckert
Dahl
Dorp
Ehren

Eipaß
Engelsbergerhof
Eschbach / Itter
Feld

Garzenhaus
Gönrather Hof
Haus Grünewald
Heiligenstock
Herkelnbroich
Ittertal
Ketzberg, Gemür
Keusenhof

Kirschbaumer Hof
Krüdersheide
Kullen / Kulltappen
Limminghofen

Monhof
Nacken
Rennpatt
Riefnacken

Rolsberg
Roter Esel
Scheid
Scheuer
Sonnenschein
Sorgenhaus
Stockdum
Straßen

Tiefendick
Tummelhaus
Vockert
Werwolf

Westersburg
Wiefeldick
Wilzhaus
Wittkulle

Wupperberge
Odenthal, Galapa, Jagenberg


Schloss Küppelstein (RS)

 

  Alte Straßen- und Ortsbezeichnungen im Solinger Bezirk
  Einwohner des Kirchspiels Wald im 18.-19. Jahrhundert (mit Ortsbezeichnungen)
  Einzelne ehemalige Ritter- und Adelssitze in Solingen und Umgebung
Hofschaftshaus mit mehrfacher Wohnflächenvergrößerung


Solinger Hofschaften  -  Einführung

Im Stadtarchiv fand ich alte Abbildungen, Zeitungsnotizen und Dokumente zur Geschichte der oben aufgelisteten Örtlichkeiten, in denen man vielen alten Solinger Familiennamen begegnet.

Einige der Höfe, aus denen teilweise später Hofschaften geworden sind, hat es schon im 14. Jh. gegeben. Mittelalterliche Aufzeichnungen sind hauptsächlich von denjenigen Bauernhöfen erhalten, die von einem Grundherrn abhängig waren (z.B. der Abtei Altenberg), - ein Bruchteil aller Höfe im Solinger Gebiet. Die meisten waren freibäuerlicher Besitz. [Rosenthal 1 S. 63]


Die noch im 15. Jh. dominierenden Einzelhöfe wuchsen im Verlauf der frühen Neuzeit zu unzähligen weilerartigen Häusergruppen an und bestimmten neben den zentralen Markt- und Kirchorten Solingen, Gräfrath und Wald das Siedlungsbild. Diese Hofschaften bestanden aus sechs bis dreißig Gebäuden. Charakteristisch war die regellose Anlage von bäuerlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie dazwischen liegenden Werkstätten des Metallgewerbes wie Schmieden und Reiderwerkstätten.

Eine Hofschaft kann als weilerförmige Ansammlung von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie Werkstätten und Gartenland beschrieben werden. Sie war eine Siedlung oder "Lebensraum", in dem die Bewohner sich teilweise selbst versorgten. Sie war jedoch kein "kleines Dorf"; dazu fehlte die dörfliche Infrastruktur wie Kirche und Kaufmannsladen. Der Hofschaftscharakter ist heute noch in Solingen in vielen alten Siedlungen erkennbar.

  Nicht zu verwechseln sind die "Hofschaften" mit den "Honschaften".


Die Praxis der Realerbteilung, die eine gleichmäßige Verteilung des Besitzes - des Landes wie der Gebäude - unter den Erben vorsah, zersplitterte den ohnehin wenig fruchtbaren Boden in immer kleinere Besitztümer. Dies geschah bei jedem Generationswechsel.

Spätestens im 17. Jh. stieß die Siedlungsbewegung an ihre Grenzen. Durch den arbeitsintensiven Anbau von Buchweizen, Kohl, Hülsenfrüchten und Kartoffeln (seit Mitte des 18. Jh.), der nahezu "gartenmäßig" betrieben wurde, versuchten die Landbewohner, ein Auskommen auf den sich immer weiter verkleinernden Gütern zu finden. Häufig wurden auch noch im 20. Jh. Hühner und Ziegen, seltener eine Kuh gehalten.

Durch die starke Besiedlung rückten die Hofschaften bis auf Sichtweite aneinander. Eine Landkarte des Baumeisters und Landmessers Erich Philipp Ploennies († 1751) verzeichnet Anfang des 18. Jh. auf dem Gebiet der heutigen Stadt Solingen lt. Malunat 262 solcher Hofschaften.   [Ich habe nicht nachgezählt.]

Aufgrund der wachsen Bevölkerungszahl bildeten sich "Tochterhofschaften", noch erkennbar an Namenszusätzen wie Oben-, Unten-, I., II., II., Vorder-, Mittel-, Hinter- usw.

Die sanitären Verhältnisse blieben bis in die frühe Neuzeit kritisch. Da es in den Hofschaften weit weniger Brunnen als Hausbesitzer gab, mussten die Nutzungsrechte geregelt werden. Die Ableitung des Schmutzwassers stellte viele Bewohner wegen der abschüssigen Lage der meisten Hofschaften vor fast unlösbare Probleme. Streitpunkte im Alltag gab es also genug.




Auch die Unzulänglichkeiten der verwendeten Baumaterialien wirkten sich auf das Erscheinungsbild der Hofschaften aus. Die nötigen Pflegearbeiten an Haus und Nebengebäuden banden nicht nur Arbeitskraft, sondern auch viel Geld. So mussten die Gefache der Außenwände regelmäßig erneuert werden. Besonders anfällige Stellen, wie Wetterseite und Giebel, versuchte man mit Holzverkleidungen zu schützen. Ohne regelmäßige Pflege verfielen die Anlagen innerhalb kurzer Zeit. So attraktiv, wie die restaurierten Anwesen heute aussehen, sind sie früher wohl nie gewesen.

Konjunkturelle Krisen zeigten sich auch am aktuellen Zustand der Häuser, der oft zu wünschen übrig ließ. Vielleicht boten sie ein ähnlich trauriges Bild wie die vielen Fachwerk- und Schieferbauten in den 1960er/1970er Jahren, die nicht mehr instand gesetzt wurden und allmählich verfielen.

Allerdings ist auch von Reisenden des 18./19. Jh. zu lesen, dass sie von der Sauberkeit bergischer Fachwerkhäuser beeindruckt waren.

  Vom bergischen Haus


Buscherfeld
 
2005
Buscherfeld


  Hofschaftsmuseum
"Haus zum Busch",
Gräfrath

Wer einmal eine kleine, höchst lebendige Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen und zugleich in die Gegenwart einer alten Solinger Hofschaft hineinschnuppern will, der sollte sich durch das zeitweilig als Hofschaftsmuseum geöffnete 'Haus zum Busch' in Gräfrath und die Hofschaft Buscherfeld führen lassen.

Die Begeisterung der Hausherrin für ihr altes Fachwerkhaus, sein Innenleben und die ländlich-schöne Umgebung wirkt ansteckend: Die kenntnisreichen Erläuterungen sind die eigene Familiengeschichte, und auch jedes der Altertümchen in Haus und Garten hat seine Geschichte. Und wer beim 'Adeln' Hand anlegen, sich an einem Waschbrett versuchen oder einen puristischen hölzernen Schneebesen ausprobieren will, erhält vielleicht dazu Gelegenheit.


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Über die Honschaften  -  Begriffliche Abgrenzung

Wenn man sich mit der Solinger Geschichte beschäftigt, kommt man an zwei Begriffen nicht vorbei, die oft und gerne miteinander verwechselt oder in einen Topf geworfen werden: Honschaften und Hofschaften. Diese Irrtümer findet man auch in Internet-Lexika und deren Klonen.

  Honnschaft / Honschaft = Verwaltungseinheit, Vorstufe einer Landgemeinde, Steuer- und Polizeibezirk als Untergliederung eines Kirchspiels. Im 18. Jh. = Landgemeinde.

  Kirchspiel = Pfarrbezirk, Pfarrsprengel [Knaur 1991], Diözese, Parochie [Beckmann]

  Hofschaft = weilerförmige Siedlung, die sich ursprünglich aus einem Einzelhof entwickelt hat. Sie kann denselben Namen tragen wie eine Honschaft, ist aber nicht mit ihr identisch und muss auch nicht zu der betreffenden Honschaft gehören.


Ein Thema auch für Familienforscher

Familienforscher mit Solinger Vorfahren sind anfangs vielleicht ähnlich irritiert wie ich, wenn sie feststellen, dass die in den Kirchenbüchern eingetragenen Wohnorte bestimmter Vorfahren häufig wechseln, dass bei jeder der zahlreichen Kindstaufen einer Familie ein anderer Wohnort angegeben ist, oder dass mal Honschaftsnamen, mal Hofschaftsnamen eingetragen sind, die aber nicht zusammen passen.

Dies muss keineswegs bedeuten, wie ich anfangs vermutete, dass diese Familie unentwegt umgezogen ist. Tatsächlich haben sich die Gebietsgrenzen der Gemeinden, Honschaften und Dörfer und die Zuordnung der Hofschaften und Erbhöfe im Solinger (und auch Haaner) Bezirk im Lauf der Zeit vielfach verschoben. Im Zweifelsfall also nicht wundern - sondern ggf. in den Kirchenbüchern der Nachbargemeinden weitersuchen.


Solingen
 
Solingen um 1647.
Kupferstich von
Matthäu Merian d.Ä.


Honschaften als Verwaltungseinheiten

Die folgenden Informationen zu diesem höchst unübersichtlichen, komplexen und trockenen Thema stammen von dem Solinger Stadthistoriker Heinz Rosenthal, der sie u.a. in seinen drei Bänden über die Solinger Stadtgeschichte an den verschiedensten Stellen eingestreut hat.

In der zweiten Hälfte des 11. Jh. fand innerhalb der Erzdiözese Köln, zu der das Solinger Gebiet gehörte, eine Verwaltungsreform statt, in deren Rahmen die Kirchspiele festumschriebene Grenzen erhielten. Die weltliche Verwaltung in Gestalt des Grafen von Berg knüpfte an die so geschaffene Einteilung der Kirchspiele an und schuf als deren Untergliederungen die Honschaften als Polizei- und Steuerbezirke. Das Vorhandensein einer "Honschaft" ("hunneschof") im heutigen Solinger Stadtgebiet ist belegt durch eine Urkunde aus dem Jahr 1249.

Die Höfe oder Hofschaften, die zu einer Honschaft gehörten, standen nicht immer in territorialem Zusammenhang; die Zusammensetzung änderte sich immer wieder im Lauf der Zeit.

Die früheren Dörfer im heutigen Solinger Stadtgebiet (Löhdorf, Steinendorf, Kortendorf) waren nie selbstständige politische Gemeinden und keine Verwaltungseinheiten. Sie waren lediglich "Nachbargemeinschaften" der dort angesiedelten Bauern. Das Dorf Solingen hingegen war Steuerhebebezirk und hatte hierdurch den Charakter einer Honschaft.

Oberstes Organ der Honnschaft war die Honnschaftsversammlung. Sie bestand aus den 'Meistbeerbten', eine auf das Rheinland beschränkte Bezeichnung für die Haus- und Grundbesitzer. Die Honnschaftsvorsteher waren Exekutivorgane der Amts- und Steuerverwaltung ihrer Honschaft, nach heutigem Sprachverständnis "Beamte auf Zeit".

Während des 18. Jh. nahmen die Honschaften durch die Verteilung der Steuern, Kontributionen und Kriegslieferungen sowie durch die Organisation des Brandschutzes und des Schulwesens den Charakter von Landgemeinden an. Um 1800 wurden sie unter französischer Regentschaft als "Commune" (Gemeinde) bezeichnet und "behandelt".

1808 wurde Solingen Bürgermeisterei (Mairie), bestehend aus nur einer Gemeinde, während die übrigen Bürgermeistereien des Kreises mehrere Gemeinden (= Honschaften) umfassten. Deren Gebiete entsprachen nicht unbedingt denen der vorausgegangenen Honschaften.

Unter preußischer Verwaltung wurden die alten Landgemeinden wiederum zu Bürgermeistereien (Samtgemeinden) zusammengefasst. [Rosenthal Bd. 1-3]

In den Folgejahren kam es zu vielen weiteren Veränderungen, Zusammenlegungen, Umverteilungen - nicht nur bei der Gemeinde-, sondern auch bei der Justizverwaltung - mit teils grotesken Auswirkungen und Ergebnissen.

Als 1856 die Stadtrechte an die Bürgermeistereien Wald, Gräfrath, Merscheid, Höhscheid, Solingen und Dorp vergeben wurden, entfielen die entsprechenden Landgemeinden bzw. Honschaften als Verwaltungseinheit.

  Die Walder Honschaften



Quellen:
  • Lomberg (1928)
  • Lunkenheimer (1990)
  • Malunat (1990)

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